Deutsche Bank: „Wir werden gegen die ÖBB gewinnen“

(c) Die Presse (Michaela Bruckberger)
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Der deutsche Marktführer will Österreichs größte Investmentbank werden. Mit der ÖBB ist man - wegen angeblicher Fehlberatung bei Spekulationsgeschäften - in einen Rechtsstreit verwickelt.

Wien. Zwischen der Ersten Bank und der Deutschen Bank könnte es schon bald eine Auseinandersetzung vor Gericht geben. „Wir prüfen eine Klage“, sagte zuletzt ein Sprecher der Ersten. Dabei geht es um umstrittene Geschäfte mit Bwin-Aktien. Ein Investor soll sie im großen Stil auf Pump gekauft und im Kreis geschickt haben, um den Kurs hoch zu halten. Als es mit den Börsen bergab ging, blieb die Erste Bank auf dem Paket und einem Schaden von 100 Mio. Euro sitzen. Nun fordert sie die in die Causa verwickelte Deutsche Bank auf, einen Teil des Schadens zu übernehmen.

„Wir sind dazu mit der Ersten im Gespräch“, sagt der Österreich-Chef der Deutschen Bank, Wilfried Amanshauser, im „Presse“-Gespräch. „Möglicherweise werden wir uns außergerichtlich einigen können. Es hat keine Marktmanipulation mit Bwin-Aktien durch Mitarbeiter unseres Hauses gegeben.“ Ein Strafverfahren wegen Insiderhandels habe mit einem Freispruch geendet.

Übrig geblieben sei nur der Vorwurf, dass Mitarbeiter durch die Entgegennahme von Orders die Marktmanipulation des Investors erleichtert haben sollen. „Doch auch hier werden wir recht bekommen“, zeigt sich Amanshauser überzeugt.

Seit 20 Jahren in Wien

Auch mit den ÖBB ist die Deutsche Bank in einen Rechtsstreit verwickelt, wegen angeblicher Fehlberatung bei Spekulationsgeschäften. Das Handelsgericht Wien hat die Klage der ÖBB in erster Instanz abgewiesen. „Daran wird sich auch in der zweiten Instanz nichts ändern“, glaubt Amanshauser. Beide Auseinandersetzungen seien bedauerliche Einzelfälle, aber angesichts der Größe der Bank nichts Ungewöhnliches.

Die Deutsche Bank feiert heuer in Österreich ihr 20-jähriges Bestandsjubiläum. Von Wien aus bearbeitet Deutschlands größtes Kreditinstitut die angrenzenden Märkte in Zentral- und Osteuropa.

Die Österreich-Tochter ist mit einem verwalteten Vermögen von rund sieben Mrd. Euro zu einem der größten Anbieter für vermögende Privatkunden und Stiftungen aufgestiegen. Das Mindestvermögen für Neukunden liegt bei einer Million. Im Firmenkundengeschäft geht es vor allem um Handelsfinanzierungen und Cash-Management. Die Deutsche Bank wickelt für 200 Topkonzerne in Österreich den internationalen Zahlungsverkehr ab. „Österreichische Banken sind auf Osteuropa spezialisiert. Wir haben den Vorteil, dass wir über ein weltweites Netzwerk verfügen“, so Amanshauser.

Aktienhandel abgezogen

Der Handel mit österreichischen Wertpapieren wurde hingegen von Wien abgezogen und Frankfurt und London übertragen. Davon waren in Wien weniger als ein Dutzend Mitarbeiter betroffen. „Es geht keineswegs um einen Rückzug aus diesem Geschäftsfeld“, versichert der Banker: „Die jüngsten Statistiken zeigen, dass wir sogar einer der größten Akteure im Wiener Aktienhandel sind.“ Von Frankfurt und London aus könne man einen besseren Service bieten.

Wachstumschancen sieht Amanshauser in Österreich vor allem im Investmentbanking. Hier war die Deutsche Bank zuletzt an großen Transaktionen beteiligt. Im Mai wurde für die Kommunalkredit eine Anleihe in der Höhe von 1,5 Mrd. Euro platziert. Die Raiffeisen Zentralbank hat ebenfalls zwei Milliardentransaktionen über die Deutsche Bank platzieren lassen.

Ergebniszahlen für die Österreich-Tochter veröffentlicht die Deutsche Bank nicht im Detail. Nur so viel: „Wir haben in der Vergangenheit im Schnitt ein Wachstum der Betriebserträge von 13 Prozent pro Jahr erreicht“, sagt Amanshauser. Seine Zielvorgabe für die nächsten Jahre lautet, die Position bei den Privatkunden weiter auszubauen und zur Nummer eins im österreichischen Investmentbanking aufzusteigen.

Auf einen Blick

Die Deutsche Bank ist seit 20 Jahren hierzulande aktiv. Sie verwaltet Privatvermögen von rund sieben Milliarden Euro.

Mit den ÖBB streiten die Deutschen aufgrund misslungener Spekulationen vor Gericht. Auch mit der Ersten Bank gibt es Zwist.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.07.2009)

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