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Ö3-Chef: Austropop-Quote "irritiert die Hörer“

(C) Wikipedia/ Karl-Heinz Wellmann

Ö3-Programmchef Georg Spatt macht die Austropop-Quote von 15 Prozent für den jüngsten Reichweitenverlust verantwortlich. Langfristig soll der Sender von heimischer Musik aber profitieren.

„Ich habe gestern mindestens eine Viertelstunde lang Ö3 gehört.“ Im zweiten Halbjahr 2015 traf dieser Satz für 43 Prozent der Österreicher zwischen 14 und 49 Jahren zu. Im gleichen Zeitraum 2014 war die Tagesreichweite des Senders laut Radiotest bei der werberelevanten Zielgruppe noch um 2,4 Prozentpunkte höher, 2003 lag sie gar bei über 54 Prozent. Noch ist Ö3 der reichweitenstärkste Sender, doch die Quoten fallen.

Im „Kurier“ deutete Ö3-Senderchef Georg Spatt an, dass die „aktuellen Marktbewegungen“ mit der sogenannten Austropop-Quote zu tun haben könnten: Mit 1. Juli 2015 verpflichtete sich Ö3 in einer Vereinbarung mit den Musikschaffenden zu einem 15-Prozent-Anteil für heimische Musik. Im Gespräch mit der „Presse“ konkretisierte Spatt: „Diese schlagartige Musikquote ist sicherlich ein Hauptgrund.“

"Billige Ausrede"

Vergrault österreichische Musik die Hörer – gerade jetzt, da heimische Künstler wie Wanda, Bilderbuch, Seiler und Speer so beliebt sind? Der Musikverleger Walter Gröbchen will das nicht glauben. Er hält die Erklärung für eine billige Ausrede. „Die Quoten für nationale Musik in anderen Ländern sind viel höher. Österreich befindet sich da im untersten Zehntel“, sagt er.

Gröbchen meint, dass nicht die österreichische Musik, sondern das Formatradiokonzept die Hörer vertreibe: Heimische Musiker würden erst gespielt, wenn sie schon beliebt sind, und dann so oft, dass es bald den "Leuten bei den Ohren raus hängt". "Man hat das Gefühl: Ö3 will fast beweisen, mit den Österreichern reißt man nix." Er könne sich auch nicht vorstellen, dass der Anstieg des Austropop-Anteils (vor der Quotenvereinbarung lag er bei sieben bis neun Prozent) den Hörern überhaupt aufgefallen ist.

„Das hört der Hörer natürlich raus“, meint hingegen Spatt. Empirische Nachweise, dass der höhere Anteil österreichischer Musik für den Reichweitenverlust verantwortlich sei, gebe es nicht, doch der Programmchef beobachte ständig den Markt, da sei das „eine sehr naheliegende Vermutung.“

Ö3-Chef: Hörer schätzen Gewohntes

Dass die Ö3-Hörer heimische Musik ablehnen, glaubt er aber nicht. Ö3 erreiche nicht eine konkrete Zielgruppe, sondern 2,6 Millionen Menschen mit sehr unterschiedlichen Geschmäckern. Da sei eine "sensible Programmierung" notwendig, um die Balance zu halten - und Änderungen würden eben kurzfristig zu Reichweitenverlusten führen.

„Wir werden sehr stark über die Gewohnheit konsumiert. Wenn von einem Tag zum anderen in einem sensiblem Bereich etwas spürbar verändert wird, sorgt das für Irritation“, erklärt er. An dem höheren Anteil österreichischer Musik will er aber festhalten: Langfristig soll die Maßnahme sogar den Erfolg des Senders absichern.

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