Putin: Supermacht sein, ist "viel zu teuer und unnötig"

Russlands Präsident im Gespräch.
Russlands Präsident im Gespräch.REUTERS

Russland wolle keine Großmacht sein, sagt der russische Präsident. Er bestärkt Assad als Syriens Machthaber, fordert jedoch eine Verfassungsreform.

"Viel zu teuer und unnötig", wirft Russlands Präsident Wladimir Putin Vorwürfe zurück, sein Land wolle eine Supermacht sein. "Nein, wir beanspruchen die Rolle einer Supermacht nicht", sagt er in einem Interview mit der "Bild"-Zeitung. Die Äußerung von US-Präsident Barack Obama, wonach Russland nur noch eine Regionalmacht sei, habe er "nicht ernst genommen", versicherte Putin. Er widersprach damit Einschätzungen, wonach er die Äußerung Obamas als Kränkung empfunden habe. "Wer die Bedeutung Russlands in der Welt trotzdem herabsetzen will, der will in Wahrheit nur sich und sein eigenes Land erhöhen. Das ist ein Fehler.“

Erneut bekräftigte er die Legitimität des syrischen Machthabers Bashar al-Assad. "Assad bekämpft nicht die eigene Bevölkerung sondern diejenigen, die bewaffnet gegen die Regierung vorgehen", sagte Putin in dem Gespräch. Wenn dadurch auch die Zivilbevölkerung leide, sei dies nicht die Schuld Assads, sagte Putin.

Seine Parteinahme für Assad bedeute aber nicht, dass in Syrien alles beim Alten bleiben könne. "Wenn die Stabilisierung des Landes vorankommt, müssen eine Verfassungsreform folgen und danach vorgezogene Präsidentschaftswahlen", forderte Putin. Seine Unterstützung für Assad begründete der russische Präsident mit der Bedeutung regionaler Stabilität. "Wir wollen nicht, dass Syrien so endet wie der Irak oder Libyen."

Putin für erneute Zusammenarbeit mit NATO

Auch die Gewährung politischen Asyls für Assad in Russland schloss Putin nicht aus, nannte die Frage aber verfrüht. "Dafür ist die Zeit noch nicht reif. Aber es war sicherlich schwieriger, Herrn Snowden Asyl in Russland zu gewähren, als es im Fall von Assad wäre", sagte Putin mit Blick auf den ehemaligen US-Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden, dem Russland Asyl gewährt hat.

Zudem sprach er sich dafür aus, die Zusammenarbeit mit der NATO wieder zu verstärken. "Russland würde gern wieder mit der NATO zusammenarbeiten, Gründe und Gelegenheiten gäbe es genug." Aber es sei wie im richtigen Leben: "Eine glückliche Liebe ist nur eine, die erwidert wird. Wenn man nicht mit uns zusammenarbeiten will, na bitte, dann eben nicht."

Der russische Präsident betonte auch seine Bereitschaft, wieder an G-8-Treffen teilzunehmen. Die Treffen "waren alles in allem durchaus nützlich, denn es ist immer gut, alternative Meinungen auszutauschen und Russland zuzuhören". Die G-7-Staaten hatten die Teilnahme Russlands an den Treffen ausgesetzt, nachdem es wegen der Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim durch Russland im Frühjahr 2014 zu starken Spannungen gekommen war.

>>> Zum Interview in der "Bild"-Zeitung.

(APA/Reuters/dpa)