Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

US-Luftwaffe bombardiert IS-Stellungen in Libyen

APA/AFP
  • Drucken

Bei den Angriffen sind mindestens 40 Menschen ums Leben gekommen. In der Region wächst die Angst vor den IS-Milizen in Libyen.

Die US-Luftwaffen hat Stellungen der IS-Milizen in Libyen bombardiert. Ziel der Angriffe war die westlibysche Stadt Sabratha. Es sollen mindestens 40 Menschen getötet worden sein. Die Flugzeuge seien gegen 03.30 Uhr Ortszeit gekommen und hätten ein Gebäude im Stadtbezirk Qasr Talil bombardiert, in dem ausländische Arbeiter wohnten, sagte Bürgermeister Hussein al-Thwadi der Nachrichtenagentur Reuters.

Die "New York Times" berichtete unter Berufung auf einen nicht identifizierten Informanten aus Regierungskreisen, US-Kampfflugzeuge hätten ein Lager der Extremistenmiliz in Libyen bombardiert. Die Getöteten seien IS-Kämpfer. Sabratha liegt nahe der Grenze zu Tunesien und gilt im Westen auch als ein Gebiet, in dem der IS präsent ist.

Der Luftschlag galt laut "New York Times" einem aus Tunesien stammenden Anführer der IS-Miliz. Dieser gelte auch als Drahtzieher von zwei großen Anschlägen in Tunesien im vergangenen Jahr. Die US-geführte internationale Koalition gegen den IS hatte angekündigt, sie wolle ihren Kampf gegen die Terrormiliz intensivieren und deren Machtausweitung im Krisenland Libyen um jeden Preis verhindern.

Machtvakuum nach Sturz Gadafis

Seit dem Sturz von Machthaber Muammar Gaddafi versinkt das Land im Chaos. Zwei rivalisierende Regierungen, gestützt von jeweils anderen Rebellengruppen, ringen um die Macht. In das dazwischen herrschende Vakuum stößt der IS vor und breitet sich aus. Seine Hochburg ist die Stadt Sirte. Die Nachbarstaaten Ägypten, Tunesien und Algerien, die alle selbst Probleme mit militanten Islamisten haben, hoffen auf eine Intervention des Westens und fürchten sich zugleich vor ihr.

Zunächst aber steht die Frage im Raum, wie eine Intervention aussehen könnte. US-Präsident Barack Obama hat seine Sicherheitskräfte angewiesen, nach Wegen zu suchen, den IS in Libyen aufzuhalten. Nach Informationen aus Regierungskreisen sind dabei Luftangriffe ebenso eine Option wie der Einsatz von Spezialkräften. Viele Politiker im Westen dringen aber zunächst auf die Bildung einer Regierung der nationalen Einheit in Libyen, die sich dann mit der Bitte um Militärhilfe an die Staatengemeinschaft wenden könnte.

Militärintervention als Option

In den Nachbarländern wird dieses Herangehen befürwortet, denn sie befürchten politische Instabilität, viele Flüchtlinge und militärische Gegenmaßnahmen der Extremisten, wenn es eine Intervention gibt, ohne dass eine Regierung in Libyen existiert. "Jene Länder, die eine militärische Intervention ins Auge fassen, sollten zuvor die Interessen der Nachbarländer mit in Betracht ziehen", sagte der tunesische Präsident Beji Caid Essebsi.

Derzeit bemüht sich eine von den Vereinten Nationen unterstützte Einheitsregierung um die Rückendeckung des Parlaments und müsste dann in der Hauptstadt Tripolis ihren Sitz nehmen. Sollte sie aber nicht zustande kommen, würde der Westen einseitige Militäraktionen nicht ausschließen, verlautete aus amerikanischen und europäischen Regierungskreisen.

Risken für Tunesien und Ägypten

Die größten Risiken birgt die Lage in Libyen für Tunesien und Ägypten. In Libyen ausgebildete Extremisten verübten bereits zwei große Anschläge auf Touristen in Tunesien, dessen Wirtschaft weitgehend vom Tourismus abhängig ist. Mehr als 3.000 Tunesier haben das Land verlassen, um mit dem IS und anderen extremistischen Gruppierungen in Irak und Syrien zu kämpfen. Die Sicherheitskräfte des Landes befürchten, dass viele von ihnen nach Tunesien zurückkehren werden.

Die Behörden bereiten sich daher auf eine Eskalation vor. An der 200 Kilometer langen Grenze zu Libyen wurden Barrieren gebaut. Die Krankenhäuser in Gafsa, Tataouine, Mednine und Gabes bereiten sich darauf vor, Verletzte zu behandeln, und die Behörden haben Vorratslager angelegt, wie aus Regierungskreisen verlautet.

Ägypten hat die internationale Gemeinschaft immer wieder gedrängt, beim Kampf gegen Islamisten in Libyen zu helfen. Andererseits ist die Führung in Kairo eher zurückhaltend, was eine große Militärintervention des Westen betrifft. In den vergangenen 18 Monaten hat Ägypten die Grenzsicherung und die Luftüberwachung verstärkt. "Wir hoffen, dass die libysche Regierung und die libysche Armee (...) etwas zustande bringen, was die Möglichkeit einer Intervention ausschließt", sagte Außenminister Sameh Shoukry.

Algerien als Partner

Algerien ist mit seiner Erfahrung des Krieges gegen bewaffnete Islamisten in den 1990er Jahren ein wichtiger Partner in der Kampagne des Westens gegen die Extremisten in der Sahara-Region. Das Land will aber auch an seiner traditionellen Politik der Nichteinmischung festhalten. Algerien hat seine Grenzen scharf im Blick, seit Islamisten 2013 aus Libyen eindrangen, um sich am Angriff auf das Gasfeld In Amenas zu beteiligen, bei dem 40 Arbeiter getötet wurden. Vergangenen Monat nahmen algerische Streitkräfte sieben libysche Kämpfer an der Grenze bei In Amenas fest. Immer wieder registrieren die Behörden Waffenschmuggel in dem Gebiet.

(APA/Reuters)