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Lettland verbietet das Geschäftsmodell Red Bull

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Nach Litauen stoppt Lettland den Verkauf des Energydrinks an Minderjährige. Aber mehr noch: In Lettland darf Red Bull auch nicht mehr bei Sportevents werben. Der Konzern aus Fuschl verliert damit seinen Marketing-Turbo.

Wien. Sieben von zehn Jugendlichen in der EU tun es. Sie trinken Energydrinks wie Red Bull – und gefährden damit mitunter ihre Gesundheit, warnt die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Vor allem der hohe Koffein- und Zuckergehalt gilt als problematisch. Die WHO will die Dosen daher seit Jahren für die Jungen am liebsten ganz aus den Geschäften verbannen.

Nach Litauen nimmt sich nun auch Lettland diesen Rat zu Herzen und verbietet per Anfang Juni den Verkauf an unter 18-Jährige. Damit nicht genug: Lettland weiß, dass der Österreicher Didi Mateschitz den alten Muntermacher aus Thailand seit den 1980er-Jahren vor allem durch geschicktes Marketing rund um Trendsportarten bei Jugendlichen beliebt macht – und verbietet diesen Teil des Geschäftsmodells gleich mit. Energydrinkhersteller dürfen ab Sommer 2016 in Lettland nicht mehr für sportliche Aktivitäten werben. Red Bull, aber auch die US-amerikanische Konkurrenz Monster, stützen ihr Marketing seit Jahren stark auf Werbung und Sponsoring im Extremsportbereich.

 

Mokka mit neun Stück Zucker

Sechs Milliarden Dosen Red Bull hat der Konzern aus Fuschl im Vorjahr weltweit verkauft. Und das, obwohl Sorgen vor gesundheitlichen Schäden das Unternehmen von Beginn an begleiten. Frankreich, Norwegen und Dänemark lassen den Verkauf von Red Bull erst seit wenigen Jahren uneingeschränkt zu. Mediziner warnen vor Herzrhythmusstörungen, Krampfanfällen und Nierenversagen, die durch übermäßigen Konsum des koffeinhaltigen Energydrinks verursacht werden könnten – gerade in Kombination mit Sport oder Alkohol. Bewiesen ist der direkte Zusammenhang bisher aber nicht.

Red Bull selbst kontert derartige Angriffe stets mit dem Verweis auf seine lange Geschichte und die Rezeptur. Das Getränk werde seit einem Vierteljahrhundert in fast allen Ländern der Welt ohne Probleme vertrieben und beinhalte nicht mehr Koffein als eine Tasse Kaffee, heißt es. Das stimmt auch. Konkret ist es etwa, als würde man einen kleinen Mokka mit neun Stück Würfelzucker trinken. Das Problem: Bei Energydrinks seien Jugendliche öfter verleitet, mehr Koffein einzunehmen als sie vertragen, warnt die EU-Lebensmittelsicherheitsbehörde Efsa. Unproblematisch sei maximal eine Tasse Kaffee oder eine Dose Red Bull am Tag.

In Österreich ist ein Verbot von Red Bull kein Thema. Stattdessen boomt die Branche wie selten zuvor. Im Vorjahr wurden 220 Millionen Dosen im Einzelhandel (ohne Diskonter) verkauft. Red Bull ist hier nur einer unter vielen. Vor allem die günstigeren Eigenmarken-Energydrinks der Handelsketten nehmen an Bedeutung zu. (auer)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.02.2016)