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Nachruf: ÖVP-Gardist Kurt Bergmann verstorben

30 Jahre ´Licht ins Dunkel´
Kurt Bergmann(c) ORF (Milenko Badzic)
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Der langjährige Pendler zwischen Partei und ORF, wo er unter Gerd Bacher „Licht ins Dunkel“ erfand, verstarb im 81. Lebensjahr nach kurzer Krankheit.

Wien. Er war als Mister „Licht ins Dunkel“ österreichweit bekannt und damit wohl wichtigster Fundraiser des Landes, als dieser Begriff so noch gar nicht existierte. Er formulierte Anfang der 1960er-Jahre für „seine“ ÖVP zunächst Pressetexte, bis er Sprecher der Finanzminister Wolfgang Schmitz und Stephan Koren wurde, Bundesgeschäftsführer, Nationalratsabgeordneter, Wahlkampfleiter, Politischer Direktor des Parlamentsklubs, ORF-Generalsekretär, Landesintendant. Freitagnacht verstarb Kurt Bergmann im 81. Lebensjahr nach kurzer, schwerer Krankheit.

Er galt als ÖVP-Urgestein, als trittsicherer Wandler zwischen der Partei und dem ORF. Als Abgeordneter vermochte er mit seinen scharfzüngigen, eloquenten Debattenbeiträgen nicht ausschließlich den politischen Gegner zu überraschen. Bürgerlicher, streitbarer Bürgerlicher bis in die letzte Faser blieb er immer. Auch als sich Bergmann zuletzt für die Initiative Mehrheitswahlrecht und Demokratiereform seines langjährigen politische Weggefährten Heinrich Neisser engagierte – was nicht alle in der ÖVP goutierten. Oder für das Zurückdrängen des parteipolitischen Zugriffes auf den ORF („Frechheit“ warf er den Regierungsparteien SPÖ und ÖVP erst vor drei Jahren vor). Zum ORF holte den gebürtigen Niederösterreicher – 1968, ausgerechnet! – ein gewisser Gerd Bacher in den generalreformierten öffentlich-rechtlichen Sender.

Breite Betroffenheit

Dort stieg Bergmann als Hauptabteilungsleiter für Öffentlichkeitsarbeit ein und moderierte selbst die TV-Kundendienstsendung „Postfach 7000“, später auch am 24. Dezember 1973 die erste der bis heute bestehenden Sendung „Licht ins Dunkel“, die auch international viel beachtet wurde. Als ORF-Generalsekretär 1990–1994 initiierte er später mit Caritas und Rotem Kreuz auch noch die Aktion „Nachbar in Not“.

Seinem breiten Wirkungsbereich entsprechend groß war an diesem Freitag auch die Zahl derer, die Bergmann würdigten. Vizekanzler Reinhold Mitterlehner erinnerte daran, dass der Verstorbene die ÖVP entscheidend mitgeprägt habe. Für Medienminister Josef Ostermayer (SPÖ) verliert Österreich einen bedeutenden Medienpolitiker. Ähnlich äußerte sich Thomas Kralinger, der Präsident des Verbands Österreichischer Zeitungen. ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz bezeichnete Bergmann als „durch Jahrzehnte hindurch eine der stärksten, engagiertesten und kreativsten Führungspersönlichkeiten des ORF“.
Nationalratspräsidentin Doris Bures (SPÖ) würdigte wiederum Bergmanns humanitäres Engagement. Und Kardinal Christoph Schönborn erklärte: „Gott möge ihm seinen großen Einsatz für die Armen reich vergelten.“
Kurt Bergmann ist also tot. Viele jener, für die er Geld gesammelt hat, leben gerade auch durch sein Wirken weiter. Und es lebt die Erinnerung an einen durch und durch politischen Menschen, der den Begriff Nächstenliebe Realität hat werden lassen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.01.2016)