Börsenkrise dauert weiter an

Bargeld (speziell der 500- Euro-Schein) ist ein Auslaufmodell. Das bringt E-Payment-Aktien in Schwung.
Bargeld (speziell der 500- Euro-Schein) ist ein Auslaufmodell. Das bringt E-Payment-Aktien in Schwung.Clemens Fabry
  • Drucken

Warum die Börsenkrise noch lang nicht vorüber ist, und wie Anleger am drohenden Bargeldverbotverdienen.

Die abgelaufene Woche hatte es wieder einmal in sich: eine Volatilität, wie wir sie schon sehr lang nicht mehr gesehen haben. Und am Ende der Woche standen die Kurse (trotz einer heftigen Gegenbewegung am Freitag) überall sehr deutlich tiefer als zu Wochenbeginn.

Der vorwöchige Ratschlag, dem Markt fernzubleiben, war also nicht der schlechteste. Und jetzt? Sind jetzt, da der DAX um die 9000- und der ATX um die 2000-Punkte-Marke kämpfen, endlich Einstiegskurse da?

Der Markt ist jetzt tatsächlich extrem überverkauft. Der scharfe Anstieg am Freitag war also keineswegs eine Überraschung. Er war aber auch nicht mehr als eine völlig normale Gegenreaktion auf eine kurzfristige Übertreibung. Die kann (muss aber nicht) durchaus ein paar Tage anhalten. Aber grundsätzlich hat sich am Zustand der Märkte nichts geändert.

Im Gegenteil: Die extrem hohe Volatilität ist ein ausgesprochenes Krisenzeichen. Wenn wie in der abgelaufenen Woche manche Aktien im Tagesrhythmus einmal um einen zweistelligen Prozentsatz fallen und dann wieder um einen zweistelligen Prozentsatz steigen – und dieses Spielchen öfter wiederholen, dann deutet das auf eine ziemlich große Verunsicherung hin. Das ist ein Umfeld für Profis, aber keines für Privatanleger. Der Tipp, die Hände von Aktienkäufen zu lassen, bleibt also uneingeschränkt aufrecht.

Es ist nämlich gar nicht so unwahrscheinlich, dass es nach einer Zwischenerholung noch einmal kräftig nach unten geht. Die Chartisten sehen beim DAX beispielsweise durchaus noch ein kurzfristiges Absturzpotenzial bis in die Gegend von 8300 Punkten.

Aber man muss nicht seltsame Muster in Kurskurven zeichnen, um zu solchen Ergebnissen zu kommen. Das gesamtwirtschaftliche Umfeld verdüstert sich nämlich gerade in atemberaubendem Tempo.

Und die Gefahr, dass die Finanzkrise wieder auflebt, ist durchaus nicht von der Hand zu weisen. Einen deutlichen Hinweis darauf liefert die jüngste Rallye des Goldpreises.

Gold korreliert derzeit sehr auffällig mit den Aktien- und Ölnotierungen. Fallen Aktien und Öl, bekommt der Goldpreis einen starken Aufwärtsdrang – und umgekehrt.

Die Zwischenerholung des Goldpreises hat auf dem Aktienmarkt aber noch andere Spuren hinterlassen: Während die Katerstimmung allgemein groß ist (der DAX hat von seinem Vorjahreshoch immerhin schon fast ein Drittel verloren) läuft eine in den vergangenen Jahren ziemlich niedergeprügelte Kategorie von Aktien von Hochstand zu Hochstand: Goldminenaktien. Barrick Gold(ISIN CA0679011084) beispielsweise, einer der großen Goldproduzenten, hat innerhalb eines Monats um 46 Prozent zugelegt. Wer vor drei Monaten Barrick Gold gekauft hätte, wäre jetzt schon um 64 Prozent reicher.

Goldminenaktien, die nach der langen Goldflaute krass unterbewertet waren, haben aber durchaus noch Potenzial. Und zwar kein geringes: Sie reagieren viel stärker als der Goldpreis selbst.

Minenaktien sind also sozusagen eine leicht gehebelte Wette auf den Goldpreis. Die allerdings auch in die andere Richtung losgehen kann, wenn sich Aktien wieder erholen.

Dass die Krise tiefer ist, als man uns weismachen will, zeigt die an Intensität gewinnende Diskussion um die Bargeldabschaffung. Dieser Trend macht allerdings Aktien von Unternehmen sehr interessant, die sich im weiten Feld der elektronischen Zahlungssysteme tummeln.

Das deutsche Anlegermagazin „Der Aktionär“ hat vor Kurzem ein Anti-Bargelddepot zusammengestellt, in dem sich Kreditkartenfirmen wie die hier schon öfter besprochenen Visa(ISIN US92826C8394) und Mastercard (ISIN US57636Q1040) ebenso wie der Chiphersteller NXP(ISIN NL0009538784), der Hardware für Near-Field-Communication-Zahlungssysteme herstellt, oder den französischen E-Payment-Spezialisten Ingenico(ISIN FR0011912872) finden.

Allen diesen Unternehmen tun sich schöne Geschäftsfelder auf, denn auch wenn das Bargeld nicht so schnell abgeschafft wird, weisen elektronische Überweisungen und Zahlungsvorgänge ein sehr starkes Wachstum auf.

Aber auch diese Unternehmen bewegen sich natürlich im derzeit schwachen und volatilen Börsenumfeld. Man kann sie also auf die Beobachtungsliste setzen – aber für echte Investments ist die Börse derzeit zu gefährlich.

josef.urschitz@diepresse.com/money

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.02.2016)

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.