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Zentralmatura: „Ministerium war lernfähig“

Von 9. bis 19. Mai wird heuer die Zentralmatura stattfinden. Erstmals auch an allen berufsbildenden höheren Schulen (BHS).
Von 9. bis 19. Mai wird heuer die Zentralmatura stattfinden. Erstmals auch an allen berufsbildenden höheren Schulen (BHS).(c) Stanislav Jenis
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An den Gymnasien fürchtete man sich im Vorjahr vor der erstmaligen Durchführung der Zentralmatura. Nun sind die berufsbildenden höheren Schulen (BHS) dran. Wie die neue Reifeprüfung an HTL, HAK und Co. aussieht.

Wien. In vier Monaten werden österreichweit alle Maturanten bei der Zentralmatura sitzen: Erstmals wird diese nämlich nicht nur an den Gymnasien, sondern auch an allen berufsbildenden höheren Schulen (BHS) – also unter anderem an HTL, HAK, Bildungsanstalten für Kindergartenpädagogik (Bakip) – stattfinden. Eine große Veränderung, die einst, beim Start an den AHS, für Wirbel, Verunsicherung und Kritik sorgte. Und heuer? Fürchten sich auch die BHS vor der zentralen Reifeprüfung?

Nein, das tun sie nicht, sagt Jürgen Rainer, der oberste BHS-Gewerkschafter. Für die berufsbildenden Schulen sei die Umstellung „zu schaffen“. Auch Bundesschulsprecher Maximilian Gnesda ist dieser Meinung: Die Schüler der BHS seien „besser vorbereitet“. Man habe sich Probleme, die es an den Gymnasien im Vorfeld der neuen Matura gegeben hat, genau angesehen. Dort sind dem zuständigen Bundesinstitut für Bildungsforschung (BIFIE) einige Fehler unterlaufen, die Lehrer klagten lange über fehlendes Lehrmaterial, und die Schüler scheiterten beim Hochladen ihrer Vorwissenschaftlichen Arbeit auf den Server des Ministeriums aufgrund technischer Probleme. Anders als an den AHS sind an den BHS bislang weder Pannen bekannt geworden, noch gab es öffentliche Beschwerden der Lehrerschaft über eine unzureichende Vorbereitung der Matura durch das Bildungsministerium. Da dürfte auch die um ein Jahr längere Vorbereitungszeit genützt haben: „Das Ministerium war lernfähig“, sagt Rainer.

 

25.000 Kandidaten: Mehr als an AHS

Dabei ist die Zentralmatura an den BHS eine viel größere organisatorische Aufgabe. Schon allein, weil es an den BHS mit rund 25.000 Schülern deutlich mehr Maturanten als an den Gymnasien gibt, wo im Vorjahr 19.200 Schüler angetreten sind. Außerdem sind die Ausrichtungen von HTL, HAK, Bakip etc. enorm unterschiedlich. Eine identische Aufgabenstellung ist daher unmöglich.

Und so ist die BHS-Zentralmatura nicht ganz mit jener an den AHS zu vergleichen. Das beginnt schon beim Namen. An den BHS absolvieren Maturanten nicht nur eine Reifeprüfung, sondern eine Reife- und Diplomprüfung – als Zeichen dafür, dass damit nicht nur eine Hochschulberechtigung, sondern gleichzeitig auch eine berufliche Qualifikation erlangt wird.
Die Matura gliedert sich in drei Teile: die Diplomarbeit, die schriftliche und die mündliche Matura. Die Diplomarbeit ist das Pendant zur Vorwissenschaftlichen Arbeit an den AHS, beschäftigt sich aber mit einer berufs- oder betriebspraktischen Fragestellung und wird meist in einer Gruppe geschrieben.

 

Zehn verschiedene Mathematikangaben

Der Kandidat wählt, ob er in drei oder vier Fächern schriftlich maturiert (entsprechend gibt es mündlich drei oder zwei Prüfungen). Die Matura in Deutsch, Angewandter Mathematik und in den lebenden Fremdsprachen Englisch, Französisch, Italienisch oder Spanisch wird zentral vom BIFIE vorgegeben. In allen anderen Fächern erstellen weiter die Klassenlehrer die Matura. Die Deutsch-Matura ist an AHS und BHS gleich. Für Englisch gilt das nur teilweise und für Mathematik gar nicht.

Mathematik ist ein Sonderfall. Die Matura besteht aus zwei Bereichen. Teil A ist für alle BHS-Typen, also sowohl HTL als auch Bakip, gleich und testet die Grundkompetenzen. Teil B ist je nach Schultyp unterschiedlich. Insgesamt gibt es sogar zehn verschiedene Varianten (allein sechs für die unterschiedlichen HTL-Formen). Damit wird der unterschiedlichen Gewichtung des Mathematikunterrichts (es gibt unterschiedlich viele Stunden) sowie der jeweiligen Schwerpunktsetzung Rechnung getragen (Mathematikunterricht ist weder für Elektrotechniker und Maschinenbauer noch für angehende Betriebswirte und Kindergartenpädagogen gleich). Die Klausurteile werden nicht gesondert beurteilt. Anders als an den AHS reicht es also nicht, nur Teil A, also die Grundkompetenzen, zu bestehen.

Die mündliche Matura ist weiterhin nicht zentral. Doch auch hier gibt es Änderungen: Die Lehrer müssen 20 bis 25 Themenbereiche pro Fach erarbeiten. Aus diesem Korb zieht der Kandidat zwei Bereiche, von denen er sich einen aussuchen kann. Wie an den AHS müssen negative Leistungen bei der Diplomarbeit bzw. bei der schriftlichen oder mündlichen Matura durch eine neue Prüfung in genau diesem Bereich ausgebessert werden – also etwa durch eine neue Diplomarbeit, eine neue schriftliche oder neue mündliche Prüfung. Ausnahme sind die schriftlichen Klausuren: Hier darf der Schüler auch eine mündliche Kompensationsprüfung ablegen.

Auf einen Blick

Die Zentralmatura findet heuer erstmals auch an den berufsbildenden höheren Schulen (BHS) statt. Sie beginnt sowohl an den Gymnasien als auch an den BHS am 9. Mai 2016 mit dem Fach Deutsch. Bereits einen Tag später folgt Mathematik. Dann geht es weiter mit Englisch (11. Mai), Französisch (12. Mai), Italienisch (13. Mai), Spanisch bzw. Minderheitensprachen (18. Mai).

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.01.2016)