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Bernie Ecclestone: "Hitler? Er hat Dinge erledigt"

Formel 1-Chef Bernie Ecclestone
(c) REUTERS (Andrew Winning)
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Hitler sei in der Lage gewesen, "Dinge zu erledigen", sagt Bernie Ecclestone in einem Aufsehen erregenden Interview. Am Ende habe Hitler aber "die Orientierung verloren", so Ecclestone weiter.

Formel-1-Chef Bernie Ecclestone hat mit lobenden Worten über Adolf Hitler in Großbritannien für Empörung gesorgt. Er bevorzuge totalitäre Regime statt Demokratien, sagte er in einem Interview mit der britischen Zeitung "The Times" am Samstag. Adolf Hitler habe viele Menschen befehligt und sei in der Lage gewesen sei, "Dinge zu erledigen", führte er weiter aus. Er sei sich auch nicht sicher, ob der deutsche Diktator die Verbrechen der Nazis tatsächlich habe begehen wollen, sagte der 78-Jährige der Zeitung. Am Ende habe Hitler allerdings "die Orientierung verloren". Daher sei er letztlich "kein sehr guter Diktator" gewesen", erklärte Ecclestone.

Der Jüdische Weltkongress (WJC) forderte den Rücktritt von Ecclestone. Der WJC-Präsident und ehemalige US-Botschafter in Wien, Ronald Lauder, erklärte, der 78-Jährige sei nicht mehr geeignet als Chef der Formel 1. Lauder rief die Teams, Fahrer und Gastgeber-Länder der WM-Rennen dazu auf, die Zusammenarbeit aufzuheben. Seitens der Teams waren zunächst keine Reaktionen zu bekommen.

Ecclestone hatte laut der "Times" gesagt: "Vermutlich ist es schrecklich, das zu sagen, aber abgesehen von der Tatsache, dass Hitler überzeugt wurde, Dinge zu machen, von denen ich nicht weiß, ob er sie wollte oder nicht, war er in der Lage, eine Menge Menschen zu befehligen und Dinge erledigen zu können." Und: "Am Ende hat er die Orientierung verloren, also war er kein sehr guter Diktator. Entweder wusste er, was vor sich ging und bestand darauf, oder er hat sich dem einfach angeschlossen."

In dem Zeitungsinterview brachte der Formel-1-Chef zugleich seine Vorliebe für "starke Führungspersönlichkeiten" zum Ausdruck und nannte in diesem Zusammenhang die frühere britische Premierministerin Margaret Thatcher. "Wir haben zugelassen, dass es wieder bergab geht. All diese Kerle, Gordon und Tony, versuchen jedem zu gefallen", sagte er mit Blick auf den britischen Premierminister Gordon Brown und dessen Vorgänger Tony Blair.

Skeptisch zeigte sich Ecclestone gegenüber der Demokratie. Diese Regierungsform habe "in vielen Ländern nicht viel Gutes bewirkt - einschließlich in diesem", sagte er mit Blick auf Großbritannien. Der Westen habe übrigens beim Sturz des irakischen Diktators Saddam Hussein einen Fehler gemacht: "Er war der einzige, der dieses Land kontrollieren konnte."

"Eine abstoßende Moral"

Auf die Aussagen von Ecclestone reagierten Politiker und Publizisten fassungslos. "Entweder ist Herr Ecclestone ein Idiot oder er hat eine abstoßende Moral", sagte der Herausgeber der jüdischen Zeitung "Jewish Chronicle", Stephen Pollard. Der Labour-Abgeordnete und Vorsitzende eines Forschungsinstituts zum Antisemitismus, Denis MacShane, meinte: "Wenn Herr Ecclestone ernsthaft glaubt, dass Hitler dazu überredet werden musste, sechs Millionen Juden zu ermorden, jedes europäische Land zu überfallen und London zu bombardieren, dann hat er entweder von Geschichte keine Ahnung oder überhaupt kein Urteilsvermögen."

(APA/Red.)