Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Klimakiller Ölpreis: Wie die Opec die Erderwärmung befeuert

(c) REUTERS (ATEF HASSAN)
  • Drucken

Je länger der Ölpreis extrem niedrig bleibt, desto stärker bremst er die Energiewende aus. Dabei zeigt eine aktuelle Umfrage, wie interessiert die Österreicher an Alternativen zu fossilen Brennstoffen sind – freilich vorausgesetzt, dass auch sie billiger werden.

Wien. Wien schlägt Paris – zumindest wenn es um den Klimawandel geht. Die ganze Welt blickte im Dezember auf die französische Hauptstadt, angeblich der Ort, wo auf einer großen Klimakonferenz die Zukunft unseres Planeten entschieden wurde. Zur selben Zeit kam die Opec in Wien zusammen. Das Treffen der Erdölexporteure blieb von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt. Zumal sich das Kartell auch diesmal nicht darauf einigen konnte, seine Fördermengen zu drosseln, um den Ölpreisverfall zu stoppen. Doch was wie Ohnmacht wirkt, ist faktisch Macht: Ein niedriger Ölpreis wirkt sich auf das Weltklima viel stärker aus als blumige Absichtserklärungen von Politikern. Denn wer steigt schon auf erneuerbare Energien um, wenn die fossilen zum Spottpreis zu haben sind?

Gut möglich, dass die Opec eben damit kalkuliert. Schon länger analysieren Experten, dass die Araber mit den niedrigen Preisen die neue Fracking-Konkurrenz in den USA in die Knie zwingen wollen. Die deutsche Stiftung für Wissenschaft und Politik (SWP) vermutet noch anderes: „Niedrigpreisphasen sollen Substitutionsprozessen entgegenwirken“ und „garantieren, dass die Golfstaaten auch künftig Abnehmer für ihr Öl finden“. Freilich: Auch die reichsten Ölexporteure sind auf die Einnahmen angewiesen und müssen in neue Quellen investieren. Also dürften die Phasen nicht allzu lange dauern. Aber es könnte genügen, wenn sie „sporadisch auftreten“, um die Energiewende auf Dauer auszubremsen.

Den Grund dafür kennen Ökonomen als „Lock-in-Effekt“: Was aktuell festgelegt wird, verhindert spätere Anpassungen. Wenn wir heute Häuser mit Öl- oder Gasheizung und schlechter Wärmedämmung bauen, weil fossile Energie gerade so billig ist, dann bleibt es dabei – weil spätere Umbauten oder Reparaturen zu aufwendig sind. Wenn die Autoindustrie heute nicht massiv in alternative Antriebe investiert, weil sich die fetten Spritfresser wie warme Semmeln verkaufen, dann schließt sich das Zeitfenster, in dem der Klimawandel noch mit vertretbaren Kosten einzubremsen ist. Um diese Falle zu vermeiden, könnte die Politik mit Steuern auf fossile Brennstoffe gegensteuern. Wären sie an den Ölpreis gekoppelt, ließen sich negative Folgen für die Weltkonjunktur begrenzen. Von einer solchen akkordierten Aktion aber ist das Ergebnis von Paris weit entfernt.

 

E-Auto und Stromspeicher zu teuer

Wie sehr der Faktor Preis die Einstellungen der Konsumenten zu Energiefragen dominiert, zeigt eine am Donnerstag präsentierte Studie der WU Wien. Dabei soll die Umfrage eigentlich zeigen, wie positiv die Österreicher den erneuerbaren Energien gegenüberstehen. Aber in erster Linie soll Energie dann doch „preiswert“ sein, in zweiter Linie „zuverlässig“. Erst als drittes Kriterium folgt „klimafreundlich“. Konkret sind die befragten Haushalte etwa im Schnitt bereit, 14 Prozent Aufpreis für Ökostrom zu zahlen.

Auch andere Details der Befragung, die das WU-Team zusammen mit Deloitte und Wien Energie durchgeführt hat, sind aufschlussreich. So haben zwei Drittel der Hauseigentümer kein Problem damit, wenn man auf ihrem Dach eine Fotovoltaikanlage installiert – gegen Entgelt, versteht sich. Noch etwas mehr heißen es gut, wenn ihre Gemeinde ein Windrad „etwas außerhalb des Ortes“ errichtet. Die Hälfte ist bereit, im Rahmen eines Bürgerbeteiligungsprojekts in eine Solaranlage zu investieren, und denkt dabei im Schnitt an einen Betrag von 1000 Euro. Ein wesentliches Element für die Umstellung auf ein nachhaltiges Energiesystem sind dezentrale Stromspeicher. Sie aber sind noch viel zu teuer: Wer eine Solaranlage besitzt, wäre im Schnitt bereit, für einen Speicher 250 Euro pro Kilowatt Kapazität zu zahlen. Der Preis liegt aber aktuell bei 2000 Euro.

Auch beim Elektroauto klaffen Wunsch und Wirklichkeit auseinander: 36 Prozent der Befragten „denken darüber nach“, eines zu kaufen, vier Prozent haben es sogar fix vor. Tatsächlich entfallen auf rein strombetriebene Gefährte aber nur 0,5 Prozent der Neuzulassungen. Die Gründe liefert die Studie mit: Für 70 Prozent ist die Reichweite zu niedrig, für 67 Prozent sind sie schlicht „zu teuer“. Skeptisch zeigen sich die Österreicher auch beim Potenzial der Energiewende: Mehr als die Hälfte meint, dass ihr Land nie ohne Öl, Gas und Kohle auskommen wird.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.01.2016)