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„Fast Fashion“ bleibt in Mode: H&M gewinnt

(c) EPA (Andy Rain)
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H&M oder Zara schlagen sich in der Krise wacker und expandieren weiter rasant. Der Krise zum Trotz oder um eine kommende Flaute abzuwenden, will H&M heuer so viele neue Geschäfte wie möglich aus dem Boden stampfen.

WIEN (cim). Die tapferen Schneider in Bangladesch oder der Türkei und fleißige Fashion-Victims sorgen bei Hennes & Mauritz (H&M) für ein überraschend gutes Geschäft: Zwischen März und Mai wurde der Umsatz um 23 Prozent auf 23,538 Mrd. Schwedische Kronen (2,4 Mrd. Euro) gesteigert, der Vorsteuergewinn hat nach einem Rückgang im ersten Quartal wieder zugelegt: um 6,4 Prozent auf 530 Mio. Euro.

Die Schweden haben damit die Erwartungen der Analysten klar übertroffen. Das Plus beim Umsatz stammt allerdings vor allem aus der schnellen Expansion. Auf bestehenden Flächen wäre der Umsatz im Quartal um zwei, im gesamten ersten Halbjahr um drei Prozent geschrumpft.

Im ersten Halbjahr wurden 93 neue H&M-Filialen (zwei davon in Österreich) eröffnet, nun betreibt der Modekonzern 1822 Geschäfte in 30 Ländern (61 davon sind in Österreich).

 

Tausende neue Hosenverkäufer

Der Krise zum Trotz oder um eine kommende Flaute abzuwenden, will H&M heuer so viele neue Geschäfte wie möglich aus dem Boden stampfen. Im Gesamtjahr 2009 sollen 225 Läden und 6000 bis 7000 neue Mitarbeiter dazukommen. In Österreich beschäftigt H&M derzeit 2600 Menschen.

Die Strategie des Konzerns: „Die Anzahl der Geschäfte soll jedes Jahr um zehn bis 15 Prozent wachsen, auch die Umsätze in den bestehenden Filialen sollen steigen“, hat Konzernchef Rolf Eriksen kürzlich angekündigt. Die meisten der neuen Geschäfte sind in den USA, Großbritannien, Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien geplant.

Dort, im Süden Europas, will man vor allem dem Rivalen Inditex, zu dem unter anderem die Ketten Zara, Bershka oder Massimo Dutti gehören, die Stirn bieten. Die Spanier verfolgen ebenso wie die Schweden das Konzept der „Fast Fashion“: junge, schnell wechselnde Mode, billig dank einer kurzen Wertschöpfungskette (möglichst wenige Zwischenhändler, Einkauf großer Volumina und Effizienz im Vertrieb).

 

Schweden versus Spanien

Inditex schlägt sich in der Krise ebenso wacker wie H&M: Vor wenigen Wochen wurde ein Umsatzplus von acht Prozent mitgeteilt, der Gewinn ist im Vergleich zum Vorjahr allerdings zurückgegangen. Im Gegensatz zu den Schweden wurde bei Inditex kein Verkaufsrückgang auf bestehenden Flächen registriert, obwohl ein Drittel der Kleider des Konzerns im schwer gebeutelten Spanien verkauft wird.

Dem Umsatz nach ist Inditex die Nummer eins auf dem europäischen Modemarkt, international führt der US-Riese Gap. H&M ist weltweit die Nummer drei.

Inditex, so vermuten Branchenkenner, könnte gegenüber H&M in der Krise Boden gutmachen: Denn etwa ein Drittel der Waren werden in eigenen Fabriken hergestellt; so könne der Konzern schneller auf Währungs- oder Konjunkturschwankungen reagieren. Die Hälfte der Produktion stammt aus Spanien, Portugal oder Marokko; damit habe man die Transportkosten besser im Griff.

Allerdings hat Inditex die Expansionspläne gegenüber dem Vorjahr zurückgeschraubt. Aber auch heuer sollen 370 bis 450 neue Läden, vor allem in China, Japan und Korea, eröffnet werden.

Beim Markenwert führt allerdings H&M das Ranking der Modegiganten an, zumindest besagt das die Liste „Best Global Brands“ von Interbrand. Dort haben es die Schweden 2008 erstmals unter die Top 100 geschafft und sind auf Platz 22 gelandet, weit vor Zara (Platz 62) oder Gap (Platz 77).

 

Gerry Weber lockt Luxuskäufer

Nicht nur die Händler der jungen, schnellen Mode freuen sich über kauflustige Kunden: Während Konkurrent Escada mit dem Tod ringt, laufen dem deutschen Modekonzern Gerry Weber die Kundinnen von Luxusherstellern zu. Das hat dem Konzern aus Westfalen im ersten Halbjahr 2008/09 zu deutlichen Gewinn- und Umsatzsteigerungen verholfen.

Auch Gerry Weber will expandieren: 100 neue Filialen sollen dieses Jahr dazukommen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.06.2009)