Kopernikus gefunden

(c) Zoologisches Institut der Polnische Akademie der Wissenschaften
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Genanalysen zeigen, dass der Astronom in der Kathedrale von Frombork ruht, in der er Domherr war.

In der Mitte von allen (Planeten) aber hat die Sonne ihren Sitz. (Sie) lenkt, gleichsam auf königlichem Thron sitzend, in der Tat die sie umkreisende Familie der Gestirne.“ So formulierte Nicolaus Kopernikus 1543 in „De Revolutionibus Orbium Coelesticum“ seine Revolution, nicht jeder hatte an der Lektüre Freude: „Der Narr will mir die ganze Kunst Astronomia umkehren! Aber wie die Heilige Schrift zeigt, hieß Josua die Sonne still stehen und nicht die Erde.“ Das Urteil stammt von Martin Luther, aus Rom kam keines, anders als bei Galilei, vielleicht war Kopernikus einfach (noch) zu unbedeutend. Darauf deutet auch, dass man ihn nach seinem Tod im Alter von 70Jahren im gleichen Jahr 1543 ohne besondere Umstände bestattete – in der Kathedrale der nordpolnischen Stadt Frombork (Frauenburg), wo er als Domherr tätig war –, seine Grabplatte trug noch nicht einmal einen Namen.

Schon Napoleon ließ suchen

Bald war vergessen, wer wo lag – es gibt über hundert Gräber in der Kathedrale –, auch eine von Napoleon 1807 in Auftrag gegebene Suche blieb erfolglos. 2004 unternahmen polnische Forscher den nächsten Vorstoß, sie stützten sich auf die Vermutung, Kopernikus sei an jenem Altar beigesetzt worden, an dem er sein geistliches Amt ausgeübt hatte, dem des heiligen Andreas. Man grub, fand 13 Gräber, und im 13. einen Schädel und Zähne und Knochen, die zum Gesuchten passten: Der Mann war mit etwa 70 Jahren verstorben, damals ein hohes Alter. Dann ließ man Gerichtsmediziner eine Rekonstruktion des Gesichts anfertigen, sie passte zu Porträts aus Lebzeiten des Kopernikus (allerdings aus früheren Jahren).

Ein Beweis war das natürlich nicht, den können nur die Gene liefern. Aber dazu braucht man Referenzgene, und die hatte man lange nicht: Es gibt keine bekannten lebenden Nachfahren von Kopernikus, und die Analyse von DNA seines mutmaßlichen Onkels, der in der gleichen Kathedrale bestattet ist, zeigte nur, dass der andere nicht der Onkel ist. Aber es gibt noch etwas, Haare. Neun Stück liegen in einem Astronomiebuch – „Calendarium Romanum Magnum“ von Johannes Stoeffler –, mit dem Kopernikus jahrelang arbeitete und das nach der schwedischen Invasion Polens im 17. Jahrhundert als Kriegsbeute mitgenommen wurde, heute wird es im Museum Gustavium der Universität Uppsala aufbewahrt.

Proben dieser Haare wurden dem Team um Wieslaw Bogdanowicz (Polnische Akademie der Wissenschaften), das auch die Knochen und Zähne analysierte, zur Verfügung gestellt: Zwei Haare haben die gleichen Gene wie die Knochen und die Zähne.

„Damit ist die Suche, die zumindest zwei Jahrhunderte dauerte, zu Ende“, schließen die Forscher, aber sie haben auch eine Überraschung bzw. ein Rätsel: Die Gene zeigen, dass ihr Träger mit hoher Wahrscheinlichkeit blaue Augen hatte. Alle Porträts von Kopernikus zeigen aber einen Mann mit dunklen Augen. Die Forscher vermuten, dass das an der besonderen Maltechnik lag, mit der die Gemälde zu Lebzeiten angefertigt wurden, und dass der Fehler in späteren Porträts perpetuiert wurde(Pnas, 6.7.).

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.07.2009)

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