Nachrichten Meinung Magazin
Lance Armstrong

Eine Karriere im Schatten von Dopingvorwürfen

Im Kampf gegen die US-Anti-Doping-Behörde verzichtete Armstrong auf eine Verhandlung und akzeptierte eine lebenslange Sperre sowie die Aberkennung seiner Titel.
02.01.2017 um 17:43
  • Drucken
Hauptbild • (c) Reuters (Charles Platiau)
Lance Armstrong verzichtet auf ein Verfahren gegen die US-Anti-Doping-Agentur. Er wird lebenslang gesperrt, alle seine sieben Tour-Titel werden dem Amerikaner aberkannt. Doch Armstrong entgeht einer offiziellen Verurteilung als Dopingsünder. Seit Jahren ranken sich Gerüchte und Vorwürfe gegen den mittlerweile 40-Jährigen.
Lance Armstrong verzichtet auf ein Verfahren gegen die US-Anti-Doping-Agentur. Er wird lebenslang gesperrt, alle seine sieben Tour-Titel werden dem Amerikaner aberkannt. Doch Armstrong entgeht einer offiziellen Verurteilung als Dopingsünder. Seit Jahren ranken sich Gerüchte und Vorwürfe gegen den mittlerweile 40-Jährigen.
(c) REUTERS/Lucas Jackson
In einem neu aufgerollten Verfahren hatte die USADA Armstrong gemeinsam mit vier weiteren Wegkollegen ins Visier genommen. Die Anklage lautete Doping und Handel mit illegalen Substanzen.
In einem neu aufgerollten Verfahren hatte die USADA Armstrong gemeinsam mit vier weiteren Wegkollegen ins Visier genommen. Die Anklage lautete Doping und Handel mit illegalen Substanzen.
(c) REUTERS (© Reuters Photographer / Reuters)
Mit einer Anklageschrift versuchte Armstrong mit seinem Anwaltsteam der USADA die Sanktionsbefugnis gegen ihn zu entziehen. Ein Gericht in Austin wies die Klage ab und erklärte die Untersuchung der Behörde für rechtens.
Mit einer Anklageschrift versuchte Armstrong mit seinem Anwaltsteam der USADA die Sanktionsbefugnis gegen ihn zu entziehen. Ein Gericht in Austin wies die Klage ab und erklärte die Untersuchung der Behörde für rechtens.
(c) AP (Christophe Ena)
Damit war Armstrongs Schicksal besiegelt. Bei einer Verhandlung vor einem Schiedsgericht wurden ihm nur minimale Chancen zugerechnet - von 60 Fällen gewann die USADA 58. Somit entschied er sich zum Verzicht und akzeptierte die Strafen. Damit setzte der Amerikaner ein weiteres Kapitel in seine ohnehin bunte Karriere.
Damit war Armstrongs Schicksal besiegelt. Bei einer Verhandlung vor einem Schiedsgericht wurden ihm nur minimale Chancen zugerechnet - von 60 Fällen gewann die USADA 58. Somit entschied er sich zum Verzicht und akzeptierte die Strafen. Damit setzte der Amerikaner ein weiteres Kapitel in seine ohnehin bunte Karriere.
(c) REUTERS (LUCAS JACKSON)
Mittlerweile startet Armstrong im Triathlon. Im Herbst 2008 gab der siebenfache Tour de France-Sieger noch ein Comeback im Radsport. Seine Rückkehr in den dopingverseuchten Radsport wurde damals zwiespältig aufgenommen. Denn seine Erfolge standen immer auch im Schatten von Dopinggerüchten.
Mittlerweile startet Armstrong im Triathlon. Im Herbst 2008 gab der siebenfache Tour de France-Sieger noch ein Comeback im Radsport. Seine Rückkehr in den dopingverseuchten Radsport wurde damals zwiespältig aufgenommen. Denn seine Erfolge standen immer auch im Schatten von Dopinggerüchten.
(c) EPA (Franck Fife)
Als Armstrong 1999 den ersten seiner sieben Tour de France-Siege feierte, wurde er nach dem Doping-Skandal beim Team Festina als Retter des Radsports gefeiert.Zehn Jahre später hat sich dieses Bild jedoch geändert. "Mittlerweile sieht man ihn eher als dessen Totengräber, und daran würde gewiss auch der unwahrscheinliche Fall eines achten Tour-Sieges nichts ändern", schreibt die "Zeit".
Als Armstrong 1999 den ersten seiner sieben Tour de France-Siege feierte, wurde er nach dem Doping-Skandal beim Team Festina als Retter des Radsports gefeiert.Zehn Jahre später hat sich dieses Bild jedoch geändert. "Mittlerweile sieht man ihn eher als dessen Totengräber, und daran würde gewiss auch der unwahrscheinliche Fall eines achten Tour-Sieges nichts ändern", schreibt die "Zeit".
(c) Reuters (Alessia Pierdomenico)
