Fell geschnuppert

(c) APA/BARBARA GINDL
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Blickwinkel verändern sich. In Kindheitstagen sorgten die Sportler, die am Rand der Skipiste nach oben stapften, bei mir noch für Verwunderung. Warum die Qualen?

Sie hätten doch ganz einfach den Skilift nehmen können. Kürzlich kämpfte ich mich erstmals selbst mit pelzigen Skiern den Berg hinauf. Seither glaube ich, die Antwort auf meine einstige Frage gefunden zu haben.

Als Skitouren-Debütantin gilt es zuallererst, eine einsteigertaugliche Strecke und eine Ausrüstung zu finden. Ich entschied mich für die Wiener Sicherheitsvariante: das Stuhleck. Allein ob seiner Historie als Österreichs erster Berggipfel, der mit Skiern bezwungen wurde, schien es prädestiniert für die Tour zu sein. Noch viel mehr eignet es sich aus rein praktischen Gründen. Am Stuhleck haben mittlerweile so viele Tourengeher ihre Spuren in den Schnee gesetzt, dass es nahezu unmöglich ist, die Orientierung beim Aufstieg zu verlieren. Außerdem gibt es direkt beim Startpunkt, der Mittelstation, das Sportgeschäft Taberhofer (Kaltenbachstraße 10b), das Skier, Felle, Schuhe und Stecken verleiht. Noch einen Vorteil hat der Klassiker: Wen bei der Schnuppertour die Kraft verlässt, der muss sich nicht durch unwegsames Gelände, sondern nur über präparierte Pisten nach unten kämpfen.

Erst einmal muss man es aber nach oben schaffen. Mit den Fellen auf den Brettern und der richtigen Bindungseinstellung (Lob den Erfindern der Steighilfe!) geht es langsam, aber doch bergauf. Theoretisch ist das gar nicht so kompliziert. Man sollte auf die Rutschfestigkeit der Felle vertrauen und beherzigen, die Skier nach vorn zu schieben, anstatt sie zu heben. Praktisch kann schon das herausfordernd genug sein. Bald waren Pisten und Menschenmassen nicht mehr in Sicht. Es ging entlang von Forststraßen und Wanderwegen durch verschneite Wälder. Selten zuvor war Ruhe so unterhaltsam und ein kräfteraubendes Ausdauertraining so entspannend.

Nach drei Stunden und einer verdienten Rast in der Hütte wurde die Bindung auf Abfahrtsmodus gestellt. Schwung um Schwung ging es nach unten – vorbei an Sportlern, die am Rand der Skipiste nach oben stapften. Nun ist aus Verwunderung Bewunderung geworden.

E-Mails an:julia.neuhauser@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.02.2016)

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