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Für den Westen brechen goldene Zeiten an

Bundespräsident Heinz Fischer mit dem iranischen Präsidenten Hassan Rohani
Bundespräsident Heinz Fischer mit dem iranischen Präsidenten Hassan RohaniAPA (ROLAND SCHLAGER)
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Firmen aus Europa stehen Schlange im Iran. Die Unternehmen hoffen nach der Aufhebung der Wirtschaftssanktionen auf lukrative Geschäfte, denn im Land herrscht großer Nachholbedarf.

Wien/Teheran. Es ist eine verheißungsvolle Zeit, die der Iran dem Westen beschert. Nach fast zehn Jahren der wirtschaftlichen Isolation hat das Land nun einen immensen Aufholprozess vor sich. Schon vor dem Fall der Sanktionen scharrten die Unternehmen in den Startlöchern, Konzernlenker sondierten seit Monaten ihre potenziellen Aussichten. Nun dürfen sie auch offiziell Geschäfte mit der Islamischen Republik und ihren knapp 80 Millionen Einwohnern tätigen.

Bereits vor der diplomatischen Einigung am Samstag machte ein Bericht die Runde, wonach die beiden Ölkonzerne Total und Shell Manager in den Iran entsandt hatten, um dort mit Vertretern nationaler Unternehmen zusammenzutreffen. Der Iran selbst sitzt auf riesigen Öl- und Gasreserven. Bevor die EU im Jahr 2012 die Einfuhr von Öl und Gas untersagte, summierten sich die Öleinnahmen des Landes auf 118 Mrd. Dollar (2011). 2013 waren die Erlöse allerdings auf 42 Mrd. Dollar eingebrochen.

Auch der heimische Mineralölkonzern OMV hat Interesse daran, mit dem Iran ins Geschäft zu kommen, bekundete OMV-Chef Rainer Seele im Vorjahr in einem Interview mit der „Presse“. Man werde sich die Möglichkeiten sehr genau ansehen, doch müsse man genau überlegen, wie man sich dort im Wettbewerb durchsetzen könne. 2007 platzte für die OMV ein lukrativer Deal im Iran bei der Erschließung des riesigen South-Pars-Gasfelds. Den Rücken kehrte man dem Land aber nicht, sondern unterhielt weiterhin ein Büro in Teheran.

Österreich will Exporte verfünffachen

Künftig darf nicht nur Öl aus dem Iran fließen, westlichen Firmen wird auch die Lieferung von Ausrüstung für Öl- und Gasfelder gestattet. Die technische Infrastruktur gilt als veraltet, hohe Neuinvestitionen stehen folglich an. Dass der Iran seine Schleusen wieder öffnet, dürfte die Talfahrt des Ölpreises jedoch weiter beschleunigen. Dieser rutschte in der Vorwoche unter die Marke von 30 Dollar je Fass (159 Liter). Es wird also vermutlich noch einige Zeit dauern, bis der Iran ähnlich hohe Öleinnahmen wie in der Vergangenheit erzielen kann.

Aufgehoben wurde auch das Verbot für den Verkauf von Flugzeugen und Ersatzteilen für zivile iranische Maschinen. Der iranische Transportminister, Abbas Achundi, teilte am Wochenende mit, eine Vereinbarung über den Kauf von 114 Flugzeugen aus dem Hause Airbus erzielt zu haben. Selbst die Fluglinie AUA will den Plänen zufolge ab April dieses Jahres neben der Hauptstadt, Teheran, das Handelszentrum Isfahan anfliegen.

Österreichs Außenhandel mit dem Iran hat sich seit 2005 mehr als halbiert. Im Vorjahr (Jänner bis Oktober 2015) beliefen sich die Ausfuhren auf rund 202 Mio. Euro. Die Importe erreichten knapp zwölf Mio. Euro. Bis 2020 liegt das Ziel in einer Verfünffachung des Exportvolumens, erklärte Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner im Herbst bei einer Reise in den Iran.

Auch Deutschland stehen lukrative Zeiten bevor. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) geht in den kommenden vier Jahren von einer Vervierfachung seiner Ausfuhren aus. Die Exporte sollen von 2,39 Mrd. Euro (2014) auf zehn Mrd. Euro steigen. Deutschland war früher der wichtigste Warenlieferant des Golfstaates. Daimler hat bereits angekündigt, im Iran aktiv werden zu wollen. Die französischen Autobauer wittern ebenfalls gute Geschäfte. (nst)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.01.2016)