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Hugo Boss nimmt Fahrt auf

Hugo Boss
Hugo BossBloomberg

Kolumne Warum eine Draghi-Schwalbe noch keinen Börsenfrühling macht und Hugo Boss auf Aktionäre neuerdings anziehend wirkt.

Draghi sei Dank haben die europäischen Indizes (allen voran DAX und ATX) die Woche halbwegs unbeschadet überstanden, und auch die amerikanischen Börsen haben die heftigen Einbrüche zu Wochenbeginn zumeist wieder kompensiert. Der Chef der EZB hat ja angesichts der seit Jahresbeginn beobachtbaren krassen Bärendominanz an den Märkten eine weitere Lockerung der Eurozonen-Geldpolitik angedeutet – und damit am Freitag ein richtig schönes Kursfeuerwerk ausgelöst.

Das bietet freilich wenig Grund zu Freude und Gelassenheit. Zeigt es doch, wie die Märkte momentan ticken: Laufen die Gelddruckmaschinen heiß, gehen die Kurse hoch. Wird der Geldhahn ein wenig zugedreht, wie es die Amerikaner im Dezember mit ihrer vorerst mikroskopisch kleinen Zinswende versucht haben, bricht an den Börsen sofort tiefste Winterdepression aus. Die Aktienbörsen hängen also voll am Tropf der Notenbanken.

Das ist eine reichlich schlechte Nachricht, denn die Märkte geben damit das Bild eines Süchtigen ab, der sofort kollabiert, wenn man mit der Reduktion der Dosis beginnt. Wir befinden uns also trotz der jüngsten Kursverluste weiter im Blasenmodus. Und die mittelfristige Aussicht ist für die Börsen nicht sehr rosig, denn irgendwann werden die Notenbanken ja doch ernsthaft auf die Geldbremse steigen müssen. Und dann wird es wirklich unlustig.

Das ist das große Bild, das uns die nächsten Monate begleiten wird. Aber auch im Kleinen gibt es derzeit wenig Erfreuliches zu berichten. Wer immer das Kursfeuerwerk vom vergangenen Freitag als die große Wende ansieht und danach disponiert, könnte unliebsame Überraschungen erleben. Denn die übergeordneten Trends in den Charts zeigen weiterhin ganz klar nach unten. Die Kurse haben sich am Freitag nur von den unteren Begrenzungslinien der Abwärtskanäle gelöst und eine kleine Bärenmarktrallye begonnen. Der könnte aber sehr schnell wieder die Luft ausgehen. Wenn die Kurse so tief im Bärenterritorium liegen, gehört schon mehr zur Trendwende als ein kleiner Schlenker im unteren Bereich des Abwärtskanals.

Mit dem Motto „Let's make money“ ist dieser Tage also nicht viel anzufangen. Es geht jetzt nicht darum, nach Renditen zu jagen, sondern darum, sein Kapital abzusichern. Mit anderen Worten: Die Anlegerampel steht auf Rot. Trotzdem auf die Fahrbahn zu gehen ist gefährlich. Wir bleiben also bei unserer vorwöchigen Empfehlung, an der Seitenlinie auf bessere Zeiten oder gar eine eventuelle Wende zu warten.

Die Analysten der großen Geldhäuser bewerten natürlich weiter, sodass sich Ungeduldige auf eigenes Risiko dort Tipps holen können. Am Freitag beispielsweise hat die Privatbank Hauck & Aufhäuser die Aktie des deutschen Mobilfunkproviders Freenet(ISIN DE000A0Z2ZZ5) von „Hold“ auf „Buy“ hochgestuft und ein Kursziel von 34 Euro fixiert. Derzeit notiert das Papier bei rund 29 Euro. Laut der Analyse ist die Aktie derzeit attraktiv bewertet, die Dividendenrendite sei hoch, und bei den jüngsten Börsenkursstürzen sei das Papier zu stark unter die Räder gekommen.

Zu stark in Mitleidenschaft gezogen worden ist zuletzt nach Ansicht der Investmentbank Equinet auch die Aktie des Modekonzerns Hugo Boss (ISIN DE000A1PHFF7). Hugo Boss sei im Vergleich zur börsenotierten Konkurrenz nach den jüngsten Kursstürzen günstig bewertet, der Konzern sei auf langfristiges Wachstum ausgerichtet. Equinet gab deshalb eine Kaufempfehlung mit dem Kursziel 91 Euro ab. Zurzeit notiert Hugo Boss bei knapp über 70 Euro. Behalten die Equinet-Analysten recht, dann entspricht das doch einem Potenzial von fast 30 Prozent.

Der schweizerischen UBS schließlich hat es die Aktie von ASML (ISIN NL0010273215) angetan. Bei dem Unternehmen sei eine deutlich anziehende Geschäftsdynamik feststellbar, hieß es. Die bisherigen Schätzungen für das operative Ergebnis des Ausrüsters für die Chipindustrie seien zu niedrig gegriffen. UBS stuft ASML deshalb auf „Buy“ hoch und erhöht das Kursziel auf 86 Euro. Durch die jüngsten Kurssteigerungen, die den gesamten Verlust seit Jahresbeginn schon kompensiert haben, ist das Kursziel allerdings beinahe schon erreicht.

Freilich: Möglicherweise wird man auch die hier angeführten Aktien noch billiger bekommen. Mit einem Einstieg sollte man also zuwarten, bis sich eine Bodenbildung bestätigt.

josef.urschitz@diepresse.com

diepresse.com/money

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.01.2016)