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Drogen: Situation entlang U6 "vollkommen inakzeptabel"

Rund um die U6-Station Josefstädter Straße hat sich zuletzt eine neue Drogenszene etabliert.(c) Stanislav Jenis

Der grüne Bezirksvorsteher Blimlinger warnt Schulen und Eltern vor einer „offenen Drogenszene“ entlang der U6. Die Polizei verstärkt ihre Präsenz, auch Spürhunde sind im Einsatz.

Wien. Vor einer „offenen Drogenszene entlang der U-Bahn-Linie 6, die besorgniserregende Ausmaße angenommen hat“, warnt Thomas Blimlinger, Bezirksvorsteher im siebten Bezirk (Grüne), in einem Schreiben an Schulen und Eltern. Die aktuelle Situation sei „vollkommen inakzeptabel“. Besonders betroffen seien die U6-Stationen Josefstädter Straße und Thaliastraße – „aber auch Bereiche in den angrenzenden Bezirken wie beispielsweise die Lerchenfelder Straße und der Josef-Strauß-Park“, heißt es in dem Brief vom 22. Februar.

„Ich stehe in ständigem Kontakt mit den zuständigen Polizeiinspektionen bzw. der Landespolizeidirektion und kann Ihnen versichern, dass alle Stellen eng zusammenarbeiten“, meint Blimlinger darin. „Die Polizei hat ihre Präsenz massiv verstärkt, die Stadt Wien die Anzahl der Sozialarbeiter erhöht. Und auch Suchtgiftspürhunde sind im Einsatz.“ Erschwert werde die Arbeit der Polizei aber durch das neue Suchtmittelgesetz, das seit Anfang des Jahres in Kraft ist. Wurde ein Straßendealer früher mit Drogen erwischt, habe das in der Regel für den Vorwurf der Gewerbsmäßigkeit ausgereicht, und die Dealer hätten die Szene freiwillig verlassen. Durch das neue Gesetz liegt Gewerbsmäßigkeit erst dann vor, wenn nicht nur eine Tat, sondern zwei weitere konkret geplant oder begangen wurden. Erst dann kann Blimlinger zufolge Untersuchungshaft verfügt werden. Für den Strafbestand der wiederkehrenden Begehung müsse zudem ein monatliches Einkommen von mindestens 400 Euro nachgewiesen werden. „Dazu kommt, dass die Drogenszene neue Strategien anwendet, indem sie unter anderem mehr in Großgruppen, gleichzeitig, völlig offen und zuletzt leider auch aggressiver auftritt“, schreibt der Bezirkschef.

An der Reparatur des Suchtmittelgesetzes werde gearbeitet. Bis dahin setze die Polizei auf starke Präsenz und Ahndung von Verwaltungsübertritten. „Gleichzeitig wurden Sofortmaßnahmen wie beispielsweise die Verbesserung der Beleuchtung und Rodung von Büschen beschlossen.“ Besorgte Eltern könnten ihn jederzeit kontaktieren, um ihm von ihren Beobachtungen zu erzählen.

Neue Szene auch in Ottakring

Erst vor rund einem Monat beklagte Ottakrings Bezirksvorsteher, Franz Prokop (SPÖ), ähnliche Entwicklungen in seinem Bezirk. Dort etablierte sich in den vergangenen Jahren nicht nur entlang der U6-Linie, sondern auch am Brunnenmarkt ein neuer Drogen-Hotspot. Den Beginn machte die Gumpendorfer Straße, als die Suchthilfe Jedmayer 2012 gegenüber eine neue Beratungsstelle eröffnete. Diese zog Suchtkranke und auch jene an, die diese versorgten.

Momentan erlebt auch die U6-Station Jägerstraße einen massiven Wandel – rund um den Hannovermarkt blüht der Suchtgifthandel. Die Stadt setzt wie in Neubau verstärkt auf Sozialarbeiter – die Polizei hat Sondereinheiten aufgestockt. Täglich sind an diesen Orten rund 100 Zivilpolizisten unterwegs.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.02.2016)