"Als er sein Comeback bekanntgab, wusste ich: Das war's", sagt auch der dreifache Tour de France-Sieger Greg LeMond im "Spiegel".LeMond fühlt sich auch als Opfer. Als einer der wenigen, der Zweifel an Armstrong sät, musste er eine Kündigung eines Lizenzvertrages durch Radhersteller Trek hinnehmen, der auch Armstrong und sein Team ausrüstet. Armstrong ist Treks wichtigster Werbeträger. LeMond hat Trek deshalb verklagt.
"Als er sein Comeback bekanntgab, wusste ich: Das war's", sagt auch der dreifache Tour de France-Sieger Greg LeMond im "Spiegel".LeMond fühlt sich auch als Opfer. Als einer der wenigen, der Zweifel an Armstrong sät, musste er eine Kündigung eines Lizenzvertrages durch Radhersteller Trek hinnehmen, der auch Armstrong und sein Team ausrüstet. Armstrong ist Treks wichtigster Werbeträger. LeMond hat Trek deshalb verklagt.
(c) AP (Michael Dwyer)
Der deutsche Radprofi Jens Voigt jedenfalls verteidigt Armstrong: "Entweder gibt es was schwarz auf weiß - oder nicht. Und dann lasst ihn in Ruhe. Wir können nicht ewig im Gestern leben".Aufgrund seines "Livestrong"-Engagements (Livestrong ist Armstrongs Krebs-Initiative) sei er "moralisch unangreifbar", meint Voigt in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".
Der deutsche Radprofi Jens Voigt jedenfalls verteidigt Armstrong: "Entweder gibt es was schwarz auf weiß - oder nicht. Und dann lasst ihn in Ruhe. Wir können nicht ewig im Gestern leben".Aufgrund seines "Livestrong"-Engagements (Livestrong ist Armstrongs Krebs-Initiative) sei er "moralisch unangreifbar", meint Voigt in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".
(c) AP (Christophe Ena)
Auf Kritik reagiert Armstrong jedenfalls wenig entspannt. "Seine Rückkehr ist nicht unbedingt hilfreich für die Glaubwürdigkeit des Radsports", hatte es der deutsche Linus Gerdemann gewagt, die Radsport-Ikone anzuzweifeln.Armstrongs Reaktion folgte prompt: "Wer überhaupt ist Gerdemann? Er sollte sich wünschen, in einer Ausreißergruppe lieber nicht mit mir zusammen zu fahren, denn ich kann noch verdammt schnell fahren."
Auf Kritik reagiert Armstrong jedenfalls wenig entspannt. "Seine Rückkehr ist nicht unbedingt hilfreich für die Glaubwürdigkeit des Radsports", hatte es der deutsche Linus Gerdemann gewagt, die Radsport-Ikone anzuzweifeln.Armstrongs Reaktion folgte prompt: "Wer überhaupt ist Gerdemann? Er sollte sich wünschen, in einer Ausreißergruppe lieber nicht mit mir zusammen zu fahren, denn ich kann noch verdammt schnell fahren."
(c) Reuters (Ina Fassbender)
Was er damit meinte, ist Radsport-Insidern klar. Er spielte auf den Italiener Filipe Simeoni (im Bild, bei der Österreich-Tour 2009) an. Dieser hatte 1999 in einem Prozess gegen den wegen Dopings in Verruf geratenen Sportarzt Michele Ferrari ausgesagt, mit dem auch Armstrong zusammenarbeitete. Rasch wurde Simeoni von Armstrong attackiert. Der Italiener sei ein "Lügner", Ferrari hingegen ein "Ehrenmann".
Was er damit meinte, ist Radsport-Insidern klar. Er spielte auf den Italiener Filipe Simeoni (im Bild, bei der Österreich-Tour 2009) an. Dieser hatte 1999 in einem Prozess gegen den wegen Dopings in Verruf geratenen Sportarzt Michele Ferrari ausgesagt, mit dem auch Armstrong zusammenarbeitete. Rasch wurde Simeoni von Armstrong attackiert. Der Italiener sei ein "Lügner", Ferrari hingegen ein "Ehrenmann".
(c) Gepa (Markus Oberländer)
Bei der Tour 2004 demütigte Lance Armstrong, der Mann in Gelb, den italienischen Außenseiter. Als dieser mit einer Gruppe ausriss, um einen Etappensieg zu erringen, fuhr Armstrong nach, um einen Sieg zu verhindern."Du hättest nicht gegen Ferrari aussagen sollen, ich habe Geld und Zeit, ich werde deine Karriere zerstören", soll Armstrong laut Simeoni ihm von Rad zu Rad zugeschrien haben.
Bei der Tour 2004 demütigte Lance Armstrong, der Mann in Gelb, den italienischen Außenseiter. Als dieser mit einer Gruppe ausriss, um einen Etappensieg zu erringen, fuhr Armstrong nach, um einen Sieg zu verhindern."Du hättest nicht gegen Ferrari aussagen sollen, ich habe Geld und Zeit, ich werde deine Karriere zerstören", soll Armstrong laut Simeoni ihm von Rad zu Rad zugeschrien haben.
(c) Reuters (Jean-Paul Pelissier)
