Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Istanbul: Acht Deutsche unter Todesopfern

Kanzlerin Angela Merkel
Kanzlerin Angela MerkelReuters
  • Drucken

Bei einem Bombenanschlag im Touristenviertel Sultanahmet wurden mindestens zehn Menschen getötet. Bei dem Attentäter handelt es sich nach Regierungsangaben um ein syrisches IS-Mitglied.

Bei dem Selbstmordanschlag in Istanbul sind acht Deutsche getötet worden. Das sagte der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) am Dienstagabend in Berlin. Neun weitere Deutsche seien zum Teil schwer verletzt worden. "Wir können zu dieser Stunde nicht wissen, ob es bei dieser Anzahl bleibt", sagte wenig später auch die deutsche Kanzlerin Angela Merkel in einer Pressekonferenz. Sie bekundete den Hinterbliebenen dr Opfer ihr Beileid und der Türkei ihre Solidarität. "Heute hat es Istanbul getroffen, zuvor Paris, Kopenhagen, Tunis und viele mehr. Der internationale Terror wählt die Orte seiner Anschläge unterschiedlich, das eigentliche Ziel ist aber immer das gleiche, unser freies Leben", so Merkel in ihrer Ansprache nach dem Anschlag nahe der Blauen Moschee und der Hagia Sophia. "Genau diese Freiheit und unsere Entschlossenheit, gemeinsam mit unseren internationalen Partnern, gegen diese Terroristen vorzugehen, werden sich aber durchsetzen", schloss die deutsche Kanzlerin. 

Zuvor hatte es bereits in türkischen Regierungskreisen geheißen, unter den zehn Todesopfern seien neun Deutsche. Die peruanische Regierung bestätigte ein Todesopfer aus dem Andenstaat. Österreicher dürften sich laut Außenministeriums-Sprecher Thomas Schnöll nach derzeitiger Informationslage nicht unter den Opfern befinden. Das Wiener Außenamt warnt derzeit vor Menschenansammlungen in Istanbul.

Forensiker am Anschlagsort.
Forensiker am Anschlagsort.REUTERS

Die Detonation ereignete sich um 10.20 Uhr auf dem bei Touristen beliebten Sultanahmet-Platz nahe der Blauen Moschee und der Hagia Sophia. Präsident Recep Tayyip Erdogan macht in einer TV-Ansprache einen Selbstmordattentäter "syrischer Herkunft" für die Explosion verantwortlich. Er sei als ein 1988 geborener Syrer identifiziert worden, hieß es. Ministerpräsident Ahmed Davutoglu sagte später, es handle sich um ein IS-Mitglied. Nach Angaben von Davutoglus Vizepremier Numan Kurtulmus war der Attentäter erst vor kurzem aus Syrien in die Türkei eingereist. Er sei nicht auf der Liste verdächtiger Extremisten gestanden. 

Ein Zeuge berichtete einer Nachrichtenagentur, die heftige Explosion sei kilometerweit zu hören gewesen. Die Detonation dürfte sich am ägyptischen Obelisken, der in der Nähe der Hagia Sophia, der Blauen Moschee und des Deutschen Brunnen steht, ereignet haben. Das im europäischen Teil von Istanbul gelegene Viertel Sultanahmet ist bei Touristen äußerst beliebt.

Regierung verhängt Nachrichtensperre

Inzwischen verhängte die türkische Regierung eine Nachrichtensperre. Zur Begründung teilte die Medienaufsicht RTÜK am Dienstag mit, ein solcher Schritt sei laut Gesetz möglich, wenn er der "nationalen Sicherheit" diene.

Eine dpa-Reporterin wurde an der Absperrung daran gehindert, Fotos vom Ort der Detonation zu machen. Die Polizisten verlangten ihren Presseausweis, um ihn zu überprüfen. Eine Moderatorin von CNN Türk sagte, wegen der Nachrichtensperre könne der Sender nur noch eingeschränkt berichten.

Türkei vermehrt Opfer von Anschlägen

Im Jänner 2015 waren im Viertel Sultanahmet zwei Polizisten bei einem Anschlag verletzt worden, welcher der linksextremen Gruppe DHKP-C zugeschrieben wurde. Im Oktober wurden bei einem doppelten Selbstmordanschlag in der Hauptstadt Ankara 103 Menschen getötet. Der bisher blutigste Anschlag auf türkischem Boden wurde der Jihadistengruppe Islamischer Staat (IS) zugeschrieben.

Am 23. Dezember wurde auf dem Istanbuler Flughafen Sabiha Gökcen bei einem Attentat ein Mensch getötet, zu der Tat bekannte sich die Kurdengruppe TAK. Die Türkei hat seit dem Sommer ihr Vorgehen gegen kurdische Aktivisten deutlich verschärft.

Seit dem Ende eines Waffenstillstands im Juli gehen Regierungstruppen verstärkt gegen Kämpfer der separatistischen Kurdischen Arbeiterpartei PKK vor. Infolgedessen wurden in mehreren türkischen Städten Anschläge verübt. Die PKK, die auch in der EU und den USA als terroristische Organisation gilt, kämpft seit Jahrzehnten für mehr Autonomie. Zehntausende Menschen kamen dabei ums Leben.

 

 

(APA/dpa/Reuters)