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156 Tote bei Unruhen: China beschuldigt Exil-Uiguren

(c) Reuters
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Bei Unruhen in der von muslimischen Uiguren bewohnten Region Xinjiang sind mindestens 156 Menschen getötet worden. Mehr als 800 Menschen wurden verletzt. China macht Exil-Uiguren verantwortlich.

Ausschreitungen zwischen chinesischen Sicherheitskräften und Angehörigen der muslimischen Uiguren-Minderheit in der Provinz Xinjiang: Nach Berichten staatlicher Medien sind am Sonntag Abend mindestens 156 Menschen ums Leben gekommen. Wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua am Montag berichtete, wurden knapp 830 Menschen verletzt und hunderte festgenommen, darunter auch mehr als zehn Anführer der Proteste. Nach 90 weiteren werde gesucht. Die Zahl der Todesopfer steige weiter, meldete Xinhua unter Berufung auf örtliche Behördenvertreter.

Nach Berichten von Augenzeugen dürften sich die Proteste am Montag auf eine zweite Stadt ausgeweitet haben. Ein Bewohner der Nahe der Grenze zu Kirgistan liegenden Oasenstadt Kashgar sagte, er sei einer von 300 Teilnehmern einer Demonstration vor der Id-Kah-Moschee. Die Menge sei von der Polizei umzingelt. "Wir haben uns angeschrien, aber es gab keine Zusammenstöße, keinen körperlichen Kontakt", sagte der Mann, der sich Yagupu nannte.

China beschuldigt Exil-Uiguren

Die chinesischen Behörden gingen am Sonntag Abend hart gegen die Demonstranten vor und wollen heute auch schon die Schuldige für die Ausschreitungen ausgemacht haben: die von China als "Terroristin" verteufelte, in den USA lebende Uigurenführerin Rabiya Kadeer. Erste Untersuchungen hätten ergeben, dass die Unruhen vom "separatistischen Weltkongress der Uiguren unter Rabiya Kadeer" geplant worden seien, teilte die Regionalregierung der Unruheprovinz Xinjiang am Montag mit.

Kadeer machte ihrerseits Peking verantwortlich, weil die Regierung weiter mit aller Härte gegen Minderheiten vorgehe und ihre Politik der Zwangsassimilierung fortsetze. Der Konflikt habe einen kritischen Punkt erreicht, und China müsse nun handeln, um die Uiguren-Frage zu lösen, hieß es in ihrer Erklärung.

Friedliche Demonstration eskalierte

Ausgangspunkt der jüngsten Unruhen war eine offenbar zunächst friedliche Demonstration von Uiguren am Sonntag, in dem sie Aufklärung im folgenden Fall forderten: Am 25. Juni waren Uiguren in einer großen Spielzeugfabrik in Shaoguan in Südchina angegriffen worden, nachdem Gerüchte kursiert waren, dass Angehörige der muslimischen Minderheit zwei Chinesinnen vergewaltigt hätten. Zwei Uiguren starben damals - festgenommen wurde bisher nur ein Mann, der die Gerüchte damals im Internet verbreitet haben soll.

Laut offiziellen Angaben schlug der Protest in Gewalt um, als die Polizei die Demonstration auflösen wollte. Laut Berichten auf Youtube und Twitter griff die Polizei - scheinbar grundlos - in die friedliche Demonstration ein.

Augenzeugen berichteten, dass sich die Sicherheitskräfte und die beteiligten Uiguren ein Katz-und-Maus-Spiel geliefert hätten. Das Staatsfernsehen zeigte dramatische Bilder von blutenden, am Boden liegenden Zivilisten und brennenden Fahrzeugen. Schwarzer Rauch war über der Stadt zu sehen.

260 Autos zertrümmert

An den Ausschreitungen beteiligten sich nach Angaben staatlicher Medien und Augenzeugen fast 1000 Menschen. Laut chinesischen Behörden wurden 260 Autos zertrümmert oder in Brand gesetzt, 203 Häuser seien teils schwer beschädigt worden. In der Nacht zum Montag kehrte in der Provinzhauptstadt Urumqi Ruhe ein, nachdem Polizei und Streitkräfte verstärkt Präsenz zeigten.

Exilgruppen der Uiguren äußerten scharfe Kritik an den chinesischen Sicherheitsbehörden. "Wir sind zutiefst traurig angesichts der harten Hand und des Einsatzes von Gewalt durch die chinesischen Sicherheitskräfte gegen friedliche Demonstranten", sagte Alim Seytoff, Vizepräsident der in Washington ansässigen Gruppe amerikanischer Uiguren. "Wir fordern die internationale Gemeinschaft auf, die Tötung unschuldiger Uiguren zu verurteilen", sagte Seytoff.

(APA)