Zweifel an der Sauberkeit von Lance Armstrong sind jedenfalls gut begründet. 2005, nachdem Armstrong die Tour zum siebenten Mal gewonnen hatte, veröffentlichte die französische Zeitung "L'Equipe" einen Bericht, wonach in sechs Urinproben von Armstrong bei der Tour 1999 Spuren des Blutdopingmittels Epo gefunden wurden.Armstrong sprach von "purem Skandaljournalismus" und einer "Hexenjagd".
Zweifel an der Sauberkeit von Lance Armstrong sind jedenfalls gut begründet. 2005, nachdem Armstrong die Tour zum siebenten Mal gewonnen hatte, veröffentlichte die französische Zeitung "L'Equipe" einen Bericht, wonach in sechs Urinproben von Armstrong bei der Tour 1999 Spuren des Blutdopingmittels Epo gefunden wurden.Armstrong sprach von "purem Skandaljournalismus" und einer "Hexenjagd".
(c) AP (Peter Dejong)
Als Ärzte Lance Armstrong 1996 nach der Diagnose Hodenkrebs fragten, ob er jemals leistungssteigernde Drogen genommen habe, antwortete er: Epo, Wachstumshormon, Kortison, Steroide und Testosteron.Das behaupten zumindest Armstrongs Ex-Kollege Frankie Andreu und seine Frau Betsy, wie "Spiegel" berichtet.
Als Ärzte Lance Armstrong 1996 nach der Diagnose Hodenkrebs fragten, ob er jemals leistungssteigernde Drogen genommen habe, antwortete er: Epo, Wachstumshormon, Kortison, Steroide und Testosteron.Das behaupten zumindest Armstrongs Ex-Kollege Frankie Andreu und seine Frau Betsy, wie "Spiegel" berichtet.
(c) AP (Alessandro Trovati)
Warum aber tat sich Armstrong das alles im Alter von 37 Jahren noch einmal an?Offiziell - und das betonte Armstrong immer wieder - geht es ihm um "Livestrong", seine Initiative zur Förderung zur Krebsforschung. 260 Millionen Euro hat diese seit ihrer Gründung eingebracht. Seit seinem Comeback floss noch mehr Geld. Livestrong-Armbändchen fanden reißenden Absatz.
Warum aber tat sich Armstrong das alles im Alter von 37 Jahren noch einmal an?Offiziell - und das betonte Armstrong immer wieder - geht es ihm um "Livestrong", seine Initiative zur Förderung zur Krebsforschung. 260 Millionen Euro hat diese seit ihrer Gründung eingebracht. Seit seinem Comeback floss noch mehr Geld. Livestrong-Armbändchen fanden reißenden Absatz.
(c) Reuters (Eric Gaillard)
Jonathan Vaughters, Leiter des US-Rennstall Garmin-Slipstream, glaubte die eigentlichen Gründe für das Comeback zu wissen: "Lance hat einfach den Wettbewerb vermisst."
Jonathan Vaughters, Leiter des US-Rennstall Garmin-Slipstream, glaubte die eigentlichen Gründe für das Comeback zu wissen: "Lance hat einfach den Wettbewerb vermisst."
(c) AP (Alessandro Trovati)
Angeblich wollte Armstrong in die Politik. Ein realistisches Ziel: Während sein Image in Europa angekratzt ist, gilt er in den USA großteils weiterhin als siebenfacher Tour de France-Sieger, dem kein Makel anhaftet. Am Ende führte in sein Weg jedoch in den Triathlon.
Angeblich wollte Armstrong in die Politik. Ein realistisches Ziel: Während sein Image in Europa angekratzt ist, gilt er in den USA großteils weiterhin als siebenfacher Tour de France-Sieger, dem kein Makel anhaftet. Am Ende führte in sein Weg jedoch in den Triathlon.
(c) AP (Harry Cabluck)
3,6 Millionen Twitter-Follower hat Armstrong.Warum er twittert? "Auf Twitter, das bist nur du selbst, dort kannst du nicht falsch zitiert werden", sagt er. Sein "offizielles Statement" zur Causa: "Genug ist genug. Diese Charade der USADA ist eine Schande."
3,6 Millionen Twitter-Follower hat Armstrong.Warum er twittert? "Auf Twitter, das bist nur du selbst, dort kannst du nicht falsch zitiert werden", sagt er. Sein "offizielles Statement" zur Causa: "Genug ist genug. Diese Charade der USADA ist eine Schande."
(c) AP (Antonio Calanni)

Zum „Das Wichtigste des Tages“ Newsletter anmelden

Die Presse

Der einzigartige Journalismus der Presse. Jeden Tag. Überall.

Abonnieren

  • Impressum
  • Alternative Streitbeilegung
  • AGB
  • Datenschutz
  • Cookie Policy
  • Cookie Einstellungen
  • Vermarktung
  • Hilfe, Kontakt & Service
  • Newsletter
Copyright 2023 Die Presse

Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.