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Islamisten sollen Anschlag in Berlin geplant haben

(c) REUTERS (FABRIZIO BENSCH)

In Deutschland gab es einen Einsatz in drei Bundesländern mit hunderten Polizisten. Drei mutmaßliche Anhänger der Terrormiliz IS wurden festgenommen.

Berlin. Ist Deutschland einem Terroranschlag entronnen? Darauf deuteten Äußerungen der deutschen Sicherheitsbehörden am Donnerstag hin. In mehreren Bundesländern – der Hauptstadt Berlin, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen – jagten mehrere hundert Beamte in Razzien nach Verdächtigen.

Nach Worten der Berliner Staatsanwaltschaft waren an der Aktion rund 450 Beamte beteiligt. Sie durchsuchten die Wohnungen und Arbeitsstellen von vier mutmaßlichen algerischen Islamisten, die verdächtigt wurden, eine „schwere staatsgefährdende Gewalttat“ vorbereitet zu haben.

 

Als Flüchtling eingereist

Drei Männer wurden bis Donnerstagnachmittag verhaftet, darunter der Hauptverdächtige. Er wird von der algerischen Justiz wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in der Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS) gesucht. Der Mann ist den Ermittlern zufolge mit einem gefälschten syrischen Pass als Flüchtling eingereist.

Konkret sei es um mögliche Anschlagsplanungen in Berlin gegangen, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Martin Steltner. Es seien Mobiltelefone, Computer und Unterlagen sichergestellt worden. „Wir haben nicht die ,Smoking Gun‘ gefunden.“ Die beschlagnahmten Unterlagen würden nun ausgewertet, um zu prüfen, ob sich der Verdacht erhärten lasse. Wie konkret die Vorbereitungen waren, ist noch unklar.

Der Hauptverdächtige und seine Frau wurden in einer Flüchtlingsunterkunft im nordrhein-westfälischen Attendorn wegen der Bitte um Festnahme aus Algerien verhaftet. Der Polizei zufolge gibt es zudem Hinweise, dass der Hauptverdächtige vom IS in Syrien militärisch ausgebildet wurde. Der Verdächtige in Niedersachsen lebte den Angaben zufolge ebenfalls in einem Flüchtlingsheim.

Der Berliner „Tagesspiegel“ berichtete, Ziel sei der bei Touristen beliebte ehemalige Grenzübergang Checkpoint Charlie gewesen. Die Polizei habe zugegriffen, weil die Männer seit einigen Tagen nicht mehr über ihre Pläne geredet hätten. Die „Bild“-Zeitung schrieb dagegen, die Männer hätten den Alexanderplatz im Visier gehabt.

Laut „Tagesspiegel“ haben führende IS-Mitglieder den Anschlag in Auftrag gegeben. Es handle sich teils um dieselben Drahtzieher wie bei den Attentaten von Paris im November, schrieb das Blatt in Berufung auf Sicherheitskreise. Der entscheidende Tipp sei von einem ausländischen Geheimdienst gekommen. Eine offizielle Bestätigung gab es dafür nicht.

Der Berliner Polizeisprecher Stefan Redlich sagte, die Verdächtigen seien zwischen 26 und 49 Jahre alt. Der Hauptverdächtige aus Attendorn soll im Herbst nach Bayern eingereist und als Flüchtling registriert worden sein. Wegen der Karnevalstage sind die deutschen Sicherheitskräfte besonders alarmiert. (Reuters, DPA, red.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.02.2016)