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Tour de France

Wenn Siege zweitrangig sind

Die Tour de France mutiert zur Spritzenfahrt, die Glaubwürdigkeit des Profi-Radsports ist ruiniert. Doch die Hoffnung stirbt zuletzt: DiePresse.com begibt sich abseits von Siegerlisten auf die Suche nach dem "sauberen" Radsportler.
02.01.2017 um 17:44
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Hauptbild • (c) AP (Christophe Ena)
Tour de France 2009: Die Frage ist nicht, wer gewinnt, sondern: Ist der Sieger gedopt oder nicht? Glaubt man den jüngsten Aussagen des österreichischen Vorjahres-Dritten und mittlerweile des Dopings überführten Bernhard Kohl, könnte wohl auch heuer jeder der Top-10 Fahrer zu unerlaubten Mitteln gegriffen haben. DiePresse.com begibt sich daher auf die Suche nach dem "sauberen" Radsportler im Tourfeld.TEXT VON PETER HUBER
Tour de France 2009: Die Frage ist nicht, wer gewinnt, sondern: Ist der Sieger gedopt oder nicht? Glaubt man den jüngsten Aussagen des österreichischen Vorjahres-Dritten und mittlerweile des Dopings überführten Bernhard Kohl, könnte wohl auch heuer jeder der Top-10 Fahrer zu unerlaubten Mitteln gegriffen haben. DiePresse.com begibt sich daher auf die Suche nach dem "sauberen" Radsportler im Tourfeld.TEXT VON PETER HUBER
(c) EPA (Roland Schlager)
Kohl steht mit seinen Aussagen im Widerspruch zu UCI-Präsident Pat McQuaid. Dieser spielt die Doping-Problematik herunter: "Es gibt immer ein oder zwei Idioten". Die Tour werde das am besten kontrollierte Großereignis der Sportgeschichte sein, ist er überzeugt.Über ein Fehlverhalten bei einer Doping-Kontrolle von Tour-Legende Armstrong sah er im Frühjahr hinweg. Stattdessen kritisierte er das Vorgehen der französischen Anti-Doping-Agentur.
Kohl steht mit seinen Aussagen im Widerspruch zu UCI-Präsident Pat McQuaid. Dieser spielt die Doping-Problematik herunter: "Es gibt immer ein oder zwei Idioten". Die Tour werde das am besten kontrollierte Großereignis der Sportgeschichte sein, ist er überzeugt.Über ein Fehlverhalten bei einer Doping-Kontrolle von Tour-Legende Armstrong sah er im Frühjahr hinweg. Stattdessen kritisierte er das Vorgehen der französischen Anti-Doping-Agentur.
(c) Reuters (Gonzalo Fuentes)
Doch auch der UCI-Präsident selbst ist nicht unumstritten. Der deutsche Doping-Jäger Werner Franke urteilt wenig schmeichelhaft über ihn: "Jemand Unglaubwürdigeren als den Herren McQuaid gibt es da ja wohl nicht."Genau diese Glaubwürdigkeit ist es, die dem Radsport momentan fehlt.
Doch auch der UCI-Präsident selbst ist nicht unumstritten. Der deutsche Doping-Jäger Werner Franke urteilt wenig schmeichelhaft über ihn: "Jemand Unglaubwürdigeren als den Herren McQuaid gibt es da ja wohl nicht."Genau diese Glaubwürdigkeit ist es, die dem Radsport momentan fehlt.
(c) Reuters (Felix Ausin Ordonez / Reuters)
Die Tour de France 2009 wird zweifellos im Zeichen eines Mannes stehen: Lance Armstrong. Der siebenfache Tour-Sieger inszeniert sich als "gläserner Athlet". Er wurde seit seinem Comeback dutzende Male getestet und war immer sauber.
