Fondsmanager bezwingen Markt

(c) Bilderbox.com
  • Drucken

Sind Fondsmanager ihr Geld wert? An der Wiener Börse offensichtlich schon. In den vergangenen Jahren haben sich aktive Aktienfonds besser entwickelt als passive Indexfonds.

Warum für Fondsmanager hohe Gebühren zahlen, wenn diese dann erst eine niedrigere Rendite schaffen als billige Indexfonds? In Österreich ist diese Frage leicht zu beantworten: weil aktiv gemanagte Fonds hierzulande besser sind als passive Indexfonds. Die Ratingagentur Morningstar untersuchte jene 19 Fonds, die ausschließlich in österreichische Aktien investieren.

Das Ergebnis: Gleich sieben aktive Fonds waren in den vergangenen drei Jahren besser als der ETF-Anbieter iShares, der den ATX nachbildet. Während der Indexfonds pro Jahr mit 13,7 Prozent im Minus lag, schaffte der Österreich-Fonds von C-Quadrat sogar eine positive Rendite von 0,38 Prozent. Auffallend an dem Ranking ist, dass nur österreichische Fondsanbieter wie C-Quadrat, Meinl Investment, Kepler Fonds oder Pioneer Investments den Markt „besiegt“ haben.


Es gibt keine Blue Chips. Warum so viele heimische Assetmanager die Benchmark ATX bezwungen haben, liegt nicht nur an der Finanzkrise und den heftigen Kursausschlägen der vergangenen Monate.

Die Gründe sind vielmehr in der Besonderheit des österreichischen Marktes zu suchen. An der Wiener Börse gibt es de facto keine Blue Chips. Die größten Brocken wie OMV, Voest oder Strabag sind, gemessen an Umsatz und Marktkapitalisierung, im europäischen Vergleich nur Nebenwerte. In diesem Umfeld können aktive Fonds den Markt besser ausnutzen. Sie dürfen nämlich nicht nur auf die „großen“ Werte setzen, sondern müssen auch ein gutes Gespür für die österreichischen Small Caps mitbringen.

Das soll aber nicht heißen, dass man den österreichischen Aktienmanagern per se großes Vertrauen schenken darf. Das Jahr 2008 etwa war auch für die aktiven Fonds ein Desaster. Sie lagen mit 45 bis 65 Prozent im Minus.

Aktives Management gefragt. Balsam auf den Wunden der Anleger waren dagegen die vergangenen Wochen.

Der österreichische Aktienmarkt wurde von der Finanzkrise härter abgestraft als alle anderen Börsenplätze. Der Index MSCI Austria sackte 2008 um 67 Prozent ab, während der MSCI Europe nur um 44 Prozent, der MSCI USA nur um 34 Prozent abstürzte. Im Gegenzug war die Aufholjagd nun umso rasanter, seit Mitte März legte der ATX um mehr als 30 Prozent zu.

Das sollte für die Investoren aber kein Anlass sein, sich auf dem Index auszuruhen und auf einen weitern Anstieg zu hoffen. Vielmehr wird in den kommenden Wochen ein aktives Depotmanagement erforderlich sein. Denn gerade auf dem österreichischen Aktienmarkt gibt es derzeit viele Unklarheiten:
•Die Wirtschaftskrise trifft das Land härter, als bisher angenommen wurde. Die heimische Wirtschaft wird in diesem Jahr um 4,3 Prozent schrumpfen, prognostiziert aktuell das österreichische Institut für Höhere Studien (IHS).
•Einige Analysten erwarten, dass der Börsenaufschwung in Österreich nicht anhalten wird. Laut einer Prognose der Raiffeisen Zentralbank (RZB) wird der ATX bis Dezember nicht über 2050 Punkte hinausgehen.
•Die „Ostfantasie“ belastet heimische Aktien noch immer. Die Erste Bank oder Raiffeisen International mussten ihre Rückstellungen für mögliche Kreditausfälle drastisch erhöhen.

Andere Unternehmen wie Strabag oder Voest sind in Osteuropa stark engagiert. Es ist aber noch nicht abzusehen, wann sich die osteuropäischen Staaten von der scharfen Rezession erholen werden.
•Die Staatsverschuldung in Österreich nimmt stark zu. Investoren verlangen daher hohe Risikoaufschläge für Staatsanleihen. Die Ungewissheit über die Staatsfinanzen könnte die heimischen Firmen beeinträchtigen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.06.2009)

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.