Die indische Regierung nimmt ein hohes Budgetdefizit in Kauf, um das Wirtschafts-Wachstum auf neun Prozent zu erhöhen. Rund 455 Millionen Inder leben unter der Armutsgrenze, das sind mehr als 40 Prozent der Bevölkerung.
Nach einem Einbruch im vergangenen Finanzjahr will die Regierung der aufstrebenden Wirtschaftsmacht Indien das Wachstum wieder auf neun Prozent steigern. Finanzminister Pranab Mukherjee sagte am Montag zur Vorstellung des Haushalts 2009/2010 im Parlament: "Die erste Herausforderung besteht darin, das jährliche Wachstum des Bruttoinlandsprodukts so früh wie möglich wieder auf neun Prozent zurückzubringen." Vorgesehen sind verstärkte Ausgaben, um das Wachstum anzukurbeln, die das Haushaltsdefizit auf 6,8 Prozent steigen lassen.
Wachstum "nur" 6,7 Prozent
Die weltweite Wirtschaftskrise hatte das Wachstum in Indien im Ende März abgelaufenen Finanzjahr 2008/2009 auf 6,7 Prozent gebremst. In den drei vorhergehenden Jahren hatte die indische Wirtschaft um je neun Prozent zugelegt. Mukherjee sagte am Montag, der Industriesektor beginne sich zu erholen. Ausländische Investoren kehrten nach Indien zurück. "Es ist möglich, dass die beiden schlimmsten Quartale seit dem finanziellen Zusammenbruch hinter uns liegen." Marktanalysten kritisierten das Budget als mangelhaft und populistisch.
Zwölf Millionen Jobs schaffen
Mukherjee sagte nach Angaben der Nachrichtenagentur IANS, die von der Kongress-Partei geführte Regierung wolle jährlich zwölf Millionen Arbeitsplätze schaffen und die Armut bis 2014 halbieren. Nach Schätzungen der Weltbank vom vergangenen Jahr leben 455 Millionen Inder unterhalb der Armutsgrenze. Damit haben mehr als 40 Prozent der Bevölkerung täglich weniger als 1,25 Dollar (0,899 Euro) zur Verfügung. Der Minister betonte, die vor zwei Monate nach ihrem Wahlsieg angetretene Regierung werde ländliche Entwicklung fördern und die Infrastruktur ausbauen. Er kündigte Gesetze an, wonach verarmten Bürgern subventionierte Grundnahrungsmittel zur Verfügung gestellt würden.
(Ag.)