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Internet der Dinge: "Eine Welle rollt auf uns zu"

Es steht uns ein Paradigmenwechsel bevor.
Es steht uns ein Paradigmenwechsel bevor.Reuters
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Das Internet der Dinge ist längst nicht mehr nur Theorie. Beim Mobile World Congress in Barcelona ist das Thema omnipräsent, Hersteller geben Einblicke in die Technologie.

Beim Zähneputzen auch die Nachrichten und die aktuelle Wetterlage sowie Verkehrsinformationen lesen - ohne dabei den Blick vom Spiegel zu wenden. Die Zahnpastatube meldet, dass sie bald leer ist und nachgekauft werden muss - online natürlich. Einfach via App. Derartige Innovationen werden auch in diesem Jahr wieder auf dem Mobile World Congress in Barcelona vorgestellt. Die Fachmesse hat in den vergangenen Jahren massiv an Bedeutung gewonnen und 2015 mit mehr als 93.000 Besuchern einen neuen Rekord aufgestellt. In acht Hallen buhlen knapp 2000 Aussteller um das Interesse der Anwesenden. Der Fokus liegt weiterhin auf den Geräten von Samsung, Sony, Huawei und Co., aber das Internet der Dinge (Internet of Things, abgekürzt IoT) gewinnt an Bedeutung.

Darunter versteht man die Vernetzung von mit dem Internet verbundenen alltäglichen Gegenständen, damit diese verschiedene Aufgaben für den Nutzer erledigen können. Den Begriff erfand der britische Tech-Pionier Kevin Ashton bereits 1999. Damals nur Theorie ist es heute bereits Alltag, etwa in der Logistik und anderen Wirtschaftsbereichen. Das Modeunternehmen C&A hat seit über vier Jahren RFID-Chips in den Kleidungsstücken, um den Warenfluss und die Logistik besser überwachen zu können. Diebstahlsicherung sind die Chips auch.

Surfen auf der IoT-Welle. Im Alltag ist IoT noch nicht angekommen. Das liegt, sagt Oliver Gassmann, Professor an der Universität St. Gallen und Vorsitzender des Institut für Technologiemanagement, aber auch daran, dass die Unternehmen selbst auf diesen Wandel noch nicht vorbereitet sind. Ein IT-Leiter sei in den meisten Fällen nicht die richtige Ansprechperson: „IT-Leiter sind vor allem für den Betrieb stabiler Systeme verantwortlich. Sie sind darauf programmiert, Risken zu analysieren und davor zu warnen.“ Das IoT umzusetzen, ist auch mit Risiko verbunden. Jedoch lässt sich der Wandel und die Digitalisierung nicht aufhalten – zumindest aus der Sicht von Unternehmen. Nikolaus Kawka, Geschäftsführer von Zühlke Engineering Austria, ist der Meinung, dass „die Industrie 4.0, die auch das Internet der Dinge maßgeblich umfasst, wie eine Welle auf uns zurollt. Nun ist die große Frage, ob wir (Gesellschaft, Politik und Wirtschaft, Anm.) darauf surfen oder untergehen werden.“

In Österreich wagt man sich an ein neues Projekt meist nur mit Samthandschuhen. Die Angst vor Misserfolg ist zu groß. Ein Denken, das im Silicon Valley nicht existiert. Ausprobieren – scheitern – aus Fehlern lernen. So lässt sich die Mentalität in der US-Ideenschmiede beschreiben. Und es gibt erfolgreiche Vorbilder. Allen voran Google. Man hatte die Möglichkeit, eine Suchmaschine zu bleiben oder zum wertvollsten Unternehmen zu wachsen. Doch es gibt Gefahren und hier gilt es laut Nikolas Kawka anzusetzen: „Anbieter müssen auch zu Beratern werden und die neuen Geschäftsmodelle begleiten.“ Bis 2020 sollen immerhin über 50 Mrd. Geräte im Netz hängen.

Komfort gegen Privatsphäre.
Aus Kundensicht muss man sich entscheiden, ob man vernetzt sein will und Entscheidungen an seine Haushaltsgeräte gibt – oder nicht. Neben all dem Komfort von Kühlschränken, die Bestellungen online erledigen, oder der Kaffeemaschine, die über das Smartphone aktiviert wird, muss man sich aber bewusst sein, dass man als Kunde mit seinen Daten und seiner Privatsphäre bezahlt. Und die sind das Gold des 21. Jahrhunderts.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.02.2016)