Die Aufarbeitung des Skandals um Meinl European Land wird durch dilettierende Behörden erschwert.
Der MEL-Skandal hat die Republik ein gutes Jahr lang in Atem gehalten. Sehr viele Österreicher haben mit Meinl European Land sehr viel Geld verloren, die Praktiken, die dabei sichtbar wurden, waren lange Zeit der Aufreger schlechthin.
Man hätte also erwarten können, dass die Behörden alles unternehmen, um die Vorgänge aufzuklären und – bei strafrechtlicher Relevanz – die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.
Hätte. In der Realität sieht die Sache leider anders aus. Eine schier endlose Serie von Behördenpleiten, -pech und -pannen begleitet die Aufarbeitung der Causa. Da gibt es mehrere Strafbescheide der FMA, die wieder aufgehoben wurden, da gibt es Strafbescheide der FMA, die gar nicht zugestellt werden konnten, weil Topmanager eines an der Wiener Börse notierten Unternehmens offenbar keine österreichische Zustelladresse brauchen. Und da gibt es jetzt einen Gutachter, der der Staatsanwaltschaft wegen Befangenheit (möglicherweise) abhandenkommt, weil er es sich nicht verkneifen konnte, gegen das Objekt seiner Begutachtung Gastkommentare für Zeitungen zu verfassen.
Das ist eigentlich auch ein Skandal. In der MEL-Affäre sind, wie gesagt, ziemlich viele Österreicher um ihr Erspartes gebracht worden. Die würden gerne wissen, ob es dafür greifbare Schuldige gibt. Und die wünschen sich deshalb, dass die Behörden bei der Aufarbeitung professionell arbeiten. Und nicht, wie vorgeführt, herumpfuschen. (Bericht: Seite 17)
("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.07.2009)