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EZB will für Banken mehr Spielraum

(c) Bloomberg (Krisztian Bocsi)
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Boni sollen auch dann ausgeschüttet werden, wenn es ihnen schlecht geht.

Wien. Die Europäische Zentralbank (EZB) möchte Geldhäusern mehr Spielraum geben, um auch in schwierigen Zeiten Dividenden, Anleihezinsen und Boni zahlen zu können. Die EZB setze sich für die Änderung einer EU-Richtlinie ein, die solchen Zahlungen enge Grenzen setze, sagte EZB-Generaldirektor Korbinian Ibel am Freitag in einer Telefonkonferenz mit Journalisten.

Diese Regel untersagt Banken de facto solche Zahlungen, wenn ein Institut einen Verlust schreibt und die Vorgaben der Aufsicht zum Jahresende dadurch auch nur knapp unterschreitet. „Dieser Automatismus kann Banken in eine sehr unangenehme Lage versetzen“, sagte der ehemalige Commerzbank-Manager Ibel. Das gelte besonders für Banken, die in den letzten Monaten eines Jahres einen hohen Verlust erleiden und ihren Kapitalpuffer nicht mehr rechtzeitig bis Ende Dezember durch eine Kapitalerhöhung stärken können.

 

Vorgaben stressen Banken

Auf dem Markt gab es zuletzt große Sorgen, dass kriselnde Banken wegen der Vorgaben der Regulierer neuartige Bonds (AT1) nicht bedienen können. Die Deutsche Bank, die 2015 einen Rekordverlust von fast sieben Mrd. Euro verbuchte, versicherte daraufhin vergangene Woche, sie habe genug Geld, um Zinsen auf ihre AT1-Anleihen zu zahlen. Derartige Anleihen sind zunächst Fremdkapital, werden aber automatisch in Eigenkapital umgewandelt, wenn der Kapitalpuffer der Bank unter eine bestimmte Schwelle sinkt. Dann erhalten die Investoren entweder Aktien oder die Papiere werden vorübergehend abgeschrieben, womit die Käufer der Zwangswandelanleihen die Verluste tragen.

Noch zu einem anderen Thema nahm die EZB Stellung: „Die unerwünscht niedrige Inflation wird die EZB im März womöglich zu Gegenmaßnahmen veranlassen“, sagte EZB-Vizechef Vitor Constâncio.

Dies gelte für den Fall, dass die Preise nach Einschätzung des EZB-Rats künftig langsamer als erwartet anziehen. Er könnte sich dann zum Handeln entscheiden, fügte der Portugiese auf einer von Reuters organisierten Konferenz in New York hinzu. (APA/Reuters)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.02.2016)