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OMV: Der Neustart aus dem Milliardenloch

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Nach einem Milliardenverlust sucht OMV-Chef Rainer Seele eine „schnelle Entlastung“ für den verschuldeten Konzern. Er steuert das Unternehmen auf einen Kuschelkurs mit Russland – und riskiert damit auch den Konflikt mit Brüssel.

Wien/Brüssel. Nun ist es offiziell: Der neue Konzernchef, Rainer Seele, will die OMV in den nächsten Jahren eng an Russland binden. Die umstrittene Kooperation mit dem staatlich kontrollierten Gazprom-Konzern würde eine ganze Reihe von Problemen der OMV auf einen Schlag lösen, ließ der deutsche Manager bei der Präsentation seiner Strategie wissen. An seiner Lösung gab es schon im Vorfeld kaum noch Zweifel. Seit gestern ist aber auch deutlich, welche Probleme er damit beheben will.

Die OMV gibt zu viel aus, verteilt Dividenden auf Pump, ist zu schwach im Wettbewerb und hoch verschuldet. Zudem schmelzen die Ölreserven des Konzerns viel zu schnell weg. „Es ist ein schleichender Niedergang“, sagte Seele. Die OMV habe „jahrelang über ihre Verhältnisse gelebt“. Angesichts des niedrigen Ölpreises bekomme das Unternehmen nun die Rechnung dafür präsentiert.

 

Zwei Milliarden Euro Verlust

Im abgelaufenen Jahr steht unter dem Strich daher erstmals seit langem ein dickes Minus. Das Betriebsergebnis der OMV stürzte mit zwei Milliarden Euro tief in die Verlustzone. Ohne Sonderabschreibungen verbuchte Österreichs größtes Unternehmen immer noch einen Gewinnrückgang um 38 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro. Und trotz teurer Investitionen in der Nordsee geht der OMV langsam das Öl aus. Im Vorjahr wurden nur 44 Prozent der geförderten Ölreserven durch neue Lagerstätten ersetzt. Langfristig droht die OMV also auszutrocknen.

Um das zu verhindern, soll Russland neben Österreich und Rumänien, der Nordsee sowie dem Naher Osten und Afrika zum vierten Kernmarkt der Österreicher werden. Allein das sibirische Gasfeld Urengoy, an dem sich die OMV über ein Tauschgeschäft beteiligen will, würde dem Konzern 600 Millionen Fass Öl bringen. Das ist fünfmal mehr, als die OMV heute in einem Jahr produziert. Ab 2020 soll Russland zumindest 50.000 Fass Öl am Tag beisteuern. Viel mehr als eine Stabilisierung der Produktion sei aber auch damit nicht drinnen. Auch das zweite Projekt mit der Gazprom, der Bau der Ostseepipeline Nord Stream 2, sei ein „todsicheres Geschäft“, versprach Rainer Seele.

 

Gegenwehr aus Brüssel

Allerdings eines, das in der EU auf heftige Gegenwehr stößt. Vor allem osteuropäische Staaten legen sich gegen den direkten Draht zwischen Deutschland und den sibirischen Gasfeldern quer. Aber nicht nur Länder wie Polen dürften wenig Freude mit der Neuausrichtung der OMV haben. Auch die offizielle Energiestrategie der EU-Kommission läuft der OMV-Strategie diametral entgegen. Europa soll alles daran setzen, seine Abhängigkeit von russischem Gas auf ein Mindestmaß zu reduzieren, ließ Energiekommissar Miguel Arias Cañete kürzlich wissen. Derzeit liefert Moskau rund 40 Prozent des Gases, das Europa braucht. Um das zu erreichen, will Brüssel künftig Verträge der Staaten mit Lieferanten vorab prüfen – und stoppen können. Projekte wie die Nord Stream 2 wären dann schwer zu realisieren. Offiziell seien die Pläne der EU nicht gegen Gazprom gerichtet, auch wenn das Verhältnis „äußerst komplex“ sei, betonte Cañete. Klar ist: In der EU ist das Misstrauen gegenüber Russland und Gazprom seit der Ukraine-Krise groß wie selten zuvor.

„Wir vermeiden solche Diskussionen“, sagt Rainer Seele, wenn er auf die politische Verstrickung seines Lieblingspartners angesprochen wird. Die Probleme der OMV seien wirtschaftlich, nicht politisch (siehe Interview, S. 19). Die reinen Produktionskosten der OMV liegen bei 13,2 Dollar je Fass, ein Zehntel über jenen der Konkurrenz.

Da komme die Gelegenheit in Russland gerade recht. Die Produktionskosten im Land lägen bei rund zwei Dollar je Fass. Ähnlich gute Voraussetzungen erhofft sich Seele auch im Iran und Abu Dhabi, den beiden anderen Regionen, in denen die OMV stark wachsen will.

 

„Ich brauche keinen Plan B“

Allzu viel Geld für die Suche nach neuen Öl- und Gasvorkommen hat die OMV allerdings nicht. Das Unternehmen ist mit gut vier Milliarden Euro verschuldet und musste auch 2015 eine halbe Milliarde Euro aufnehmen, um seinen Aktionären eine Dividende bezahlen zu können. Stattdessen steht der OMV ein Sparpaket ins Haus. Heuer sollen die Investitionen des Unternehmens gegenüber 2013 mehr als halbiert werden. Der Russland-Deal würde 400 Millionen Euro bringen. Dieselbe Summe etwa bei Personalkosten einzusparen, sei ein langer und schmerzhafter Weg. Die OMV brauche aber eine „eine schnelle Entlastung“. Einen Plan B für diese schnelle Entlastung der OMV hat Rainer Seele übrigens nicht. Warum auch? Er ist sich sicher: „Plan A wird realisiert werden.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.02.2016)