So minimiert Ikea seine Steuerlast – auch in Österreich

Ikea Opens First Store in Colorado
Bloomberg

Der Möbelkonzern soll sein Firmengeflecht nutzen, um seine Steuerabgaben zu reduzieren. Die Möbelhäuser zahlen Lizenzgebühren an eine Gesellschaft in den Niederlanden.

Wenn derzeit von Steueroptimierung die Rede ist, fallen immer die gleichen Unternehmensnamen. Google, Starbucks, Apple und Ikea. Nicht zu Unrecht, wie sich jetzt herausstellt. Ein von der Grünen-Fraktion im Europaparlament am Freitag vorgelegter Bericht kommt zu dem Ergebnis, dass Ikea seine länderübergreifende Firmenstruktur auch dazu benutze, um seine Steuerabgaben in Europa massiv nach unten zu drücken, berichtet der „Standard“. So sinke die Steuerlast des schwedischen Konzerns um Hunderte Millionen Euro.

Jedes der 370 Möbelhäuser des weltgrößten Möbelhändlers muss drei Prozent seiner Verkaufserlöse an eine niederländische Gesellschaft, die Inter Ikea Systems BV, abführen. Dies erfolgt unter dem Titel für die Nutzung des Markennamens. So bezahlte die österreichische Ikea-Gesellschaft 16 Millionen für Lizenzen im Geschäftsjahr 2014. Diese Zahlungen verringern die Steuerschuld. Lizenzgebühren sind Usus im wirtschaftlichen Zusammenhang grundsätzlich nichts Außergwöhnliches.

Darlehen von Schwesterfirma

Bei Ikea wird das in den Niederlanden angehäufte Geld zum allergößten teil wieder umgehend weitergekarrt. Schgließlich muss die Inter Ikea Systems ein konzerninternen Darlehen, das man von einem anderen Ikea-Unternehmen , der Interogo in Liechtenstein erhalten hat, wieder zurückzahlen. Immerhin geht es zum die Rückzahlung von 5.4 Milliarden Euro.

Zwischen 2012 und 2014 beliefen sich die Rückzahlungen auf fast eine Milliarde Euro. Das Geld ging nicht direkt nach Liechtenstein, sondern via einer zwischengeschalteten Gesellschaft in Luxemburg, wo es mit stolzen 0,06 Prozent besteuert wird. Die Luxemburger zahlen ihrerseits eine Dividende an Interogo in Liechtenstein. Interogo ist eine Stiftung, die Dividende bleibt daher steuerfrei.

Auch in Österreich Millionen gespart

So bleibt in den Niederlanden nur wenig von den üppigen Lizenzgebühren übrig. Laut den Grünen liegt die reale Steuerquote Ikeas auf die Lizenzgebühren daher zwischen null und fünf Prozent. Der Konzern könnte sich einer Schätzung zufolge zwischen 2009 und 2014 eine Milliarde Euro an Steuern in der EU legal erspart haben, heißt es im Bericht. Für Österreich betrug die Ersparnis vier Millionen Euro.

Bei Ikea-Österreich, so der „Standard“, bestätige man die Höhe der Lizenzgebühr. Ikea Österreich hatte zuletzt einen Umsatz von 540 Millionen Euro, der Vorsteuergewinn lag bei 22 Millionen. Von Ikea gibt es keinen umfassenden Geschäftsbericht. Laut Unternehmen beliefen sich die Körperschaftsssteuern für die vergangenen fünf Jahre auf 58,75 Millionen. Ob die Lizenzzahlungen des Österreich-Ablegers von Ikea an die Inter Ikea Systems in den Niederlanden voll anerkannt werden, ist wegen des Steuergeheimnisses unbekannt.

Riegel bei Lizenzgebühren

Seit Februar 2014 dürfen in Österreich ins Ausland bezahlte Lizenzgebühren nur mehr bedingt als Betriebsausgabe geltend gemacht werden. Die "vorgesehene Steuerermäßigung" im Ausland darf nicht dazu führen, dass der reale Steuersatz dort auf weniger als zehn Prozent sinkt.

Die EU-Kommission hat zuletzt eine Reihe von Vorschlägen vorgelegt, um solches Vorgehen einzubremsen. Unternehmen müssen etwa melden, in welchem Land sie wie viele Abgaben bezahlen. Den Grünen geht der Vorschlag nicht weit genug. "Der Kommissionsvorschlag lässt große Lücken offen", sagt der österreichische Grünenabgeordnete Michel Reimon.

>> Artikel im "Standard"

(red.)