Die Tour de France 2009 wird zweifellos im Zeichen eines Mannes stehen: Lance Armstrong. Der siebenfache Tour-Sieger inszeniert sich als "gläserner Athlet". Er wurde seit seinem Comeback dutzende Male getestet und war immer sauber.
(c) EPA (Alessandro Trovati)
Dass er die Dienste des berüchtigten Dr. Michele Ferrari in Anspruch nahm, konnte ihm ebenso wenig anhaben wie die Schlagzeilen der "L'Équipe", die berichtete, dass sechs seiner Blutproben der Tour 1999 positiv auf EPO getestet wurden.
Dass er die Dienste des berüchtigten Dr. Michele Ferrari in Anspruch nahm, konnte ihm ebenso wenig anhaben wie die Schlagzeilen der "L'Équipe", die berichtete, dass sechs seiner Blutproben der Tour 1999 positiv auf EPO getestet wurden.
(c) Reuters (Alessia Pierdomenico)
Der dreifache Toursieger Greg LeMonde bezeichnet das Armstrong-Comeback als Katastrophe für den Radsport: "Der jahrelange Alptraum, den wir erlebt haben, kehrt nun zurück."
Der dreifache Toursieger Greg LeMonde bezeichnet das Armstrong-Comeback als Katastrophe für den Radsport: "Der jahrelange Alptraum, den wir erlebt haben, kehrt nun zurück."
(c) EPA (Nicolas Bouvy)
Der deutsche Doping-Jäger Werner Franke hält Armstrongs Inszenierung für Volksverdummung: "Jeder kann seit mindestens 15 Jahren das wirksamste Wachstumshormon IGF 1 nehmen - ohne, dass irgendetwas entdeckt wird. Vor den olympischen Spielen in Peking wurden Tests auf HGH (Human Growth Hormon, Wachstumshormon, d. Red.) angekündigt. Nichts ist geschehen."
Der deutsche Doping-Jäger Werner Franke hält Armstrongs Inszenierung für Volksverdummung: "Jeder kann seit mindestens 15 Jahren das wirksamste Wachstumshormon IGF 1 nehmen - ohne, dass irgendetwas entdeckt wird. Vor den olympischen Spielen in Peking wurden Tests auf HGH (Human Growth Hormon, Wachstumshormon, d. Red.) angekündigt. Nichts ist geschehen."
(c) AP (Michael Probst)
Als Tourfavorit gilt Armstrongs spanischer Astana-Teamkollege Alberto Contador. Doch auch er hat einen zweifelhaften Ruf. Auf Akten des spanischen Blut-Doktors Fuentes taucht Contadors Name auf. Contador bot sich als Zeuge an und wurde in Spanien nicht weiter behelligt.Im Astana-Team fährt übrigens auch der Deutsche Andreas Klöden, der von seinem Ex-Kollegen Patrik Sinkewitz schwer belastet wurde.
Als Tourfavorit gilt Armstrongs spanischer Astana-Teamkollege Alberto Contador. Doch auch er hat einen zweifelhaften Ruf. Auf Akten des spanischen Blut-Doktors Fuentes taucht Contadors Name auf. Contador bot sich als Zeuge an und wurde in Spanien nicht weiter behelligt.Im Astana-Team fährt übrigens auch der Deutsche Andreas Klöden, der von seinem Ex-Kollegen Patrik Sinkewitz schwer belastet wurde.
(c) EPA (Manuel Bruque)
Der Deutsche Jörg Jaksche hat in seinem "Spiegel"-Geständnis einen denkwürdigen Satz über Contadors Heimat zu Protokoll gegeben: "In Spanien konntest du dir die Epospritzen an die Autoscheibe pflastern, und es hat dich keiner angehalten."Wenn also die Wahrscheinlichkeit eines sauberen Siegers gering ist - gibt es zumindest irgendeinen Tourteilnehmer, der ohne Doping auskommt?
