Spaßfaktor in der Politik

Was Fast-, Noch-, Ex- und Möchtegernkanzler so treiben, hat durchaus Unterhaltungswert.

Politik ist so öd“, meldet ein „Presse“-Leser per Mail. Wie bitte? Gerade im Moment stimmt das doch gar nicht! Lassen wir also die lustigeren Ereignisse der vergangenen Tage Revue passieren: Da wünscht sich Hans Dichand plötzlich zwei Prölls an der Spitze des Staates, während sich der junge Pröll eher nur einen vorstellen kann, nämlich sich selbst als Regierungschef. Da wird ein ehemaliger Kanzler, der selbst einmal einen „Brief an die Krone“ mitverfasst hat, ausgerechnet Berater der Westdeutschen Allgemeinen Zeitungsgruppe, kurz WAZ, Dichands Hauptfeindin und „Krone“-Hälfteeigentümerin. Alfred Gusenbauer scheidet damit nach nur einem halben Jahr aus der NÖ-Arbeiterkammer aus, in die er zurückkehrte, weil die SPÖ keine Verwendung mehr für ihn hatte, er aber eine Sozialversicherung benötigte.

Die Spitze der stolzen Sozialdemokratie schart sich bereits um ihr neues Idol: Eva Dichand feierte letzten Mittwoch Eröffnung im neuen Newsroom ihres Gratisblattes – samt Faymann und Häupl, die dafür eine Verspätung beim eigenen Kanzlerfest riskierten. Man muss eben Prioritäten setzen. Das dachten sich wohl auch die beiden roten Robin Hoods, Erich Haider und Franz Voves, als sie ihre Parteigelder steuerschonend in Stiftungen parkten – in der Steiermark noch dazu unter dem Titel „gemeinnützig“. Seit letzter Woche steht amtlich fest, dass Wahlwerbung – wenig überraschend – eher nicht gemeinnützig ist, die steirische SPÖ wird daher zu einer Steuernachzahlung verdonnert. Eine „Bagatelle“, wie Stiftungsvorstand und Ex-Landes-SPÖ-Chef Peter Schachner-Blazizek meint. Nun ja.

Interessant ist auch, dass es ausgerechnet bei den sogenannten GrünInnen besonders viel Buben-Nachwuchs gibt: Eva Glawischnig hat gerade ihren zweiten Sohn geboren.

Den größten Aufreger liefert aber natürlich die Lokalpolitik: Die Wiener Stadtverwaltung hat beschlossen, das Essen und Trinken in der U-Bahn weiter zu erlauben, obwohl eine Umfrage zeigt, dass die Bevölkerung das nicht goutiert. Döner und Bier bleiben uns damit erhalten – inklusive am Boden herumrollender Dosen zu später Stunde. Aber selbst darin ist eine kleine Groteske versteckt: Alkohol in der U-Bahn ist nämlich in Wahrheit längst verboten, Missbrauch wird nur nicht geahndet. Die klassische österreichische Lösung halt – und insgesamt genügend Stoff für spaßige politische Debatten, nicht?

martina.salomon@diepresse.comdiepresse.com/salomonisch

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.07.2009)

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.