Let's make money: VW, Düngemittelaktien und Firmenanleihen

(c) EPA (Friso Gentsch)
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Warum VW kein gutes Investment ist, Düngemittel- aktien auf Schnäppchenniveau fallen und Firmenanleihen attraktiv sind.

Von der unausweichlich bevorstehenden Korrektur an den Börsen reden Analysten und Marktbeobachter seit Wochen. Aber sie kommt einfach nicht: Auch der vergleichsweise kräftige Kurseinbruch in der vergangenen Woche, der wegen seiner Heftigkeit ein bisschen nach beginnender Trendwende ausgesehen hatte, hat sich als ganz gewöhnliche, durch Gewinnmitnahmen verursachte Delle entpuppt.

Die Weltbörsen sind also offenbar wirklich deutlich robuster, als man ihnen angesichts immer neuer Schreckensmeldungen von der Konjunkturfront zutrauen würde. Unter anderem deshalb, weil jetzt viele Fondsmanager, die die Trendwende im März verschlafen haben, verzweifelt versuchen, auf den fahrenden Zug aufzuspringen und kräftig zu investieren.

Selbst die Profis sind sich aber wohl nicht so ganz sicher, wie es weitergehen wird. Denn sie kaufen massiv–tätigen gleichzeitig aber auch massiv Leerverkäufe. Sie spekulieren also teilweise auf Kursgewinne und -verluste gleichzeitig.

Mehr Leerverkäufe. In den USA ist jedenfalls die Zahl der Leerverkäufe zuletzt recht deutlich gestiegen. Normalerweise ein sicheres Zeichen dafür, dass die Profis kurzfristig massiv fallende Kurse erwarten.

Wenn man sich die Leerverkäufe branchenweise ansieht, wird freilich klar, dass es um eine Sonderentwicklung geht: Massiv hochgeschnellt sind die Baisse-Spekulationen nämlich nur in der Pharmabranche. Und die würde ganz klar zu den Verlierern der von US-Präsident Barack Obama angekündigten Gesundheitsreformen gehören.

Wer also unbedingt den Kitzel der Baisse-Spekulation braucht, könnte sich beispielsweise (natürlich nur mit einem kleinen Teil des „Spielkapitals“) mit Put-Optionen an amerikanischen (aber auch europäischen) Pharmaaktien versuchen.

Eine andere (auch an dieser Stelle besprochene) Baisse-Spekulation ist freilich zumindest vorerst danebengegangen: DieVW-Stammaktie ist nach dem Auslaufen zahlreicher Optionskontrakte am jüngsten „Hexensabbat“ nicht, wie von vielen Experten erwartet, in die Knie gegangen, sondern war in der abgelaufenen Woche sogar der Star unter den Dax-Aktien an der Frankfurter Börse.


Finger weg von VW-Aktien. Warum die heillos überbewertete Autoaktie jetzt schon wieder so kräftig steigt, weiß kein Mensch. Vermutlich sind weiterhin „Shorties“, die sich eindecken müssen, im Spiel. So gesehen könnte das Papier durchaus kurzfristig noch deutlich zulegen.

Privatanleger sollten trotzdem die Finger von dem völlig unberechenbaren Wertpapier lassen. Fest steht, dass derzeit ausschließlich Zocker den VW-Kurs machen. Weder fundamental noch charttechnisch reagiert die Aktie logisch. Das ist für Normalanleger eindeutig zu heiß. Zumal einige Analysten ernsthaft meinen, dass die derzeit rund um 250 Euro notierende Aktie aus fundamentaler Sicht mit 80 bis 100 Euro durchaus angemessen bewertet wäre.

Auf Schnäppchenniveau kommen dagegen langsam die großen Player aus der Düngemittelbranche herunter: Potash, Agrium, K+S & Co. haben einander in den beiden vergangenen Wochen mit Gewinnwarnungen in den Keller geprügelt.

Tatsächlich ist der Markt für Düngemittel zuletzt schwer eingebrochen, die Kalipreise verfallen. Das wird aber wohl nicht so bleiben. Die deutsche K+S ist zuletzt auf ungefähr 40 Euro zurückgefallen, der kanadische Weltmarktführer Potasch of Saskatchewanist auf etwas mehr als 90 Dollar geradezu dramatisch abgesackt. Sollten die beiden Marken nach unten durchbrochen werden, dann sind (aus mittelfristiger Sicht) wohl unwiderstehliche Einstiegskurse da.


Gewinnwarnungen befürchtet. Die Situation bei den Düngemittelherstellern ist ein guter Hinweis darauf, wie es demnächst auch in anderen Branchen weitergehen könnte. Die konjunkturelle Lage entspricht ja derzeit keineswegs der Börsenstimmung. Im Gegenteil: Noch immer sind Wirtschaftsforscher heftig dabei, ihre Konjunkturprognosen nach unten zu korrigieren.

Da ist nicht zu erwarten, dass die Gewinnprognosen für die börsenotierten Unternehmen jetzt schon ganz unten angelangt sind. Es wird also noch eine Reihe von Gewinnwarnungen geben – mit entsprechend negativen Auswirkungen auf die jeweiligen Kurse.

Deutlich besser als erwartet schlägt sich dagegen die „Presse am Sonntag“-Empfehlung der vergangenen Woche, Palm. Der Smartphone-Hersteller hat Donnerstag nach US-Börsenschluss Quartalsergebnisse vorgelegt, die die Analysten zwar zum „Maulen“ brachten (bekrittelt wurde vor allem das Fehlen von Verkaufszahlen vom Start des neuen Smartphones „Pre“), die Anleger aber jubeln ließen. Der Kurs machte am Freitag einen kräftigen Freudensprung, womit die Aktie die Woche prozentuell deutlich zweistellig abschloss. Sie hat damit zwar noch nicht die Performance der Stec (die sich seit der „Presse am Sonntag“-Empfehlung vom 15. März verdreieinhalbfacht hat) erreicht – aber für die erste Woche sind deutlich mehr als zehn Prozent in einem nicht gerade rasend steigenden Markt nicht so schlecht, wenn man sieht, was in anderen Anlagekategorien derzeit zu verdienen ist.


Lanze für Daimler-Anleihen. Eine dieser Kategorien – Unternehmensanleihen – könnte demnächst aber interessant werden. Schon jetzt rentieren Unternehmensanleihen überdurchschnittlich. Bei überschaubarem Risiko, wenn man im Bereich der Bluechip-Unternehmen bleibt. Aber jetzt beginnen die Ratingagenturen, die Bonität der großen Konzerne abzustufen.

Schlechtere Ratings bedeuten, dass die Unternehmen ihren Anleihegläubigern (zumindest denen, die neue Anleihen zeichnen) höhere Zinsen bieten müssen. In der Vorwoche hat es zum Beispiel eines der deutschen Leitunternehmen erwischt: Daimler ist von A+ auf BBB+ herabgesetzt worden – und damit aus der zinsengünstigen A-Liga hinausgefallen. Der Mercedes-Hersteller wird bei seiner nächsten Unternehmensanleihe also tiefer ins Zinsenfass greifen müssen. Eine gute Gelegenheit für Anleger.

Möglich ist zwar alles. Aber dass Daimler die nächsten Jahre nicht überlebt, ist doch eher nicht so wahrscheinlich. Das macht die Risikoverschlechterung durchaus kalkulierbar.

josef.urschitz@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.06.2009)

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