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Fußball-Analyse: Rapid hat sich widerstandslos ergeben

Stellvertretend für Rapid: Stürmer Matej Jelić konnte die 0:6-Abfuhr in Valencia einfach nicht fassen.
Stellvertretend für Rapid: Stürmer Matej Jelić konnte die 0:6-Abfuhr in Valencia einfach nicht fassen.(c) APA/GEORG HOCHMUTH
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Ausgerechnet in Valencia haben die Hütteldorfer „österreichisch“ agiert, die Europa-League-Reise wurde jäh gestoppt. Das 0:6-Debakel könnte allerdings ein Denkanstoß für weitere Missionen im internationalen Vergleich sein.

Immer dann, wenn Österreicher als krasse Außenseiter gelten, wächst mit jedem Tag, mit dem der Anpfiff näher rückt, der Optimismus. Dann werden unaufhaltsam Gründe gesucht, warum man es trotzdem schaffen könnte, nein, sogar wird. Die Krisen des Gegners sind vermeintlich eigene Stärken, im Spiel selbst ist dann alles plötzlich ganz anders. Und in Spanien endet alles mit zumeist einer sehr bitteren Abfuhr.

Der FC Tirol dachte einst, Real Madrid in einem wirklich günstigen Augenblick zu erwischen. Die Innsbrucker, betreut von Ernst Happel, liefen 1990 in ein 1:9-Debakel. Man erinnere sich an das 0:9 unter Teamchef Herbert Prohaska 1999 in Valencia gegen Spanien. Das 0:4 unter Otto Barić 2001 an gleicher Stelle. Nun ist auch Rapid unter die Räder gekommen. Der Auftritt zum Start der K.-o.-Phase in der Europa-League endete im Mestalla-Stadion mit einer überaus ernüchternden 0:6-Lehre. Es ist die höchste Europacup-Niederlage der Klubgeschichte.

 

Ratlosigkeit ist keine Antwort

Nur noch Kühe, ätzte Dietmar Kühbauer, die über das Happel-Stadion fliegen, könnten da im Rückspiel am Donnerstag noch eine Trendwende einleiten. Die Art und Weise, wie Rapid in Valencia sich, das Spiel und damit alle Träume verloren gab, die überraschte schon. Phasenweise hatte sich Grün-Weiß geradezu kampflos ergeben, dabei ist Fußball doch auch ein Kampfsport. Rapid aber kam oft nicht einmal in die Verlegenheit, Zweikämpfe bestreiten zu müssen. Die Spanier und der Ball waren schneller als vermutet.

„Die erste Hälfte“, meinte Trainer Zoran Barišić, „war sehr enttäuschend, wir haben uns da nicht gut genug angestellt. So darf man sich, egal auf welchem Niveau, nicht präsentieren.“ Aber man wusste doch schon vor dem Anpfiff, gegen wen man da spielen würde. Wieso hat der Trainer nicht eingegriffen, als er merkte, dass die Abwehr keine Zuordnung besaß?

Wer binnen weniger Minuten zwei, drei Tore einstecken muss, gerät gewiss aus psychologischer Sicht unter Druck. Das Erkennen der Unterlegenheit lähmt, es ist beklemmend, und diese Starrheit bereitete Valencia auch „ein leichtes Spiel“, sagte Barišić. Seine Mannschaft wollte dieses Manko mit spielerischen Elementen lösen, vielleicht kaschieren. Ein hartes Foul, ein körperbetonter Einsatz, eine härtere Reaktion – all das blieb aber aus. Und als es zur Halbzeit 0:5 stand – wie 1999 – war auch Barišić gefangen. Er schien ratlos.

Nach dem Seitenwechsel betrieb Rapid immerhin Schadensbegrenzung. Grün-Weiß profitierte allerdings auch gehörig davon, dass die Spanier ab Wiederbeginn keinen Wert mehr auf eine noch größere, eventuell strapaziöse Vorstellung legten. 6:0, das genügte.

Rund 200 mitgereiste Rapid-Ultras haben dieses Spektakel erst überhaupt nicht gesehen. Sie hätten ein Transparent nicht ins Mestalla-Stadion mitnehmen dürfen, der Schriftzug „Ultras“ missfiel dem Gastgeber, der trotz des Gesprächs mit Rapid-Vertretern dahinter eine politische Gesinnung witterte. Die Anhänger beschlossen daraufhin, auf dieses Spiel zu verzichten. Sie dürften es sich in einem nahe gelegenen Lokal bequem gemacht haben, sie sahen diese „sportliche Hinrichtung“ also nur im Live-TV.

Rapids Reise durch die Europa-League schien in der Gruppenphase wunderbar, sie endete allerdings in Valencia jäh mit einer Bruchlandung. Jetzt bleibt dem Klub nur noch die Meisterschaft.

Vielleicht hat dieses Debakel auch heilende Wirkung. Es muss doch für Teamchef Marcel Koller ein Warnschuss sein. Damit er bei der EM in Frankreich kein österreichisches Schicksal erleidet.

Info

Europa-League K. o.-Phase

Valencia – Rapid 6:0 (5:0). Tore: Mina (4., 25.), Parejo (10.), Negredo (29.), Gomes (35.), Rodrigo (89.).

Augsburg – Liverpool 0:0, ohne Manninger

St. Etienne – Basel 3:2 (2:1). Janko (56./Elfmeter). spielte durch.

Fiorentina – Tottenham (Wimmer spielte durch) 1:1.

Midtjylland – Manchester United 2:1 (1:1). Pusic bis 60. Minute, Royer ab 85.

Galatasaray – Lazio Rom 1:1 (1:1).

Sporting Lissabon – Leverkusen 0:1 (0:1).

Schachtar Donezk – Schalke 0:0; (Schöpf ab 81.)

Olympique Marseille – Athletic Bilbao 0:1 (0:0).

Sparta Prag – Krasnodar 1:0 (0:0).

FC Sion – Braga 1:2 (0:1).

Dortmund – Porto 2:0 (1:0).

Sevilla – Molde 3:0 (1:0).

Villarreal – Napoli 1:0 (0:0).

Anderlecht – Olympiakos Piräus 1:0 (0:0).

 

Rückspiele am 24./25. Februar

 

TV-Tipps Live

Samstag, FA-Cup, Arsenal – Hull City (14.15 Uhr), Bournemouth – Everton (18.15 Uhr, je Eurosport).

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.02.2016)