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Studenten sollen von Unis an die FH

MITTERLEHNER
(c) APA/HELMUT FOHRINGER
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Wissenschaftsminister Mitterlehner stellt das Studienangebot auf den Prüfstand. BWL könnte künftig an Fachhochschulen gelehrt werden. Die Unis würden sich Luxusfächer leisten.

Wien. Wissenschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) ist nicht ganz zufrieden, was das Fächerangebot an den heimischen Hochschulen angeht. „Ich wage zu bezweifeln, dass es optimal ist“, sagte er gestern vor Journalisten. Er will mehr Effizienz und stellt daher das Angebot auf den Prüfstand. Bis 2017 sollen die Unis ihre Fächer sowohl untereinander als auch mit den Fachhochschulen (FH) abgleichen. Ein zentrales Ziel: Studenten sollten von den Unis an die Fachhochschulen verlagert werden.

Als Argument dafür bringt der Minister den Vergleich mit Bayern und der Schweiz: Während dort jeweils mehr als ein Drittel der Studenten an Fachhochschulen eingeschrieben sind – in der Schweiz sogar fast vier von zehn –, studieren laut Wissenschaftsressort in Österreich lediglich 13,1 Prozent der insgesamt rund 350.000 Studenten an einer Fachhochschule.

Geht es nach Mitterlehner, sollen vor allem wirtschafts- und unternehmensnahe Fächer verstärkt von Fachhochschulen angeboten werden: „Bei BWL würde nichts dagegen sprechen.“ Auch bei Rechtswissenschaften werde man das diskutieren müssen – die Sachlage sei aber komplizierter. „Jus gehört einfach zu den universitären Grundfakultäten dazu.“ Letztlich hänge es aber von der Qualität ab. An den Unis sollen so Kapazitäten für die Forschung freigespielt werden.

Die Fachhochschulen – die vor einem Jahr vorschlugen, einige berufsorientierte Fächer, darunter Jus, zu übernehmen – sind offen. Dafür werden sie sich wohl von einigen anderen Forderungen verabschieden müssen: Doktorat und Geld für Grundlagenforschung werde es für die Fachhochschulen nicht geben, betonte der Minister gestern: Jeder Hochschulbereich müsse sich auf seine Stärken konzentrieren.

 

„Engpässe versus Luxusfächer“

Davon, Studienfächer zu streichen, will Mitterlehner vorerst nicht sprechen („Wir wollen keine Streichorgie“). Allerdings wird der Prozess des Fächerabgleichs letztlich wohl darauf hinauslaufen, dass das eine oder andere Studium nicht mehr am bisherigen Standort oder in der bisherigen Form angeboten wird.

Dass die Ressourcen derzeit nicht wirklich bestmöglich genutzt werden, zeige sich unter anderem in der Auslastung der Fächer: Während die 20 beliebtesten Studien pro Jahr auf 40.700 Anfänger kommen, sind es bei den 20 am wenigsten inskribierten nur 230 (siehe Grafik). „In einigen Fächern haben wir Engpässe, in anderen Bereichen leisten wir uns Luxusfächer“, sagte der Minister. Man werde über Kooperationen nachdenken müssen. „Wenn in Klagenfurt in Mathematik zwölf Plätze nachgefragt werden, muss man fragen, ob es nicht möglich ist, das gemeinsam mit steirischen Unis anzubieten.“

(c) Die Presse

Die Durchlässigkeit innerhalb eines Studienfachs sei ein weiteres Thema. Derzeit gebe es oft Probleme, wenn Studenten an eine andere Hochschule wechseln wollen. So sei es kaum möglich, als Medizinstudent von Innsbruck nach Wien oder als angehender Jurist von Graz nach Salzburg zu wechseln. Aufgrund der Uni-Autonomie habe sich ein zersplittertes Angebot entwickelt. Mitterlehner wünscht sich hier deutlich bessere Abstimmung.

Die Universitäten begrüßen die Initiative. Sie haben selbst bereits einen Fächerabgleich angekündigt. Das sei eine der Hausaufgaben der Unis, meinte Rektorenchefin Sonja Hammerschmid kürzlich.

 

Fusionen nicht ausgeschlossen

Dieser Strategieprozess soll die Basis für die Studienplatzfinanzierung sein, die zuletzt verschoben wurde. Der Grund, grob gesagt: Bevor die Finanzierung auf neue – und deutlich teurere – Beine gestellt werde, müsse man sich das System genauer anschauen. Er wolle nicht einfach mehr Geld „ins System hineinschütten“, sagte Mitterlehner. Dieses müsse auch effizienter werden.

Die Zahl der Unis will er übrigens nicht infrage stellen. „Da würden wir das Pferd von hinten aufzäumen.“ Ausschließen will er die vom Wissenschaftsrat in der „Presse“ angestoßenen Uni-Fusionen jedoch nicht. Unter Umständen könne das am Schluss herauskommen.

AUF EINEN BLICK

Zukunft Hochschule. Unter diesem Titel soll bis 2017 das Fächerangebot an Universitäten und Fachhochschulen auf den Prüfstand gestellt werden. Konkret soll das Angebot zwischen einzelnen Unis sowie zwischen Unis und Fachhochschulen abgeglichen werden. Thematisch will man sich vor allem den Lebenswissenschaften, den Geisteswissenschaften und der Informatik widmen. Weiterer Schwerpunkt: Die Durchlässigkeit zwischen den einzelnen Hochschulen sowie zwischen Unis und Fachhochschulen soll erleichtert werden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.02.2016)