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Doskozil: Im Zweifel dann doch auf Niessl-Linie

Einige Soldaten kennen ihren neuen Minister schon. 2015 wurden sie von Hans Peter Doskozil für den Grenzeinsatz geschult.
Einige Soldaten kennen ihren neuen Minister schon. 2015 wurden sie von Hans Peter Doskozil für den Grenzeinsatz geschult.(c) APA/ROBERT JAEGER

Aus Werner Faymanns Sicht sprach so einiges für Hans Peter Doskozil als Heeresminister: Dessen Talent zum Krisenmanager, sein Draht zur Innenministerin, vor allem aber zu Hans Niessl.

Wien. Einen Burgenländer im Verteidigungsministerium – das hatten wir doch schon. Dieses Mal ist es aber kein ehemaliger Zivildiener wie Norbert Darabos, sondern ein Uniformierter. Hans Peter Doskozil, seit 2012 Landespolizeidirektor im Burgenland, soll das Ministerium von Gerald Klug übernehmen. Eine offizielle Bestätigung der SPÖ wird es erst am Freitag geben, wenn die Parteigremien getagt haben. Fürs Erste mussten sich die Medien, auch die „Presse“, mit einer inoffiziellen begnügen.

Dass ihn Werner Faymann gern in die Regierung holen würde, weiß Doskozil seit einigen Tagen. Fix wurde es aber erst am Dienstagabend, nachdem der Kanzler seine Pläne mit der Gewerkschaft abgestimmt hat, die in der SPÖ stärker denn je zu sein scheint. Der 45-Jährige musste nicht lang überlegen. Schon vor Monaten hatte er in einem Fernsehinterview zugegeben, dass er nicht als Polizist in Pension gehen wolle.

 

Faymanns Ratgeber

So schnell hat aber selten jemand Karriere gemacht. Einer breiteren Öffentlichkeit ist der Name Doskozil nämlich erst seit Ende August ein Begriff. Nach dem Flüchtlingsdrama auf der A4 bei Parndorf und während der Massenbewegungen am burgenländischen Grenzübergang Nickelsdorf war er als besonnener, souveräner Krisenmanager in Erscheinung getreten. Er wurde zum gefragten Mediengast und erweckte auch dort den Eindruck, als wäre er eine ruhige, kompetente Vertrauensperson, an deren breiten Schultern man sich in diesen unsicheren Zeiten anlehnen kann.

Faymann und sein Erster Offizier im Kanzleramt, Josef Ostermayer, hatten da längst Kontakt zu ihm aufgenommen und regelmäßig seinen Rat in der Asylpolitik eingeholt. Bald war den beiden klar, dass sie ein politisches Talent entdeckt hatten, eine Personalreserve für den Sicherheitsbereich in der Regierung. Das Innenministerium wollte die ÖVP nicht abtreten, also wird Doskozil nun, da die Zeit gekommen ist, in das Verteidigungsministerium geschickt.

Auch innerparteilich ist er eine ziemlich schlaue Wahl. Denn Doskozil zählt zu den engsten Vertrauten jenes burgenländischen Landeshauptmanns, der Faymann und Ostermayer seit dem rot-blauen Pakt im Juli große Sorgen bereitet. Zwischen 2010 und 2012 ist Doskozil Hans Niessls Büroleiter gewesen. Entsprechend groß sind jetzt die Erwartungen auf beiden Seiten.

Niessl schickte am Mittwoch erste Liebesgrüße aus Eisenstadt: Doskozil, ließ er dem Kanzler ausrichten, wäre eine sehr gute Wahl. Nicht nur, weil er viel von seinem früheren Mitarbeiter hält. Es wäre auch eine Bestätigung für den Landeshauptmann, dessen (asylpolitischer) Kurs in der SPÖ umstritten ist. Aus der burgenländischen Landespartei hieß es am Mittwoch bereits: Doskozil habe Niessls durchaus schärfere Linie in der Flüchtlingspolitik federführend mitentwickelt. Würde er nun in die Regierung geholt, wäre das ein innerparteiliches Statement von Faymann.

 

Ein Korb für Ernst Strasser

Ein weiteres Argument für Doskozil war, dass er – im Gegensatz zu seinem Vorgänger Gerald Klug – ein gutes Verhältnis zu Innenministerin Johanna Mikl-Leitner unterhält, seinem zukünftigen Gegenüber in der Koalition. In der Flüchtlingskrise sollen die beiden einen guten Draht zueinander gefunden haben. Hilfreich dürften da auch die alten Netzwerke gewesen sein, die Doskozil einst im Innenministerium gesponnen hat.

2004, nach seiner Zeit als Streifenpolizist und dem Jusstudium, hatte Doskozil dort angeheuert und relativ bald auf sich aufmerksam gemacht. Der damalige Innenminister, Ernst Strasser, wollte ihn in sein Kabinett holen – unter der Bedingung, dass Doskozil auf das SPÖ-Mandat in seiner südburgenländischen Heimatgemeinde Grafenschachen verzichtet. Doskozil lehnte ab und nahm einige Jahre später Niessls Angebot an, von dessen Büro aus er dann im Jahr 2012 an die Spitze der burgenländischen Polizei wechselte. Der Landeshauptmann soll da nicht ganz unbeteiligt gewesen sein.

Verteidigungsminister war zu diesem Zeitpunkt ein gewisser Norbert Darabos. Was der nunmehrige burgenländische Soziallandesrat seinem Nachnachfolger mit auf den Weg gegeben hat, ist noch nicht überliefert. Der eine oder andere Tipp wird vermutlich dabei gewesen sein, denn auch mit Darabos kann Doskozil sehr gut. Wobei sich das ändern könnte – dereinst, wenn Hans Niessl einmal in Pension geht.

ZUR PERSON

Hans Peter Doskozil (45) ist seit September 2012 Landespolizeidirektor im Burgenland. Davor war er zwei Jahre lang Büroleiter von Landeshauptmann Hans Niessl. Doskozil stammt aus dem südburgenländischen Grafenschachen, hat als Streifenpolizist begonnen und später Jus studiert. Am Freitag soll bekannt gegeben werden, dass er Gerald Klug als Verteidigungsminister ablöst.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.01.2016)