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Potenz: Indikator für Herz-Gesundheit

(c) BilderBox (Erwin Wodicka)
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Erektionsprobleme treten als Warnzeichen schon etwa drei Jahre vor allgemeinen Herz-Kreislauf-Beschwerden auf. Vielfach lässt sich das Leiden durch Lebensstiländerungen bessern.

Bei Impotenz, medizinisch „erektile Dysfunktion“, geht es nicht nur um den Penis, eine Reihe von anderen Krankheiten kann mitverantwortlich dafür sein. „Der Penis kann als ein Indikator für die Gesundheit des Herzens betrachtet werden“, vergleicht Univ.-Prof. Dr. Mario Maggi, Sexualmediziner an der Universität Florenz, diese Wechselbeziehung. Die erektile Dysfunktion (ED) trete als Warnzeichen schon etwa drei Jahre vor allgemeinen Herz-Kreislauf-Beschwerden auf. Grund dafür: Schlechte Blutversorgung durch Verkalkung beeinträchtigt schon frühzeitig das empfindliche Gefäßsystem des Penis, „es spiegelt den Gesamtzustand der Blutgefäße wider“, so der Sexualmediziner.

 

Muss Männern bewusst werden

Diese Zusammenhänge sind allerdings den Betroffenen kaum bewusst, Mann gesteht seine „Mannesschwäche“ nicht gern ein. In Österreich sind etwa 800.000 Männer im Alter zwischen 20 und 75 Jahren im Laufe ihres Lebens von Potenzproblemen betroffen; aber nur die Hälfte von ihnen sucht einen Arzt auf.

Im Rahmen des Sexualmedizin- Kongresses „Restore the Man“ in Brüssel zählte Univ.-Prof. Dr. Siegfried Meryn, Medizinische Universität Wien, die möglichen Ursachen auf: „angefangen von Bluthochdruck über erhöhten Cholesterinspiegel bis zu Diabetes und anderen Stoffwechselerkrankungen, was wir als metabolisches Syndrom bezeichnen. Diese Zusammenhänge müssen den Männern bewusst gemacht werden, denn es geht nicht nur um ihre erektile Dysfunktion, sondern um ihren gesamten Gesundheitszustand“.

 

Riskanter Testosteronmangel

Schon eine Änderung des Lebensstils kann in vielen Fällen Besserung bringen. Darüber hinaus steht eine gute medikamentöse Behandlung zur Verfügung.

Viele Studien zeigen eindeutig, dass ein Mangel des Geschlechtshormons Testosteron nicht nur für die ED verantwortlich ist, sondern auch für abnehmende körperliche und geistige Leistungsfähigkeit sowie für die Entwicklung von Fettleibigkeit, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Daher ist es wichtig, vor jeder Behandlung eine Bestimmung des Testosteronspiegels vorzunehmen, dazu eine urologische Untersuchung, eine Sexual-Anamnese, Labortests hinsichtlich Diabetes, Nierenwerten und Stoffwechselwerten. „An diesem Gesundheitsscreening soll auch die Partnerin mitwirken, sie merkt zuallererst, wenn mit ihrem Partner etwas nicht stimmt“, rät Meryn.

Falls ein Testosteronmangel festgestellt wird, kann eine Reihe von Medikamenten helfen. Dazu zählen Gels, die auf die Haut aufgetragen werden und den Testosteronspiegel für etwa 24 Stunden erhöhen. Die Libido steigt, Erektion und allgemeines körperliches Wohlbefinden bessern sich. Eine lang anhaltende Erhöhung des Testosteronspiegels über etwa drei Monate erreicht man mit einer Injektion, sie ist vor allem für ältere Männer vorteilhaft und wirkt auch gegen das metabolische Syndrom. Eine rasche Wirkung bringen Tabletten. Sie können auch über längere Zeit eingenommen werden und verbessern sowohl die Erektion als auch die Lebensqualität.

 

Warnung vor Selbstbehandlung

Eindeutig warnen die Experten vor einer Selbstbehandlung mit Hormonmitteln. Eine zu hohe Dosis kann bei gesunden Männern sogar zu Sterilität führen. Testosteron wirkt auch auf das Gehirn und kann unter anderem Aggressionen auslösen. Hohe Dosen schädigen überdies die Leber. „Auch eine vorsorgliche Einnahme ist strikt abzulehnen, denn dadurch könnte die Eigenproduktion an Testosteron sinken“, betonte der belgische Urologe Dr. Claude Schulman im Rahmen des Kongresses.

Diskutiert wurde auch, ob die medikamentöse Gabe von Testosteron Prostatakrebs auslösen oder schlafende Karzinome wecken könnte. Dazu Schulman: „Für gesunde Männer ohne Prostataprobleme gibt es dafür derzeit keine Hinweise. Aber bei einer Hormonbehandlung ist die Bestimmung des PSA-Wertes im Blut zur Früherkennung eines möglichen Prostatakrebses ganz wesentlich.“

Wie bereits erwähnt: In vielen Fällen würde es genügen, den Lebensstil zu ändern, um wieder die volle Manneskraft zu erreichen. Vor allem Alkohol, Rauchen und Fettleibigkeit sind Sexkiller. Körperliche Bewegung, Ausdauersport und gesunde Ernährung können die Testosteronproduktion steigern. Nicht zu unterschätzen ist auch eine einfühlsame Partnerin.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.06.2009)