Internet-Attacke kommt FACC teuer zu stehen

Kriminalität. Massiver Kurssturz nach Cyber-Angriff auf FACC, Chinas Luftfahrtlieferanten aus dem Innviertel.

Wien. Der gestern bekannt gewordene Cyber-Betrug auf den Innviertler Airbus- und Boeing-Lieferanten FACC könnte das Unternehmen noch viel Geld kosten. Auf bis zu 50 Millionen Euro bezifferte das Unternehmen den möglichen Schaden durch den Vorfall – fast ein Zehntel des Umsatzes aus dem vergangenen Geschäftsjahr.

FACC sei „Opfer von betrügerischen Handlungen unter Ausnutzung von Kommunikations- und Informationstechnologien“ geworden, der Vorstand habe umgehend Anzeige erstattet und eine forensische Untersuchung des Vorfalls beantragt, hieß es.

Nähere Details waren aus dem Unternehmen vorerst nicht zu erfahren. Die Anleger reagierten jedoch prompt und schickten die Papiere im Tagesverlauf um bis zu 19 Prozent talwärts.

Es habe sich nicht um einen üblichen Hackerangriff gehandelt, hieß es aus Ermittlerkreisen. Vielmehr sei das Unternehmen Opfer eines Betrugs geworden, der über E-Mails eingeleitet wurde. Die Ermittlungen stehen erst am Anfang und dürften noch einige Wochen andauern.

China als größter Investor

In jedem Fall markiert diese Attacke eine neue Dimension der Cyber-Kriminalität in Österreich. Aber auch international sorgt die Causa für einiges Aufsehen. Denn anders als bei den jüngsten Großangriffen auf Sony oder JP Morgan ging es hier nicht um den Diebstahl von Millionen Kundendaten – dessen Auswirkungen sich nur schwer beziffern lassen, sondern offenbar auch um konkrete Geldflüsse. Im Schnitt liegen die Kosten einer Datenpanne bei 3,8 Millionen Dollar, so das Ergebnis einer Umfrage von IBM und dem Ponemon Institut.

Der Fall ist zudem verblüffend, da China – sonst oft mit Industriespionage in Zusammenhang gebracht – selbst der größte Investor des österreichischen Unternehmens ist. 2009 hat die chinesische Aviantion Industry Corp. of China (Avic) die FACC übernommen und will ihren Anteil mittelfristig auf 30 bis 35 Prozent absenken.

In der Branche gehen viele davon aus, dass ein Wettbewerber oder aber ein Nationalstaat selbst ausreichend großes Interesse an den Betriebsgeheimnissen der FACC gehabt haben könnte, um einen derartigen Angriff zu lancieren. Das Unternehmen fertigt unter anderem Teile für die meisten Airbus- und Boeing-Modelle und den chinesischen C919.

Tiefpunkt in schwerer Zeit

Für das Unternehmen ist der Vorfall der Tiefpunkt in einer ohnedies schweren Zeit. Im vergangenen Geschäftsjahr setzte es 9,6 Millionen Euro Verlust. Seit dem Börsengang im Juni 2014 hat die FACC nun bereits ein Drittel ihres Börsenwerts verloren.

Die Investoren brauchen mehr Klarheit, sagt Daniel Damaska, Analyst bei Raiffeisen Centrobank, zu Bloomberg. Am heutigen Donnerstag gibt FACC die Quartalszahlen bekannt. (auer)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.01.2016)

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