Michael Jackson: Angst vor Massenhysterie

(c) AP (Matt Rourke)
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Das Who's who der schwarzen Showbranche zollt dem Popstar Tribut. In Los Angeles befürchtet die Polizei eine Massenhysterie.

Wer ein echter Fan ist, trägt sein Idol am Leib. Weil die Amerikaner ihr Bekenntnis stolz nach außen kehren, drucken findige Geschäftemacher zu jedem Anlass T-Shirts: zum Unabhängigkeitstag, zum Wahltag, zum Geburtstag – und in besonderen Fällen eben auch zum Todestag.

Nicht nur unter Afroamerikanern hat Michael Jackson dieser Tage Barack Obama als Posterboy abgelöst. Um ihre Trauer öffentlich zu bekunden, haben sich die Menschen T-Shirts übergestreift, die den Popstar am Zenit seiner Karriere abbilden und nicht als den exzentrischen Sonderling, der sich vor der Welt versteckt hielt und sich in einem Privatvideo unter der Devise „Lasst Kinder um mich sein“ zum Pseudo-Jesus aufschwang. In einem Tryptichon ließ er sich zur Fantasy-Gottheit stilisieren. Für Al Sharpton, den schwarzen Bürgerrechtler, und Freund des Jackson-Clans, hat dies seine Logik. Noch vor dem Begräbnis hat er das angeblich bahnbrechende Vermächtnis Jacksons für die US-Gesellschaft herausgestrichen. In seiner Sonntagspredigt zog der Reverend eine direkte Linie von Jackson über die TV-Moderatorin Oprah Winfrey, den Basketballer Michael Jordan und den Golfer Tiger Woods bis hin zu Obama. Sein Erfolg über die Rassenschranken hinweg, so seine These, habe deren Weg geebnet. So weit wollte Colin Powell, der erste schwarze Generalstabschef und Außenminister, in seiner Würdigung dann doch nicht gehen. Aber auch er pries verklärt den Kinderstar der Jackson 5.

Alles, was in der Welt des Pop- und Entertainmentbusiness Rang und Namen hat, soll bei der Trauerfeier im Staples Center in Los Angeles der verblichenen Musikikone Tribut zollen. Das Programm wurde bis zuletzt wie ein Staatsgeheimnis gehütet. Noch am Montag wurde an der Starparade getüftelt. Zwei Diven, zwei zentrale Frauen in Jacksons Leben, sollten jedenfalls eine prominente Rolle spielen. Seine musikalische Ziehmutter Diana Ross, so hieß es, sollte das Gedenkkonzert einleiten. Elizabeth Taylor, über Jahre eine enge Gefährtin, war als Trauerrednerin vorgesehen.

Neben Liza Minelli und Justin Timberlake sollte das Who's who der schwarzen Showbranche auftreten: Stevie Wonder, Lionel Richie, Aretha Franklin, Whitney Houston, Beyoncé und Jennifer Hudson. Dass Barry Gordy, Chef des Motown-Labels, und Quincy Jones, Jacksons kongenialer Produzent und Songschreiber, mit von der Partie sein werden, versteht sich von selbst.

Trotz aller Warnungen befürchtete die Polizei in Los Angeles einen Run von bis zu einer Million Menschen auf das Staples Center, obwohl die Arena bereits tags zuvor durch Barrikaden weiträumig abgeriegelt war. Auf Ebay wurden für die per Los zugeteilten Gratistickets Höchstangebote von 20.000 Dollar notiert. Aus aller Welt angereiste Fans belagerten den Forest-Lawn-Friedhof, auf dem Dienstag früh die private Trauerzeremonie stattfinden soll. Gerüchte sprachen von einer Einäscherung und einer späteren Urnenbeisetzung oder einer Verstreuung der Asche auf der Neverland-Ranch.

Auf einen Blick

Die Trauerfeier für Michael Jackson heute, Dienstag, dürfte von hunderten Millionen Menschen weltweit via TV verfolgt werden. ORF1 beginnt mit seiner Berichterstattung um 18.05 Uhr.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.07.2009)

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