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China straft die Spekulanten ab

(c) REUTERS
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Hibor. Die chinesische Zentralbank hat auf dem Währungsmarkt in Hongkong interveniert und den Zins dort kurzfristig massiv in die Höhe getrieben, um den „Offshore“-Yuan zu stützen.

Wien/Hongkong. Eigentlich befindet sich das Riesenreich China auf dem Weg von einer kommunistischen Planwirtschaft in eine kapitalistische Marktwirtschaft. Eigentlich will man die eigene Währung, den Yuan, schrittweise immer stärker dem Markt überlassen, um irgendwann im Spiel der ganz großen mitzuspielen. Eigentlich.

Denn wenn es hart auf hart kommt, greift Peking weiter zur Interventionskeule. Dabei unterscheidet man sich zwar ohnehin kaum vom an sich kapitalistischen Westen, Chinas Stil ist aber ein wenig ruppiger. Nehmen wir den Hibor. Das ist der Zinssatz, zu dem in Hongkong die Banken untereinander Geld verleihen. Für den Euro heißt er Euribor, für das britische Pfund Libor, und in Hongkong eben Hibor. Dieser Zinssatz ist in den vergangenen Tagen gewaltig angestiegen. Extrem kurzfristig lag er sogar bei 66 Prozent!

Was ist geschehen? Fangen wir damit an, was nicht geschehen ist. Nicht geschehen ist eine Finanzkrise. Das muss man erwähnen, denn extreme Anstiege der kurzfristigen Interbanken-Zinssätze weisen oft auf eine solche Krise hin. Wenn die Banken sich untereinander kein Geld mehr leihen, sich also misstrauen, dann steigen die Zinssätze und geben ein Warnsignal ab. Ein Anstieg auf 66 Prozent wäre ein extremes Warnsignal. Aber in Hongkong ist keine Krise ausgebrochen, keine Bank umgefallen.

 

Zwei Yuan

Was ist also wirklich geschehen? Die chinesische Zentralbank dürfte sich entschlossen haben, in Hongkong zu intervenieren und den dort gehandelten Yuan zu stützen. Es ist nämlich so: China hat zwei Währungen, die leider beide Yuan heißen. Yuan Nummer eins ist jener, der innerhalb von Chinas Landesgrenzen gehandelt wird. Dieser wurde zwar zuletzt auch ein bisschen den Marktkräften überlassen, sein Kurs wird aber weiterhin einmal täglich von der Peoples Bank of China festgelegt. Und dann gibt es noch den Offshore-Yuan, der vor allem in Hongkong gehandelt wird. Da der eine Kurs frei gestaltet und der andere von der Zentralbank festgelegt wird, ist es in den vergangenen Tagen im Zuge der chinesischen Börsenkrise zu einer erheblichen Differenz zwischen dem „normalen“ und dem Offshore-Yuan gekommen.

Und da sie von einer weiteren Abwertung des Yuan ausgehen, haben wohl einige Großbanken und Spekulanten in Hongkong große Short-Positionen aufgebaut, was den Kurs des Offshore-Yuan nur noch stärker nach unten gedrückt hat. Aber das ist jetzt vorbei, denn die Intervention der PBoC hat offenbar darauf abgezielt, die Differenz zwischen den Yuan-Kursen so rasch wie möglich wieder zu verringern. Die Brutalität der Intervention hat wohl auch zum Zweck gehabt, die Spekulanten so hart wie möglich zu bestrafen – in der Absicht, sie abzuschrecken.

 

Ein Wunsch des IWF?

Das hat offenbar funktioniert. Nach nur einem Tag hatte sich der Hibor wieder fast normalisiert – Investoren und Spekulanten werden in naher Zukunft wohl keine Shorts eingehen. Um die Kapitalflucht aus dem Land zu verlangsamen, hat die Regierung zudem große Banken angewiesen, keine US-Dollars mehr zu kaufen. Der Bevölkerung, die wegen des Yuan-Verfalls verstärkt zu ausländischen Devisen greift, soll dieser Weg aber nicht verstellt werden, so die Regierung.

Die Differenz von „normalem“ und Offshore-Yuan zu verkleinern dürfte auch ein Wunsch des Internationalen Währungsfonds an die Regierung in Peking gewesen sein. Der IWF hat den chinesischen Yuan erst kürzlich in seinen Währungskorb aufgenommen – ein wichtiger Schritt auf dem Weg des Yuan zu einer Weltwährung. (jil)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.01.2016)