Umfrage: Konzernchefs sind voller Pessimismus

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Themenbild: PricewaterhouseCoopers(c) EPA (Andrew Gombert)

Überregulierung, Steuerbelastung, Staatsverschuldung: Österreichs Konzernchefs sehen die Zukunft laut PwC-Umfrage düsterer als ihre internationalen Kollegen.

Wien. „Egal, welche Studie sie nehmen, Österreich wird schlechter, schlechter, schlechter“, sagt Georg Kapsch. Schließlich gibt es für den Präsidenten der Industriellenvereinigung (IV) schon wieder eine Studie zu beklagen, die dem Wirtschaftsstandort Österreich nicht gerade schmeichelt. Diesmal hat die Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers (PwC) Konzernchefs über ihre wirtschaftlichen Erwartungen befragt. Und gleich vorweg: Rosig wird die Zukunft nur von 27 Prozent der 1040 befragten CEOs auf diesem Globus gesehen. Sie glauben an ein globales Wirtschaftswachstum in diesem Jahr. In Österreich wurden mehr als 30 Topmanager befragt. 31 Prozent hegen die Hoffnung auf wirtschaftliche Besserung. Nur 31 Prozent. Im Vergleich mit Ländern wie Deutschland, wo 40 Prozent mit Optimismus in die Zukunft blicken, malen heimische Manager ein düsteres Zukunftsszenario.

Das größte unternehmerische Risiko sehen die Manager hierzulande in den politischen Rahmenbedingungen, sagt Aslan Milla, Senior-Partner bei PwC Österreich. 81 Prozent der befragten Konzernchefs sorgen sich über die steigende Steuerbelastung. In Deutschland erachten 41 Prozent der Manager die Steuern als zu hoch. 78 Prozent der Befragten sehen in der steigenden Verschuldung des Staates ein wachsendes Risiko für den Wirtschaftsstandort. 72 Prozent bewerten das österreichische Steuersystem als unverständlich, ineffektiv und instabil.

 

„Wirkliche Steuerreform“

Wasser auf den Mühlen des IV-Chefs. Die Steuerreform sei eine Tarifreform ohne nachhaltige Effekte, sagt Kapsch. Allein dass die Arbeitslosigkeit in so kurzer Zeit so stark gestiegen sei, müsse zu denken geben. „Das Problem ist die Geschwindigkeit der Verschlechterung“, sagt Kapsch und fordert eine „wirkliche Steuerreform“.

Aslan Milla verweist auch auf die trügerisch niedrigen Zinsen, dank derer sich Staaten günstig verschulden und Reformen auf die lange Bank schieben können. „Niedrige Zinsen sind ein Betäubungsmittel“, warnt er.

Viele Unternehmen, so Milla, klagen über den hohen Verwaltungsaufwand. Die Lohnverrechnung sei mittlerweile eine „Geheimwissenschaft“, viele Bagatellsteuern sollten einfach gestrichen werden, sie würden vor allem zu mehr Bürokratie und nicht zu höheren Steuereinnahmen beitragen.

So pessimistisch Österreichs Konzernchefs die allgemeinen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen einschätzen, fürs eigene Unternehmen sehen sie vergleichsweise optimistisch in die Zukunft. 44 Prozent sind sogar „sehr zuversichtlich“, dass ihr Unternehmen 2016 weiter wachsen wird. Damit liegt Österreich über dem weltweiten Schnitt von 35 Prozent und weit vor Deutschland, wo nur 28 Prozent der Topmanager das eigene Unternehmen auf Wachstumskurs sehen. (gh)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.02.2016)