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Ein Drittel mehr Arbeitslose als vor einem Jahr

(c) AP (Muhammed Muheisen)
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Einige Firmen stellen wieder von Kurz- auf Normalarbeitszeit um. Eine Trendwende bedeutet das aber nicht, bis August rechnet Hundstorfer wieder mit einem Anstieg bei der Kurzarbeit.

Wien. Vom Arbeitsmarkt kommen großteils schlechte Nachrichten: Ende Juni waren in Österreich mit 229.703 Personen um ein Drittel mehr arbeitslos als vor einem Jahr. 62.217 weitere saßen in Schulungen. Es gibt aber auch Erfreuliches: So haben einige Firmen nach der Kurzarbeit wieder auf Normalarbeitszeit umgestellt. „Die Presse“ gibt Auskunft über die wichtigsten Arbeitsmarkttrends.

1. Gibt es bei der Arbeitslosigkeit einen neuen Rekord?

Zum Vormonat Mai ist die Arbeitslosigkeit um 10.000 Personen gesunken. Noch nie in der Zweiten Republik gab es jedoch in einem Juni so viele Arbeitslose. Eine Arbeitslosenquote von 6,1 Prozent gab es aber schon– zuletzt im Juni 2005. Das ist darauf zurückzuführen, dass die Zahl der unselbstständig Beschäftigen mit 3.390.000 jetzt deutlich höher ist als 2005, aber um 1,9 Prozent niedriger als vor einem Jahr.

2. Wie liegt Österreich im internationalen Vergleich?

Relativ gut: Österreich hat mit 4,2 Prozent nach EU-Berechnung (Anteil der Arbeitssuchenden an allen Erwerbstätigen, auch den Selbstständigen) die zweitniedrigste Arbeitslosenquote nach den Niederlanden. Zum Vorjahr gibt es aber einen Anstieg um 0,5 Prozentpunkte. Die EU-weit höchste Arbeitslosigkeit hat Spanien mit 18,1 Prozent, gefolgt von den drei baltischen Staaten Lettland, Litauen und Estland.

3. Welche Gruppen sind vor allem von Arbeitslosigkeit betroffen?

Der typische Arbeitslose in Österreich ist Industriearbeiter, jung und männlich. Daran dürfte sich in den nächsten Monaten wenig ändern, glauben AMS-Chef Herbert Buchinger und Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ). Im Handel und Tourismus wächst die Arbeitslosigkeit weniger stark. Experten glauben, dass die Krise in den nächsten Monaten auch auf diese Branchen überschwappt, wenngleich in milderer Form.

4. Wie viele Beschäftigte sind in Kurzarbeit?

Derzeit sind 51.671 Arbeitnehmer in 317 Betrieben in Kurzarbeit. Das ist ein überraschender Rückgang im Monatsvergleich: Ende Mai gab es 56.626 Kurzarbeiter. Hundstorfer hatte zu Monatsbeginn noch mit einem Anstieg gerechnet. Dass es nicht dazu kam, wertet er als positives Zeichen: Einige Betriebe haben wieder auf Normalarbeitszeit umgestellt, weil sich die Auftragslage verbessert hat. So geschah es etwa beim Vorarlberger Beschlägehersteller Grass oder beim oberösterreichischen Autozulieferer „Gruber und Kaja“.

5. Bedeutet der Rückgang der Kurzarbeit eine Trendwende?

Eher nein. Bis August rechnet Hundstorfer wieder mit einem Anstieg bei der Kurzarbeit. Auch die Arbeitslosigkeit dürfte im Herbst und im Frühjahr 2010 deutlich zulegen. Wirtschaftsforscher rechnen mit 100.000 zusätzlichen Arbeitslosen bis Ende 2010.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.07.2009)