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Regierung: Syrischer Kurde für Anschlag in Ankara verantwortlich

DFin Ankaras
Flammeninferno in Ankarasimago/Xinhua
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Der Verdächtige soll als Flüchtling ins Land gekommen sein, erklärte der türkische Premier. Indes erschüttert ein weiterer Anschlag die Südosttürkei.

Der schwere Anschlag in der türkischen Hauptstadt Ankara mit 28 Toten soll nach Angaben des türkischen Ministerpräsidenten Ahmet Davutoglu von einem Kurden aus Syrien verübt worden sein. Er sei bereits im Juli 2014 in die Türkei gereist, sagte ein ranghoher Mitarbeiter der türkischen Sicherheitskräfte.

Nach Angaben der türkischen Führung wurden 14 Verdächtige festgenommen. Die Zahl werde voraussichtlich noch steigen, sagte der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan am Donnerstag vor Journalisten in Ankara. Er betonte, dass die verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) und ihr syrischer Ableger PYD, beziehungsweise deren bewaffneter Arm YPG für den Anschlag verantwortlich seien.

Zuvor hatte es in Medienberichten geheißen, bei dem Attentäter handle es sich um einen Mann, der als Flüchtling in die Türkei gekommen sei und einer Kurdenmiliz in Syrien nahegestanden habe. Er habe das Anschlagsauto gefahren und sei durch die Explosion getötet worden, berichteten mehrere Zeitungen am Donnerstag unter Berufung auf die Polizei.

PKK und YPG bestreiten Verwicklung

PKK-Kommandeur Cemil Bayik sagte am Donnerstag: "Wir wissen nicht, wer das (in Ankara) getan hat. Es könnte aber ein Vergeltungsschlag für die Massaker in Kurdistan gewesen sein." Auch der Chef der wichtigsten syrischen Kurdenpartei, der Partei der Demokratischen Union (PYD), hat am Donnerstag die Verantwortung seiner Partei für den Anschlag bestritten. Auch der bewaffnete Arm der PYD, die "Volksverteidigungseinheiten" (YPG) hätten nichts mit dem Attentat zu tun, erklärte PYD-Chef Saleh Muslim gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. Die von der türkischen Regierung geäußerten Beschuldigungen zielten klar darauf ab, in Syrien eine Intervention zu versuchen.

Erdogan erklärte hingegen: "Auch wenn diejenigen an der Spitze, sei es die PKK oder der PYD, sagen, dass diese Sache nichts mit ihnen zu tun hat, so hat sich durch Informationen und Belege, die unser Innenministerium und unsere Geheimdienste verschafft haben, letztendlich ergeben, dass diese Sache ihnen zuzuschreiben ist", sagte er.

Bei dem Autobombenanschlag auf einen Militärkonvoi im Regierungsviertel von Ankara waren am Mittwoch 28 Menschen getötet und mehr als 60 weitere verletzt worden. Zunächst bekannte sich niemand zu der Tat. Der syrische Kurde wurde den Medienberichten zufolge nun mittels bei seiner Einreise genommener digitaler Fingerabdrücke identifiziert. Ob es sich um einen Selbstmordattentäter handelte, stand zunächst nicht fest.

Neuer Angriff

Am Donnerstag sind bei einem neuen Angriff auf die türkische Armee im Südosten des Landes mindestens sechs Soldaten getötet worden. Ziel des Anschlags in der Ortschaft Lice in der Provinz Diyarbakir sei am Donnerstagmorgen ein Militärkonvoi gewesen, hieß es aus Kreisen der Sicherheitskräfte. Diese machten die verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) für den Angriff verantwortlich, ebenso wie für den verheerenden Anschlag in der türkischen Hauptstadt Ankara.

Seit dem bisher blutigsten Anschlag in der Türkei, bei dem im Oktober bei einer prokurdischen Friedensdemonstration in Ankara 103 Menschen getötet wurden, gilt die höchste Terrorwarnstufe. Die türkischen Behörden machten damals die Jihadistenorganisation Islamischer Staat (IS) für die Tat verantwortlich.

Vor einem Monat sprengte sich ein mutmaßlicher IS-Anhänger in Istanbul in die Luft und tötete elf deutsche Touristen. Die türkischen Sicherheitskräfte nahmen in den vergangenen Wochen zahlreiche mutmaßliche IS-Kämpfer fest, die Anschläge in Ankara und der Metropole Istanbul geplant haben sollen.

Im Südosten des Landes geht die Armee mit aller Härte gegen die verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) vor. Die Rebellen verüben immer wieder Anschläge auf die türkischen Sicherheitskräfte. Der jahrzehntelange Konflikt mit der PKK eskalierte im vergangenen Sommer wieder, nachdem der Friedensprozess mit der türkischen Regierung zusammengebrochen war.