Kampf gegen Deflation: Negativzinsen in Japan

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From the Files - BOJ Adopts Negative Rate(c) REUTERS (KIM KYUNG-HOON)
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Geldpolitik. Auch die Bank of Japan setzt jetzt auf negative Zinsen für Bankeinlagen, um Kreditwachstum anzuregen.

Tokio/Wien. Zum ersten Mal in der Geschichte hat Japan in der Nacht auf Freitag den Einlagezinssatz in den negativen Bereich gesenkt: auf –0,1 Prozent. Damit folgt die Bank of Japan (BoJ) dem Vorbild europäischer Notenbanken. Auch die EZB hat längst einen negativen Zinssatz auf Bankeinlagen.

Damit soll erreicht werden, dass Banken ihre Reserven als Grundlage für Kredite in die Wirtschaft verwenden – was sowohl die Wirtschaft als auch die Inflation antreiben soll. Bei einem negativen Einlagezins müssen Banken eine Gebühr bezahlen, wenn sie ihr Geld bei der Zentralbank parken, statt es weiter zu verleihen.

Die BoJ fährt zwar seit langer Zeit eine sehr lockere Geldpolitik, verfehlt allerdings ihr Inflationsziel. Ähnlich wie der EZB macht auch der BoJ der extrem niedrige Ölpreis zu schaffen, denn der drückt auch die Inflationsrate. Die Zentralbank musste deshalb ihre Inflationsprognose für das im April beginnende neue Fiskaljahr erneut nach unten korrigieren – und zwar deutlich. Laut BoJ sind nur 0,8 Prozent Preisauftrieb zu erwarten – nicht 1,4 Prozent, wie bisher angenommen.

Druck zuletzt gewachsen

Im Sommer 2017 soll das Inflationsziel von knapp unter zwei Prozent wieder erreicht sein, auch wenn Beobachter weitere Lockerungsmaßnahmen nicht ausschließen. Das Inflationsziel wurde von Notenbankchef Haruhiko Kuroda auch schon mehrmals nach hinten verschoben. Die BoJ beschloss zugleich, die Geldmenge unverändert um jährlich 80 Billionen Yen (rund 617 Mrd. Euro) auszuweiten. Die Aktienbörse in Tokio legte daraufhin kräftig zu. Die Rendite für zehnjährige Staatsanleihen sank zugleich auf das Rekordtief von 0,185 Prozent.

In Marktkreisen war der Druck auf die Notenbank der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt zuletzt gewachsen, die geldpolitischen Zügel angesichts der Flaute beim größten Handelspartner China sowie des geringen Preisanstiegs im Inland abermals zu lockern. China, dessen Märkte in den vergangenen Monaten arg durchgerüttelt wurden, weigert sich bisher, im großen Stil Geld auszuschütten wie EZB, Fed und BoJ dies tun und getan haben. Stattdessen versucht die chinesische Führung, die Märkte durch gezielte Käufe durch staatsnahe Fonds zu stützen. Dies funktioniert aber nicht ganz so gut, wie die breite Ausschüttung von Liquidität.

Was macht die Fed?

Die Federal Reserve hat ihre Zinsen in dieser Woche vor dem Hintergrund globaler Marktschwächen nicht weiter angehoben. Obwohl heuer ursprünglich mehrere Zinsschritte geplant waren, gehen viele Beobachter inzwischen von höchstens einem weiteren Zinsschritt aus. Der Verfall des Ölpreises drückt auch in den USA auf die Inflationsstatistik. Und die Börsen reagieren weltweit sehr unruhig auf die (ohnehin sehr langsame) Zinswende der Fed. (ag./red.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.01.2016)

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