Der Deutsche Jörg Jaksche hat in seinem "Spiegel"-Geständnis einen denkwürdigen Satz über Contadors Heimat zu Protokoll gegeben: "In Spanien konntest du dir die Epospritzen an die Autoscheibe pflastern, und es hat dich keiner angehalten."Wenn also die Wahrscheinlichkeit eines sauberen Siegers gering ist - gibt es zumindest irgendeinen Tourteilnehmer, der ohne Doping auskommt?
(c) Reuters (Eric Gaillard)
Zur großen Hoffnung all jener, die noch immer an einen sauberen Radsport glauben wollen, ist Garmin-Chipotle aufgerückt. Das Team fährt den aggressivsten und offensivsten Kurs gegen Doping.Christian Vande Velde, der stärkste Fahrer der Equipe kam beim Giro zu Sturz, er geht bei der Tour aber an den Start. Verdächtig aber auch hier: Vande Velde ist Ex-Kollege von Armstrong und wurde 2008 Tour-Fünfter - fast zu gut, um wahr zu sein.
Zur großen Hoffnung all jener, die noch immer an einen sauberen Radsport glauben wollen, ist Garmin-Chipotle aufgerückt. Das Team fährt den aggressivsten und offensivsten Kurs gegen Doping.Christian Vande Velde, der stärkste Fahrer der Equipe kam beim Giro zu Sturz, er geht bei der Tour aber an den Start. Verdächtig aber auch hier: Vande Velde ist Ex-Kollege von Armstrong und wurde 2008 Tour-Fünfter - fast zu gut, um wahr zu sein.
(c) Reuters (Stefano Rellandini)
Ein genauerer Blick in das Team offenbart eine Überraschung. Ausgerechnet der Schotte David Millar - der nach seinem Zeitfahr-WM-Titel im Jahr 2004 EPO-Doping gestand und zwei Jahre gesperrt wurde - tritt für das US-Team in die Pedale.Das Skurrile daran: Der gebrandmarkte Millar gilt als der glaubwürdigste Pedaleur im Peloton. Sogar der gefürchtete Ex-Radfahrer und Journalist Paul Kimmage glaubt, dass Millar sauber ist.
Ein genauerer Blick in das Team offenbart eine Überraschung. Ausgerechnet der Schotte David Millar - der nach seinem Zeitfahr-WM-Titel im Jahr 2004 EPO-Doping gestand und zwei Jahre gesperrt wurde - tritt für das US-Team in die Pedale.Das Skurrile daran: Der gebrandmarkte Millar gilt als der glaubwürdigste Pedaleur im Peloton. Sogar der gefürchtete Ex-Radfahrer und Journalist Paul Kimmage glaubt, dass Millar sauber ist.
(c) EPA (Gero Breloer)
Die sportlichen Leistungen seit seinem Comeback machen Millar glaubwürdig. Der Zeitfahr-Spezialist fährt zwar in seiner Paradedisziplin auch bei großen Rundfahrten immer wieder vorne mit, der große Wurf ist aber ausgeblieben.Für all jene, die sich für Radsport abseits der "unmenschlichen" Leistungen und Sieger interessieren - vielleicht ist ja auch Platz 68 (diesen Rang belegte Millar 2008 in der Gesamtwertung) eine Messlatte - Garantie für einen sauberen Sport ist aber auch das keine...
Die sportlichen Leistungen seit seinem Comeback machen Millar glaubwürdig. Der Zeitfahr-Spezialist fährt zwar in seiner Paradedisziplin auch bei großen Rundfahrten immer wieder vorne mit, der große Wurf ist aber ausgeblieben.Für all jene, die sich für Radsport abseits der "unmenschlichen" Leistungen und Sieger interessieren - vielleicht ist ja auch Platz 68 (diesen Rang belegte Millar 2008 in der Gesamtwertung) eine Messlatte - Garantie für einen sauberen Sport ist aber auch das keine...
(c) Reuters (Thierry Roge / Reuters)

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