Bisher kein Interesse in Oberösterreich

Die Adoptionskriterien seien für hetero- und homosexuelle Paare gleich, wird im Büro des für Kinder- und Jugendhilfe zuständigen NÖ Landesrat Maurice Androsch (SPÖ) betont.

In Oberösterreich hat bisher kein homosexuelles Paar Interesse an der Adoption eines Kindes bekundet, hieß es aus dem Büro von Soziallandesrat Reinhold Entholzer. Auch bei der Homosexuellen Initiative (HOSI) Linz hat sich noch kein Paar bezüglich einer Adoption erkundigt, bestätigte deren Sprecher, Stefan Thuma. Er ortet mehr Interesse dafür in anderen Bundesländern wie etwa Wien oder Salzburg.

Als potenzielle Adoptiveltern sind derzeit 86 Paare in Oberösterreich erfasst. Aus dieser Evidenz würden dann jeweils individuell die bestmöglichen Eltern ausgesucht, wobei nach festgelegten Kriterien vorgegangen werde. Die Wartezeit für homo- und heterosexuelle Paare sei grundsätzlich gleich lang, so das Sozialressort. 2014 gab es in Oberösterreich 17 innerstaatlichen Adoptionen sowie zwei Auslandsadoptionen, im Jahr davor wurden 15 Kinder adoptiert.

Die Adoptionskriterien seien für hetero- und homosexuelle Paare gleich, wird im Büro des für Kinder- und Jugendhilfe zuständigen NÖ Landesrat Maurice Androsch (SPÖ) betont: "Hier gibt es keine Unterschiede." Die Wartezeit bis zu einer Adoption sei relativ lange. Aufgrund großen Interesses müssen Bewerber mit mindestens zwei bis drei Jahren Wartezeit rechnen, informiert das Bürgerportal Help.gv.at.

In Tirol hat es noch keine entsprechenden Anträge gleichgeschlechtlicher Paare gegeben. Dies teilte Silvia Rass-Schell, Leiterin der Abteilung Kinder- und Jugendhilfe des Landes, der APA mit. "2014 hatten wir sieben Inlandsadoptionen und sechs aus dem Ausland - aus Tschechien, Thailand und den USA", sagte sie. Für 2015 würden noch keine Zahlen vorliegen. "Pro Jahr melden sich bei uns rund 25 Paare, die sich für Adoption interessieren", fügte die Beamtin hinzu.

Homosexuelle Paare hätten sich seit der Aufhebung des Adoptionsverbots jedenfalls noch keine gemeldet. Auch schwule Paare, die bereits Pflegekinder betreuen, haben laut Rass-Schell bisher noch keinen Antrag gestellt, um möglicherweise ihre Pflegekinder zu adoptieren.

Ob unter den Anträgen von Einzelpersonen homosexuelle Bewerber sind, sei jedoch nicht bekannt. "In solchen Fällen halten wir die sexuelle Orientierung der Personen nicht fest", erklärte Rass-Schell. Eine Adoption durch eine Einzelperson sei jedoch mit sehr strengen Auflagen verbunden. So müsse beispielsweise bereits eine Beziehung zu dem Kind bestehen, oder das Kind müsse mit dem Adoptionsbewerber verwandt sein.

In den beiden größten Städten Niederösterreichs, St. Pölten und Wiener Neustadt, hat bisher noch kein homosexuelles Paar eine Adoption beantragt. Am Bezirksgericht der Landeshauptstadt gab es insgesamt einen offenen Antrag. Im Vorjahr wurden in St. Pölten zwei Minderjährige und vier Volljährige - jeweils aus dem Inland - adoptiert, teilte das Gericht auf Anfrage mit. Die Dauer des Verfahrens sei sehr unterschiedlich.

In Wiener Neustadt gibt es jährlich im Durchschnitt ein bis zwei Adoptionen, im Vorjahr keine, hieß es aus dem Magistrat. Sobald ein Antrag eines homosexuellen Paares vorliegt, "hat dieser natürlich die gleiche Chance wie einer eines heterosexuellen Paares", hielt man in Wiener Neustadt fest. Pflegekinder werden derzeit keine durch gleichgeschlechtliche Partner betreut.

Bei 123 Adoptionsanträgen in Niederösterreich, bei denen eine Eignung der Bewerber zur Aufnahme eines Kindes festgestellt wurde, gab es 2014 16 Adoptionen aus dem In- und 17 aus dem Ausland. Aktuellere Zahlen für das gesamte Bundesland lagen noch nicht vor. Adoptionen durch homosexuelle Paare sollen künftig auch nicht extra ausgewiesen werden, hieß es aus dem Büro von Landesrat Androsch.

(APA)