Österreichs größtes privates Bestattungsunternehmen Pax gibt seinen Standort in Wien auf. Käufer ist die Bestattung Wien, die in der Bundeshauptstadt schon bisher 95 Prozent Marktanteil hatte.
WIEN. Es war der letzte größere Konkurrent, der nun dem Wiener Markt den Rücken kehrt: Die Pax Bestattung gibt den Kampf um die Bundeshauptstadt auf. Marke und Standort sollen allerdings erhalten bleiben – übernommen von der Bestattung Wien, die schon bisher einen Marktanteil von rund 95 Prozent hatte.
1. Herrscht in Wien nun wieder ein Bestattungsmonopol?
Bei der Bestattung Wien heißt es, dass es sehr wohl noch einen Markt gibt, in dem man als Unternehmen eben viel Vertrauen von den Kunden entgegengebracht bekommt. Tatsächlich hält man – trotz Liberalisierung des Bestattungswesens im Jahr 2002 – bei einem Marktanteil von 95 Prozent.
2. Welchen Stellenwert hat die private Konkurrenz?
Bei der seit 2002 erlaubten „privaten Konkurrenz“ handelt es sich zum Teil um Tochterunternehmen der Bestattung Wien – „diebestattung GmbH“ mit Filialen am Rochusmarkt und am Maurer Hauptplatz soll als kleines Unternehmen flexibler auf Wünsche reagieren können. Nun wurde auch noch die Pax Bestattung in Wien vom Platzhirschen übernommen. Bleibt die Perikles Bestattung, die von der Sargfabrik Moser im Salzburger Lungau betrieben wird – und nicht einmal eine Handvoll weiterer Unternehmen, die Bestattungen anbieten. Doch über regionale Bedeutung auf einzelnen Friedhofsstandorten oder bei bestimmten Zielgruppen (das Unternehmen Demirel bietet etwa Trauergespräche auf Türkisch und auch Überführungen Verstorbener in die Türkei an) kommen diese kleinen Bestattungsfirmen nicht hinaus.
3. Warum hat sich Pax zur Aufgabe des Standorts entschlossen?
Die offizielle Sprachregelung lautet, dass sich Pax damit auf sein Kerngeschäft in der Steiermark und Kärnten – in Klagenfurt hält man einen Marktanteil von 40Prozent – konzentrieren kann. In der Region Südösterreich, so Inhaber Gerhard Bajzek, soll das Unternehmen in Zukunft eine „starke Rolle“ einnehmen. Sonst hält man sich über die Gründe bedeckt. Klar ist allerdings, dass der Kampf gegen den Wiener Platzhirsch, den Bajzek im Jahr 2003 startete, nur wenig Erfolg im Sinn von Marktanteilen brachte.
4. Warum ist das Geschäft in Wien für Private so schwierig?
Pax-Inhaber Gerhard Bajzek klagte mehrmals darüber, dass die administrativen Abwicklungen eines Todesfalls die Bestattung Wien begünstigen würde – das Magistrat würde Angehörige direkt zur ehemaligen Städtischen Bestattung weiterschicken, die jetzt Teil der Wiener Stadtwerke ist. Neben der Nähe zum Rathaus profitiert der ehemalige Monopolist auch vom teilweisen Werbeverbot im Bestattungswesen – so darf etwa nicht in Krankenhäusern und Altenheimen geworben werden –, das es für Neueinsteiger schwieriger macht, Bekanntheit zu erlangen. Und: Nur wenige holen schon im Vorhinein selbstständig Auskünfte über Preise und Angebote verschiedener Anbieter ein.
Dass im Jänner 2008 die MA43 (Wiener Friedhöfe) privatisiert wurde und nun unter den Namen „Friedhöfe Wien GmbH“ und „Krematorium Wien GmbH“ als Tochterunternehmen der Bestattung Wien geführt wird, rundet das Bild des städtischen Gesamtdienstleisters nur noch ab.
5. Wieso gab es überhaupt bis 2002 ein echtes Monopol?
Ende des 19. Jahrhunderts gab es in Wien mehr als 80 Bestattungsunternehmen, die um jeden einzelnen Verstorbenen kämpften. Das führte zum Teil zu pietätlosen Szenen, wenn etwa Agenten der Bestattungsunternehmen vor den Häusern begüterter Bürger lauerten, die im Sterben lagen. Um diese Missstände abzustellen, kaufte die Gemeinde Wien im Jahr 1907 die beiden größten Unternehmen – die „Concordia“ und die Firma „Entreprise des pompes funèbres“ (von deren Namen auch der Begriff „Pompfüneberer“ für Totengräber verballhornt wurde) – und führte sie als „Städtische Leichenbestattung“ weiter. Kleinere Wettbewerber mussten angesichts dieser Übermacht aufgeben, 1951 verschwand der letzte private Bestatter. Die Monopolstellung hielt bis ins Jahr 2002, als der Bestattungsmarkt liberalisiert wurde.
6. Was bedeutet der Verkauf von Pax für die Kunden?
„Pax wird weiterhin unter dem bekannten Namen seine Leistungen in Wien anbieten“, sagt Christian Fertinger, Geschäftsführer der Bestattung Wien. Marke und Standort sollen erhalten bleiben. Geführt werden soll der Betrieb von einer Tochterfirma, ähnlich wie bei der Bestattung am Rochusmarkt. Für die Kunden von Pax in Wien, so heißt es, soll sich jedenfalls nichts ändern. Und der Wettbewerb? Den gibt es in Wien generell eher weniger ausgeprägt als anderswo.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.07.2009)