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Europol meldet 10.000 Flüchtlingskinder als vermisst

MACEDONIA-GREECE-EU-MIGRANTS
Flüchtlingskinder an der mazedonischen Grenze(c) APA/AFP (ARMEND NIMANI)

Ein Teil der allein reisenden Kinder dürfte sich bei Verwandten aufhalten, es gebe aber auch Menschenhandel und sexuellen Missbrauch.

Mindestens 10.000 unbegleitete Flüchtlingskinder sind nach ihrer Ankunft in Europa spurlos verschwunden. Diese Zahl nannte der Brian Donald, Vertreter der europäischen Polizeibehörde Europol, dem britischen„Observer“. "Dies bedeutet nicht, dass allen etwas passiert ist. Ein Teil der Kinder könnte sich bei Verwandten aufhalten. Aber es bedeutet, dass diese Kinder zumindest potenziell gefährdet sind." Es gebe kriminelle Organisationen, die mit Menschenhandel und der Ausbeutung der Kinder und Jugendlichen Geld verdienen wollten.

Der Sprecher sagte, es handele sich bei der Zahl von 10.000 Kindern um eine zurückhaltende Schätzung, die sich auf den Zeitraum der vergangenen 18 bis 24 Monate beziehe. Allein in Italien seien rund 5000 Flüchtlinge unter 18 Jahren zwar registriert, aber seitdem unauffindbar. In Schweden liege die Zahl bei etwa tausend Personen. Für Österreich und Deutschland nannte Donald keine Zahlen.

Schmuggler und Menschenhändler arbeiten zusammen

Europol geht davon aus, dass von den mehr als eineinhalb Millionen im Vorjahr in Europa eingetroffenen Flüchtlingen 27 Prozent unbegleitete Kinder und Jugendliche seien. „Nicht alle von ihnen sind unbegleitet, aber wir haben Beweise, dass ein großer Teil es ist“, sagte Donald. Europol habe außerdem Beweise dafür, dass manche der Kinder sexuell ausgebeutet werden. In Deutschland und Ungarn gebe es eine große Anzahl Krimineller, die bei der Ausbeutung von Flüchtlingen erwischt wurde.

Die europäische Polizeibehörde geht davon aus, dass Schmuggler mit Menschenhändlern, die Flüchtlinge in die Zwangsprostitution und Sklaverei verkaufen, zusammenarbeiten. In den vergangenen 18 Monaten sei eine ganze kriminelle Infrastruktur entstanden, die Flüchtlinge ausbeuten, so Donald.

Merkel: „Geht zurück“

Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel, die im Vorjahr mit der Ankündigung offener Grenzen die Flüchtlingswelle erst mitbefeuert hatte, hofft derweil auf ein Kriegsende in Syrien und im Irak, folglich eine Rückkehr der meisten Asylwerber in ihre Heimat und eine Entspannung in Deutschland. Man gewähre den meisten Flüchtlingen nur vorübergehenden Schutz, sagte die CDU-Chefin am Wochenende in Neubrandenburg. Auch nach dem Jugoslawien-Krieg seien 70 Prozent der Menschen von dort heimgekehrt.

Im Übrigen erhielten wenige Flüchtlinge Asyl. Die meisten bekämen einen auf drei Jahre befristeten Schutz nach der Genfer Flüchtlingskonvention oder subsidiären Schutz, so Merkel: „Wir erwarten, dass wenn wieder Frieden ist, wenn der IS im Irak besiegt ist, dass ihr wieder zurückgeht.“ Man werde daher auch etwa Abschiebungen forcieren und die Liste sicherer Herkunftsländer erweitern.

>> Bericht im "Observer"

(Red.)