Warum Deutschland U-21-Europameister ist.
Malmö/WIEN. Deutschland und große Turniere, das ist eine eigene Sache. So mies können die Nachbarn gar nicht spielen, um nicht am Ende im Finale zu stehen. Das weiß keiner besser als Horst Hrubesch. WM 1982 war es. In der Vorrunde gegen Algerien verloren, dann das Skandalspiel gegen Österreich, bei dem er das Tor schoss. Schließlich das Spiel für die Ewigkeit gegen Frankreich, bei dem Hrubesch im Elfmeterschießen das letzte Wort hatte. 1982 war es, als Deutschland das letzte Mal mit der U 21 in einem EM-Finale stand. Doch England gewann.
Am Montag war es wieder soweit. Mit Krampf hatten sich die Deutschen ins Finale gewurstelt, waren gegen England Außenseiter gewesen – und gewannen 4:0. Nach dem Sieg sangen sie: „Theo, pack die Scheine aus!“ DFB-Präsident Theo Zwanziger hatte eine Prämie von 12.000 Euro ausgesetzt.
Trainer Hrubesch weiß auch, warum jetzt gezahlt wird. Er verfügt über Spieler, die beinahe jedes Kind kennt: Manuel Neuer hütet nicht nur das Tor von Schalke, er spielt auch eine gewichtige Rolle bei Joachim Löws Plänen fürs A-Team. Mesut Özil, gegen England bester Spieler am Platz, soll bei Werder Bremen keinen Geringeren als Diego als Spielmacher ersetzen.
Und der Rest? Gestandene Bundesligaprofis: Gonzalo Castro bei Leverkusen, Benedikt Höwedes bei Schalke. Oder Mats Hummels von Dortmund, der übrigens eine der großen Säulen in der deutschen Defensive war.
Als Österreichs U-20-Team 2007 in Kanada Vierter wurde, hatte bis auf Sebastian Prödl, der bei Sturm in der Stammelf stand, kaum einer noch das Trikot einer A-Mannschaft getragen. Leute wie Harnik, Hoffer, Kavlak oder Junuzovic kamen aus dem Nichts ins Rampenlicht – und schafften dann den Durchbruch.
Leute wie Neuer, Özil, Castro und Höwedes kommen aus dem Rampenlicht zur U 21. Das weiß aber nicht nur Horst Hrubesch.
U 21-Europameisterschaft, Finale:
Deutschland-England 4:0 (1:0); Malmö, 20.000. Tore: Castro (23.), Özil (48.), Wagner (79., 84.)
("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.07.2009)