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Physiker messen erstmals Gravitationswellen aus dem All

(c) imago/ZUMA Press (imago stock&people)
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Forschern ist der erste direkte Nachweis von Gravitationswellen gelungen - 98 Jahre, nachdem Albert Einstein deren Existenz vorausgesagt hatte.

Eine Jahrhundertsensation der Physik: Zum ersten Mal gelang es Forschern, Gravitationswellen aus dem All zu messen. 1918, also vor fast 100 Jahren, hatte Albert Einstein diese als geheimnsivolle Kräuselung in seiner Allgemeinen Relativitästheorie vorhergesagt. Experten bezeichnen den Nachweis als eines der wichtigsten physikalischen Ereignisse in jüngerer Zeit.

Am Donnerstag präsentierten die Forscher ihre nobelpreisverdächtige Entdeckung in Washington. Zeitgleich wurden die Ergebnisse im Fachmagazin "Physical Review Letters" veröffentlicht. Der achtseitige Artikel hat mehr als tausend Autoren.

Die Forscher aus den USA und Italien machten ihre Entdeckung schon am 14. September 2015: Das Observatorium LIGO mit zwei nahezu identischen Detektoren in Hanford (US-Bundesstaat Washington) und 3.000 Kilometer davon entfernt in Livingston (US-Bundesstaat Louisiana) fing die Signatur zweier verschmelzender Schwarzer Löcher auf. Bis heute mussten die Physiker ihre Daten aber noch analysieren und auswerten, um sich ganz sicher zu sein.

Den Analysen zufolge habe sich die Verschmelzung der beiden Schwarzen Löcher in etwa 1,3 Mrd. Lichtjahren Entfernung in einem Gebiet am Südhimmel in Richtung des Sternbilds Schwertfisch ereignet. Die beiden Schwarzen Löcher hatten 29 und 36 Mal so viel Masse wie unsere Sonne.

Eine neue Ära der Astronomie

Der Nachweis bestätige nicht nur die Existenz der Gravitationswellen, sondern bedeute auch eine neue Ära in der Astronomie, betonten die Forscher. Gravitationswellen seien auch der erste Beweis, dass es Schwarze Löcher gebe. France Cordova von der US-National Science Foundation verglich die Entdeckung mit dem Moment, als Galileo Galilei im 17. Jahrhundert das erste Mal sein Fernrohr zum Himmel gerichtet habe.

Sogar für die rund 1000 beteiligten Physiker war die Entdeckung eine Überraschung: Sie hatten erst kurz zuvor ihr Experiment für mehr als 200 Millionen Dollar verbessert. Die Anforderungen an die Präzesion sind gewaltig.

Einsteins später Triumph

Gravitationswellen gehören zu den spektakulären Vorhersagen von Albert Einsteins Allgemeiner Relativitätstheorie. Jeder beschleunigte Körper - auch ein an der Ampel startender Autofahrer - sendet demnach Gravitationswellen aus. Sie sind umso stärker, je mehr Masse der Körper hat.

Auch wenn es nie Zweifel an der Existenz der Wellen gab, ist ein Nachweis schwierig: Selbst wenn Gravitationswellen von kosmischen Großereignissen wie Sternenexplosionen oder kollidierenden Schwarzen Löchern kommen, sind sie in der Regel so winzig, dass Einstein selbst nicht daran glaubte, dass man sie je messen könnte. Seit über 50 Jahren suchen Physiker einen direkten Beweis. Alle vermeintlichen Erfolgsmeldungen entpuppten sich bisher als nicht haltbar.

(APA)