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USA/Iran: Der Politthriller um den Gefangenenaustausch

John Kerry und Javad Zarif.
John Kerry und Javad Zarif.(c) REUTERS (KEVIN LAMARQUE)
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Nach Geheimverhandlungen in Genf intervenierten die Chefdiplomaten John Kerry und Javad Zarif, um den Deal perfekt zu machen. Nach Aufhebung der Sanktionen verhängten die USA gleich neue, aber weit mildere.

Wien/Teheran. Ein Verhandlungsteilnehmer fühlte sich an „Argo“ erinnert, an Ben Afflecks Politthriller über den Coup zur Befreiung von sechs US-Diplomaten im Zuge der Geiselnahme in Teheran anno 1979. Am Samstagnachmittag wartete die Maschine mit den freigelassenen US-Bürgern an Bord bereits auf der Startbahn des Flughafens der iranischen Hauptstadt, als der Gefangenenaustausch noch einmal ins Stocken geriet.

Die Frau und die Mutter des „Washington Post“-Korrespondenten Jason Rezaian, der 18 Monate im berüchtigten Evin-Gefängnis gefristet hatte, waren nicht auf der Passagierliste. In Wien intervenierte der US-Außenminister daraufhin direkt bei Mohammad Javad Zarif, seinem iranischen Widerpart, um den separaten Deal nicht zu gefährden. Während der vergangenen eineinhalb Jahre hatten die beiden Außenminister zahllose Male miteinander telefoniert und Verhandlungskrisen während der Atomgespräche überwunden – zuletzt bei der vorübergehenden Festnahme von zehn US-Marinesoldaten im Persischen Golf.

Neuerlich vermieden Kerry und Zarif eine Konfrontation in der nach wie vor hochsensiblen Beziehung zwischen Washington und Teheran. Zusammen mit dem Soldaten Amir Hekmati aus Michigan und dem Pastor Saaed Abedini aus Idaho landeten die Rezaians via Genf zu einem Zwischenstopp und Gesundheitscheck auf der deutschen US-Militärbasis Ramstein.

Parallel zu den Atomgesprächen war Genf in den vergangenen 14 Monaten Schauplatz von Geheimverhandlungen über einen Gefangenenaustausch zwischen den USA und dem Iran gewesen. In den USA kamen am Wochenende gleichzeitig sieben Iraner – darunter sechs US-iranische Doppelstaatsbürger – frei, die unter Spionageverdacht gestanden waren.

US-Präsident Obama hatte derweil zugewartet, ehe er am Sonntagabend milde Sanktionen wegen iranischer Raketentests verhängte – um das größere Ganze, die Aufhebung der Strafmaßnahmen gegen das Atomprogramm als letztes Kapitel des Atompakts, nicht aufs Spiel zu setzen. Teheran wertete dies sogleich als Propagandamanöver.

Während Obama die Macht der Diplomatie pries, erlitten die Reformer um Präsident Hassan Rohani einen herben Rückschlag. Nur ein Prozent ihrer Kandidaten passierte die Kontrollschleuse des konservativen Wächterrats für die Parlamentswahl Ende Februar. (vier)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.01.2016)