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Pop

Kulturhauptstadt Linz09 im Romantikhafen

(c) APA
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Utopie für wenig Besucher: Das „Linz Europa Hafenfest“ mit Hubert von Goisern. Zwei Sommer lang war er als Kulturhauptstadt-Botschafter zwischen Schwarzem Meer und Nordsee unterwegs.

Eine schöne Utopie: Zwei Sommer am Fluss, mit einem Schiff die Donau und andere Ströme Europas entlang, dabei Musik, die die Welt oder zumindest doch Europa verbindet. Hubert von Goisern hat diese Utopie gelebt, gefördert und promoted von Linz09 einerseits und Red Bull andererseits. Zwei Sommer lang, auf Flüssen schippernd, war er als Kulturhauptstadt-Botschafter zwischen Schwarzem Meer und Nordsee unterwegs.

Einige seiner musikalischen Partner auf dieser Reise kamen am vergangenen Wochenende auch zum dreitägigen „Linz Europa Hafenfest“, das als großes Finale der Reise angekündigt worden war und auch dem Selbstverwirklichungstrip auf dem Schiff – laut Goisern der größte Kraftaufwand, aber auch die größte Erfüllung seiner Karriere – ein Ende setzte.

 

„Unlängst in Schweden gewesen“

In der Goisern'schen Utopie hat alles Platz: Da steht am ersten Tag des Hafenfests mit dem deutschen Singer/Songwriter Philipp Poisel einer auf der Bühne, der seine Geschichten mit Sätzen wie: „Ich bin unlängst in Schweden unterwegs gewesen, da lernte ich einen Pastor kennen“, beginnt. Er singt von der unerwiderten Liebe zur Pastorentochter, von der „Eisenbahn“, die durch „unbekanntes Land“ fährt, von wunderbaren Mädchen „mit sonnengelbem Haar“. Vor der Bühne stehen da nur ein paar hundert Hafenfest-Besucher. Die MS Stadt Wien, aktuelles Wohnschiff der Musiker, liegt dahinter vor Anker, der Ort des Fests, eine bis dahin als als Modellflugplatz genutzte Landzunge im Hafen von Linz, im regenfeuchten Dunst dieses Sommers.

Später träumt die bulgarische Brass-Band Karandila vom menschlichen Sozialismus, Hubert von Goisern überbrückt die Wartezeit auf die nächste Band mit Erzählungen von der Idee der Begegnung durch die Musik, vom Leben auf dem Schiff, vom Regen, von den Behörden und davon, wie dann doch alles geklappt habe. Dann, als Saxofonist Klaus Doldinger seinen Hit „Das Boot“ als Hommage auf Goiserns Schiffsreise spielt und mit diesem ein heiteres Vokal-Saxofon-Duo bildet, zählt die Polizei immerhin schon 1800 Gäste (die Veranstalter sagen, es seien 3000 gewesen).

Am Samstag ist von Beginn an immerhin ein Großteil der Ränge im Sitzbereich gefüllt. Die rumänische Pop-Prinzessin Loredana Groza, die ukrainischen Ska-Proleten von Haydamaki, die Kölner Altrocker von BAP, Haindling (bekannt durch „Du Depp“) und vor allem Hubert von Goisern verwirklichen ihren Traum von der Fusion der Stile, Rhythmen und Stimmen auf der Bühne. Jeder spielt ein bisschen mit jedem: BAP zum Beispiel mit Goisern („Rita“), Loredana Groza improvisiert, man hört von Goisern ein Cover von „Hasta siempre comandante Che Guevara“, eine Mundartversion von Janis Joplins „Mercedes Benz“, aktuelle Nummern wie „Haut und Haar“, auch immer wieder alte Hadern wie „Weit, weit weg“. Am Sonntag sollten noch Xavier Naidoo, Stelzhamma, Willi Resetarits & Stubnblues oder Konstantin Wecker dazukommen.

Die Ethno-Romantik-Show wurde ein schönes Fest für ihr gesetzt-alternatives Publikum. Mehr nicht. Denn sie blieb ein Minderheitenprogramm. Zur gleichen Zeit, als Hubert von Goisern in den Hafen lud, empfing die deutsche Punkrock-Band „Die Ärzte“ an zwei Konzertabenden (Freitag, Samstag) auf der Linzer Gugl über 50.000 Besucher. Welche Musik sie verbindet, das suchen sich nicht nur die Völker eben selber aus.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.07.2009)