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Südeuropas Diktatoren hatten auch Freunde

Spanien, Portugal, Griechenland: Wien pflegte gute Kontakte.

Während im Kalten Krieg die diktatorisch geführten Staaten Portugal und Spanien von der europäischen Staatengemeinschaft gemieden wurden, bemühte sich das ab 1955 neutrale Österreich sehr bald um diplomatische Beziehungen. Nicht nur die gute Behandlung Tausender österreichischer Kinder durch Spanien trug dazu bei, es war auch der Antikommunismus eine verbindende Tangente. Oft musste dies geheim geschehen, um die Sowjetunion nicht zu verärgern.

Das vorliegende Buch untersucht anhand diplomatischer Dokumente das bemerkenswerte Verhältnis österreichischer Regierungen zu Spanien, zu Portugal, aber auch zum Obristenregime in Griechenland (1967–1974), das von Wirtschaftsinteressen geprägt war.

Aber auch von außenpolitischen Erwägungen: Österreich war wegen Südtirol interessiert an Unterstützern in den internationalen Organisationen. Und dies, obwohl Portugal an einer Autonomie Südtirols absolut nicht interessiert war. Die Haltung des Wiener Außenamtes unterschied sich also stark von jener der skandinavischen Regierungen, die in Menschenrechtsfragen unversöhnlich blieben. Vor allen anderen exponierte sich der Sohn des letzten österreichischen Kaiserpaares, Otto von Habsburg-Lothringen, für Spanien. Als dann aber die drei Staaten von sich heraus demokratisch wurden, rechnete es sich Österreich als Verdienst an, diese erfreuliche Entwicklung immer schon unterstützt zu haben. Die drei Autoren der Studie bezeichnen dies nicht ganz zu Unrecht als besondere diplomatische „Glanzleistung“. (hws)

Stefan A. Müller, David Schriffl, Adamatios T. Skordos (Hg.) "Heimliche Freunde"

Böhlau Verlaug, 330 Seiten, 40 Euro.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.01.2016)