RZB: Osten leidet länger unter der Krise

(c) Reuters (Heinz-Peter Bader)
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Für die Erste Bank werden zehn Prozent notleidende Kredite prognostiziert.

WIen (gau). „Es ist schon eine paradoxe Situation“, resümiert Peter Brezinschek, Chefanalyst der Raiffeisen Zentralbank (RZB): Die Krise hatte ihren Ursprung in den USA und erreichte Osteuropa erst sehr spät. Nun werden sich die USA und Westeuropa aber rascher erholen als die CEE-Länder.

Das ergibt sich kurzfristig durch den „Basiseffekt“: In den entsprechenden Quartalen des Vorjahres wuchs das BIP in den Ostländern noch stark, etwa um sechs Prozent in Russland oder neun Prozent in Rumänien. Wegen dieses hohen Ausgangsniveaus werden schon rein rechnerisch im zweiten und dritten Quartal noch starke Rückgänge zu berichten sein.

Zinssenkungen als Lichtblick

Doch auch längerfristig tut sich der Osten schwer, wieder auf die Beine zu kommen. Das liege, so Brezinschek, auch an der „extremen Kreditausweitung“ der letzten Jahre, die heute eine Sanierung der Leistungsbilanzen notwendig mache. Positiv dürfte sich auswirken, dass die Wechselkurse zu Euro und Dollar wieder steigen, die Inflationsraten sinken und die Zentralbanken wieder Spielräume für Zinssenkungen haben.

Österreichs Banken in der Region steht die große Herausforderung jedenfalls noch bevor. Zwar hat die „Ostpanik“ der Investoren abgenommen, aber die Zahl der notleidenden Kredite steigt stark. Für den Mitbewerber Erste Bank prognostiziert die RZB eine Spitze von 10,5 Prozent über alle CEE-Länder (9,1 Prozent inklusive Österreich).

Heuer sind vor allem Unternehmenskredite betroffen, 2010 dürften dann die Schulden der Privathaushalte in den Fokus geraten. Allerdings betont die RZB, dass ein großer Teil umgeschuldet werden könne und deshalb nicht ausfallen sollte. Aber auch durch sinkende Zinsmargen und Provisionen stehen Österreichs Banken im Osten „noch mehrere schwierige Quartale bevor“, warnt Brezinschek vor verfrühtem Optimismus.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.07.2009)

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